Boxen

Der "König" ist jetzt bodenständig

SID
Arthur Abraham zeigt sich vor dem Kampf am Samstag in Kiel erfolgshungrig
© Getty

Arthur Abraham ist ein höflicher Zeitgenosse. Er lächelt nett, er grüßt, er spricht eher leise und zurückhaltend, er achtet seinen Trainer. Der 32-Jährige ist in den Tagen vor seinem Kampf am Samstag in Kiel gegen den Polen Piotr Wilczewski zurückhaltend und geerdet.

Der Berliner wirkt nun so, als habe er verstanden, dass zu seiner sportlichen Chance auf ein Comeback in der Weltspitze auch Seriosität außerhalb des Boxringes gehört.

Einmarschkrone und Hermelinumhang sind abgelegt, den protzigen "König Arthur" seiner WM-Tage im Mittelgewicht gibt es nicht mehr. Der wurde nach der letzten der drei Niederlagen im Super-Six-Turnier im Mai 2011 gegen Andre Ward weg nach Avalon geschickt. Wunden heilen. "Ich habe drei wichtige Kämpfe verloren. Das hat mich weit zurückgeworfen", sagt Abraham in der "Welt", "ich habe eine Narbe auf der Seele."

Den Weg zurück zu einem WM-Gürtel hat das Unternehmen Sauerland-Event seinem nun als bodenständig reformierten Star hinter den Kulissen bereits geebnet. Abraham ist Nummer zwei des WBO-Rankings im Supermittelgewicht und wird Pflichtherausforderer für den Weltmeister wenn er am Samstag gewinnt.

Sechs Millionen Zuschauer in der "ARD"

Um die WM müssen Titelverteidiger Robert Stieglitz und der Brite George Groves in naher Zukunft kämpfen. "Für Arthur ist es jetzt ein Ausscheidungskampf, freut sich Promoter Kalle Sauerland, "es geht um alles oder nichts." Der Boxer selbst räumt immerhin ein: "Der Druck ist groß."

Im Januar startete der gebürtige Armenier Abraham seine Rückkehr ins Ringgeviert mit einem unspektakulären K.o.-Sieg über den Argentinier Pablo Farias. Dabei schauten in der "ARD" live immerhin über sechs Millionen Zuschauer zu. Das ist eine exzellente Quote, auf die der Sender und der Promoter nicht verzichten wollen. "Er ist ein Aushängeschild, das wir haben müssen", sagt Wegner.

Der fast 70 Jahre alte Lehrmeister von Kampf und Knigge ist oft verzweifelt an den Extravaganzen seines Schützlings. "Lernprozess, hmmm", raunt der Berliner auf entsprechende Fragen, "bei ihm ist alles eine mentale Sache." Dass der stolze Boxer seine "Ehre" wiederherstellen will, hilft sicherlich bei der inneren Arbeitsethik.

Abraham blickt "nur nach vorne"

"Ich will wieder Weltmeister werden", verkündet Arthur Abraham. Jetzt folgt also Schritt zwei gegen den 33 Jahre alten Polen, der immerhin nur zwei von 32 Kämpfen verloren hat. "Dass Arthur noch besser werden kann, weiß ich", sagt Ulli Wegner, "bei ihm ist das eine mentale Sache. Er hat jetzt aber erkannt, dass er zielstrebig arbeiten muss."

Wieso, weshalb und warum die Jahre 2010 und 2011 bei dem gebürtigen Armenier verlorene waren, das mag niemand so gerne erzählen. "Was los war, wissen wir nicht", sagt Kalle Sauerland. Abraham war überfordert.

Mit den Gegnern einerseits, offenbar aber auch mit der ganzen Lebenssituation. Armes Emigrantenkind, plötzlich Millionär. Viele Freunde, viele Versuchungen. Schwierig. "Jetzt wird alles besser, ich blicke nur noch vorne", sagt Abraham. Und lächelt ganz freundlich.

Die Weltmeister der Verbände

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