Basketball

"Müssen uns vor dem NBA-Einfluss schützen"

Marko Pesic warnt vor den Entwicklungen in Europa und den USA

SPOX: Spielte es dabei auch eine Rolle, dass Maodo Lo sich anderweitig entschied? Sie hatten in der Vergangenheit betont, dass Sie seinen Werdegang sehr genau verfolgten...

Pesic: Wir haben auch in diesem Sommer kurz gesprochen, wie eigentlich immer in den letzten drei Jahren. Aber ihm war es relativ früh klar, dass er nach Bamberg wollte, deswegen wurde daraus auch nie ein großes Thema.

SPOX: Im Fußball heißt es häufig, dass Bayern auf jeden jungen deutschen Nationalspieler gewissermaßen einen "Anspruch" hat. Ist es das Ziel, da im Basketball auch irgendwann hinzukommen?

Pesic: Ich weiß nicht, ob das im Basketball so machbar ist. Wir sind ja in den letzten sechs Jahren durchaus dafür bekannt geworden, dass wir häufig die meisten oder fast die meisten deutschen Nationalspieler abstellen und wir wollen natürlich attraktiv für die besten deutschen Spieler sein. Aber das will Bamberg auch, das wollen Alba, Ulm und alle anderen. Der Markt besteht ja nicht nur aus einem Team und es gibt nicht diese extreme Tradition wie im Fußball. Dennoch können wir mit unserer Entwicklung zufrieden sein. Maxi [Kleber] und Danilo [Barthel] sind auf den großen Positionen die Zukunft des deutschen Basketballs, Alex King macht ebenfalls auf und neben dem Court einen tollen Job. Wir werden uns weiter um jeden guten deutschen Spieler bemühen, wenn er auch aus den richtigen Gründen zu uns will - aufgrund der sportlichen Perspektive. Wenn ich merke, dass es in erster Linie ums Geld geht, verliere ich sehr schnell das Interesse.

SPOX: A propos sportliche Perspektive: Mit Paul Zipser hat Bayern nun erstmals einen NBA-Spieler "hervorgebracht". Was für eine Wirkung hatte Zipsers Wechsel nach Chicago für die Basketball-Marke Bayern?

Pesic: Unsere Sponsoren haben sich natürlich sehr gefreut, weil Paule nicht nur unseren, sondern auch ihre Namen mit in die USA genommen hat. Ich glaube aber, dass noch immer fast niemand versteht, was für einen Weg Paul mit uns gegangen ist, bis zu dem Tag, an dem er gedraftet wurde.

SPOX: Wie meinen Sie das?

Pesic: Als er 2012 zu uns kam, war für mich nie die Frage, ob er mal in der NBA spielt. Das war klar. Es ging nur ums Wann, Wo und Wie. Paul ist seitdem einen unglaublich schweren Weg gegangen, war einmal ein ganzes Jahr verletzt, ein weiteres Mal eine halbe Saison draußen. Komplett durchgespielt hat er eigentlich nur die letzte Saison. Dabei haben wir und die medizinische Abteilung ihm geholfen, aber vor allem waren es seine überragende Arbeitseinstellung und seine Mentalität, die ihn da durchbekommen haben. Deswegen finde ich es lustig, wenn jemand denkt, ich gehe mal zu Bayern und erreiche das, was Zipser erreicht hat. Natürlich ist das möglich - aber dann muss man sich auch den Hintern aufreißen! Das verstehen viele nicht, gerade jetzt, wo viele junge Spieler ein bestelltes Feld gewöhnt sind. Sobald dann die ersten Hindernisse kommen, suchen sie nach Ausreden. Paul hat jedes einzelne Hindernis überwunden.

SPOX: Sehen Sie es dann kritisch, dass das nächste große Bayern-Talent Richard Freudenberg in diesem Sommer ans College wechselte?

Pesic: Ich persönlich finde, dass es für einen Spieler von Richards Qualität aus sportlicher Sicht besser wäre, in Europa auf hohem Niveau zu spielen und nicht am College. Aber ich weiß auch, dass bei ihm das Akademische ebenfalls eine Rolle spielt, da sein Vater eine ähnliche Karriere hatte und da sicher einen Einfluss ausgeübt hat. Das ist auch in Ordnung - ich hoffe, dass es funktioniert. Ich habe Richard in unseren Gesprächen immer gefragt, wie er sein offensichtliches Talent in echte Qualität umsetzen möchte. Er sieht dafür das College als den richtigen Platz an, ich sehe das anders: Für mich gibt es für ein deutsches Talent keinen Grund mehr, für seine Weiterbildung in die NCAA zu wechseln. Es sei denn, man hat Angst, dass es mit der Profikarriere nicht klappen könnte, aber das ist bei ihm überhaupt keine Frage.

SPOX: Sind in Deutschland denn bei vielen Vereinen die Voraussetzungen gegeben, um ein junges Talent wirklich voranzubringen? Isaiah Hartenstein und Kostja Mushidi etwa werden bei DraftExpress 2017 unter den ersten 30 geführt, spielen aktuell aber jeweils im europäischen Ausland. Hatten Sie sich auch um die beiden bemüht?

Pesic: Nein. Mushidi ging schon sehr früh ins Ausland, erst nach Straßburg und jetzt zu Mega Leks in Serbien. Bei Isaiah war es so, dass ich seinen Vater Florian bereits ewig kenne, wir haben uns als Junioren noch das Zimmer geteilt. Ich wusste daher, dass er für seinen Sohn andere Pläne hatte. Das ist aber auch völlig okay: Nicht jedes Talent muss bei uns oder bei Bamberg spielen. Oder überhaupt in Deutschland. Das ist überall so, es gehen serbische Talente nach Spanien, Litauer in die Türkei oder wie auch immer. Dass Zalgiris Kaunas einen jungen Deutschen wie Hartenstein überhaupt will, ist doch eine gute Sache. Was wir allerdings diskutieren müssen: Macht es Sinn, dass ein Verein wie Artland unheimlich viel in die Entwicklung von Hartenstein investiert, und er dann einfach gehen kann? Oder wir in Freudenberg, wofür wir ja auch nichts bekommen haben? In Italien gibt es mittlerweile Strukturen, die garantieren, dass der Ausbildungsverein zumindest entschädigt wird. Das sollte auch bei uns zum Thema werden.

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