Boxen

Ringschlacht ohne Sieger

Felix Sturm (l.) und Robert Stieglitz zeigten einen starken Kampf
© getty

Im Duell der ehemaligen Weltmeister haben sich Felix Sturm (39-4-3) und Robert Stieglitz (47-4-1) unentschieden getrennt. Die Entscheidung des Kampfes fiel nach zwölf Runden durch eine Split Decision der Punktrichter.

Vor 6.500 Zuschauern in der ausverkauften Stuttgarter Porsche Arena präsentierten sich beide Kämpfer von Beginn an mit einem unbändigen Willen und legten ein schier unglaubliches Tempo an den Tag, welches sich über den gesamten Kampf erstreckte. Es entwickelte sich ein Duell mit offenem Visier, bei dem die Defensive zunächst zur Nebensache verkam. Mit zunehmender Dauer überzeugte vor allem Sturm mit schweren Treffern durch seine Schlaghand.

Die Mitte des Aufeinandertreffens dominierte der 35-Jährige, der sich in der besten Form seit Jahren zeigte, deutlich. Stieglitz jedoch bewies auch in Stuttgart wieder ein enormes Stehvermögen und fand in den letzten Runden zurück in das hart umkämpfte Duell. Das Resultat war ein letztlich durchaus gerechtes Unentschieden, in einem atemberaubenden Kampf zweier gleichwertiger Boxer.

Durch das Urteil der Punktrichter muss sich allerdings Arthur Abraham, der WBO-Weltmeister im Super-Mittelgewicht gedulden. Beide Seiten sprachen offen einen Rückkampf an, der dann hoffentlich über den Gegner des gebürtigen Armeniers entscheiden wird. Ob es also zum heiß ersehnten Duell zwischen Sturm und Abraham kommt oder ob es doch ein weiteres Kapitel der unendlichen Geschichte zwischen Stieglitz und dem Champion gibt, ist weiterhin völlig offen.

Im Vorfeld des Hauptkampfes konnte sich Killer Queen Susi Kentikian im Duell um ihren WBA-Gürtel im Fliegengewicht gegen die zuvor in zwölf Profi-Kämpfen ungeschlagene Japanerin Naoko Fujioka einstimmig nach Punkten (97:93, 97:94, 96:94) durchsetzen. Für die gebürtige Armenierin war es der 34. Sieg im 37. Kampf.

Reaktionen:

Felix Sturm: "Ich denke, es war ein spektakulärer Kampf. Robert ist ein toller Kämpfer. Wir machen auf jeden Fall einen Rückkampf. Deutschland braucht keine Titelkämpfe, sondern solche wie am heutigen Abend."

...über die Wertung: "Ich habe mich vorne gesehen, habe aber Respekt für Robert Stieglitz."

...über die nahe Zukunft: "Jetzt werde ich jedoch erstmal eine Auszeit nehmen, meine Frau erwartet ein Kind und ich will mich auf sie konzentrieren."

Robert Stieglitz: "Sturm hat bewiesen, dass er ein wahrer Champion ist. Hut ab. Ich gehe davon aus, dass es ein faires Urteil war, der Kampf war ausgeglichen - ein Unentschieden war korrekt."

...über seine Leistung: "Ich war mit mir nicht ganz zufrieden, habe deutlich zu spät angefangen. Deshalb hat es auch am Ende nicht gereicht."

SPOX-Scoreboard1. Runde23456789101112Score

Robert Stieglitz (GER)

109910999109101010114

Felix Sturm (GER)

91010910101010109910116

Die Wertung der Punktrichter:

Holger Wiemann (GER): 114:114

Frank Michael Maass (GER): 115:113

Egidiu Piseddu (GER): 113:115

Der Ringrichter: Jürgen Langos. Der erfahrene 46-Jährige aus Bad Soden, der seit 16 Jahren als Punkt- sowie Ringrichter aktiv ist und dabei unter anderem schon Kämpfe von Manuel Charr, Firat Arslan und Gennady Golovkin leitete, zeigte eine unaufgeregte Leistung. Langos hatte das Geschehen im Seilgeviert zu jeder Zeit im Griff, ohne zu früh einzuschreiten, agierte dabei stets unauffällig und mit klarer Linie.

Der Schlag des Kampfes: Sturms Rechte. Ob als Konter, über die Außenbahn oder vor allem als Aufwärtshaken, die Rechte des 35-Jährigen sorgte über die vollen zwölf Runden für teils schwere Treffer bei Stieglitz. Der Magdeburger schaffte es nicht, ein passendes Mittel gegen die Schlaghand seines Gegners zu finden, was ihn fast den Kampf gekostet hätte.

Das fiel auf:

  • Beide Kämpfer hatten sich bezüglich des Gewichts auf ein Limit von 75,5 Kilogramm geeinigt. Super-Mittelgewichtler (bis 76,2 kg) Stieglitz schien diese Grenze in der Theorie deutlich mehr entgegen zu kommen als seinem Kontrahenten Sturm, der in der Vergangenheit im Mittelgewicht (bis 72,5 kg) beheimatet war. Im Ring war davon jedoch nichts zu erkennen.
  • Zu sehen war vielmehr ein unheimlich hohes Tempo, beide Boxer versuchten direkt Eindruck beim Gegenüber zu schinden. Stieglitz arbeitete zudem im Clinch mit seinem Gewicht, drückte Sturm immer wieder nach unten, was den Leverkusener vor allem gegen Ende etwas Kraft kostete.
  • Die Anzahl an Treffern sprach für sich. Der Drang nach vorne ging auf beiden Seiten eindeutig auf Kosten der Defensive. Vor allem mit der Schnelligkeit Sturms hatte Stieglitz seine Probleme, zudem wirkte der Magdeburger zu eindimensional, konnte nicht von seiner höheren Schlagfrequenz profitieren.
  • Im Vergleich zu Stieglitz glänzte Sturm durch ein deutlich größeres Repertoire an Schlägen. Vor allem seine Aufwärtshaken zeigten als Nadelstiche bei seinem Gegner ein ums andere Mal Wirkung.
  • Der Trainerwechsel Sturms hin zu Magomed Shaburov erwies sich als Glücksgriff. Der Linksausleger wirkte so stark wie seit Jahren nicht mehr. Mit zunehmender Kampfdauer präsentierte sich Shaburovs Schützling souverän und hatte das Geschehen abgesehen von einzelnen Treffern seines Kontrahenten in der Mitte des Abends deutlich im Griff.
  • Sturm ließ sich dabei auch durch einen Cut über dem rechten Auge nur kurz beeindrucken, bevor er wieder mit klaren Treffern auf den Scorecards der Punktrichter Werbung in eigener Sache betrieb.
  • Als alles nach einem klaren Punktsieg Sturms aussah, kam Stieglitz aufgrund seiner überlegenen Ausdauer nochmals zurück in den Kampf. Die letzten neun Minuten gehörten zu großen Teilen dem 33-Jährigen.
  • Bereits vor Ende des Kampfes stand fest, dass es an diesem Abend wohl keinen Verlierer geben würde. Die Punktrichter schlossen sich dieser Entscheidung an und somit wird es wohl zum Rückkampf kommen - eine bessere Werbung als in Stuttgart kann es für ein erneutes Duell nicht geben.

Alle Weltmeister der großen Verbände im Überblick

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