Das war ein smarter Move

SID
Montag, 07.09.2015 | 16:00 Uhr
Dirk Nowitzki zeigte gegen Serbien, dass er immer noch einer der besten Spieler Europas ist
© getty
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Das DBB-Team hat die ersten beiden Spiele bei der EM absolviert. Am Ruhetag analysiert EM-Experte Stefan Koch die Partien gegen Island und Serbien und wagt schon mal einen Blick auf das Spiel gegen die Türkei am Dienstag (ab 17.45 Uhr im LIVETICKER). Koch erklärt die Probleme gegen Island, lobt den Bundestrainer für die Taktik gegen Serbien und wundert sich über die Türkei.

Hallo liebe Basketball-Fans,

im Sport läuft es manchmal schon seltsam. War der Sieg gegen Island auf dem Papier noch eine gefühlte Niederlage, so geht die knappe Niederlage gegen Serbien als gefühlter Sieg durch. Wir wussten natürlich alle, dass die deutsche Mannschaft mehr drauf hat, als sie gegen Island gezeigt hat.

Aber gerade zu Beginn ist es schwierig, gegen so eine Mannschaft zu spielen. Der Enthusiasmus ist noch sehr groß, die Kräfte sind noch da. Wenn man die Isländer am fünften Spieltag hat, nachdem sie vielleicht schon drei Mal verloren haben, ist es wahrscheinlich ein bisschen leichter.

Bei dem von den Isländern praktizierten Small Ball ist das größte Problem, dass die Teams es nicht gewohnt sind, dagegen zu spielen. Es geht vor allem darum, zurückzusprinten, den Ball vor dir zu halten und es wichtig, die Dreierlinie zu kontrollieren. Das stellt für eine Mannschaft, die es gewohnt ist, gegen eher große Aufstellungen und damit ein deutlich langsameres Spiel zu spielen, manchmal ein Problem dar.

Auch für Tibor Pleiß lief es nicht so gut. Natürlich erwartet man, dass Tibor mit seiner Größe gegen die kleinen Isländer dominant ist. Aber durch die Matchup-Vorteile, die vorab gesehen werden, werden häufig extreme Erwartungen in einzelne Spieler projiziert. Wenn das dann nicht klappt und der Ball immer auf denselben Spot kommt, kann es schnell passieren, dass die Offense statisch wird. Wenn es dann nicht funktioniert, kriegen alle ein negatives Gefühl.

Das Potenzial ist da

Am Tag nach so einem durchwachsenen Spiel, ist die Motivation extrem hoch, sich in andere Sphären zu hieven. Dass die Mannschaft das vorhatte, war mir klar. Dass die Mannschaft das Potenzial dazu hat, auch. Aber ob sie dann auch dazu in der Lage ist, das umzusetzen, kann man nie vorher sagen. Ich habe es der Mannschaft aber zumindest zugetraut.

Alle unsere drei NBA-Spieler haben gegen Serbien ein gutes Spiel gemacht. Es war das beste Spiel von Dirk Nowitzki in diesem Sommer. Dennis Schröder hat gerade in der Anfangsphase sehr gut spielt und den Weg zum Korb gefunden und auch Tibor hat ein gutes Spiel gemacht. Wenn dieses Gerüst steht, können sich auch andere Spieler an diesem Gerüst festmachen.

Das brauchen natürlich nicht alle Spieler. Heiko Schaffartzik hat dies mit seiner Kaltschnäuzigkeit auch wieder bewiesen. Aber es hilft. Die Nervosität, die für das erste Spiel grundsätzlich nicht ungewöhnlich ist, haben sie gegen Serbien abgelegt. Das Team war fokussierter und hatte das Bewusstsein, dass es nur mit einer klaren Leistungssteigerung gegen einen Gegner von diesem Kaliber geht.

Nachteile am Brett?

Ein bisschen Sorge bereitet mir das Rebounding. Trotz der Absagen auf den großen Positionen hatte ich in der Vorbereitung nicht das Gefühl, dass wir da Probleme haben. Ich würde das Island-Spiel jetzt mal außen vor lassen. Das werden wir in der Konstellation nicht mehr haben, aber gegen Serbien hatten wir wirklich Probleme. Gerade in der ersten Halbzeit war es eklatant. Hätte die Mannschaft in der ersten Hälfte besser gereboundet, wäre sie wohl mit einem relativ deutlichen Vorsprung in die Kabine gegangen. Serbien hat so schlecht geworfen, da kam eigentlich alles über zweite Optionen.

Das könnte im Turnierverlauf ein Problem werden. So ganz möchte ich das aber noch nicht glauben, weil ich eigentlich denke, dass wir im Rebounding ganz okay sind. Nicht überragend, aber auf alle Fälle okay.

Es war übrigens ein smarter Move von Chris Fleming, dass er Paul Zipser gegen Nemanja Bjelica gestellt hat und Nowitzki gegen Nikola Kalinic verteidigen lassen hat. Das hatte ich zwar so erwartet, aber es war ein guter Move.

Teodosic als Combo Guard

Vor dem Spiel war auch immer das Duell zwischen Schröder und Milos Teodosic ein Thema. Dazu kam es dann zumeist gar nicht, weil Teodosic in der Lineup eher auf der Zwei spielt. Es sagen zwar immer alle, dass Teodosic ein Point Guard ist. Er kann das sicher auch spielen, doch die Serben nutzen ihn mit seiner Größe und seinen Scorerfähigkeiten eher als Combo Guard.

Dazu kommt, dass Chris Fleming Dennis' Kreativität in der Offense für so unersetzlich hält, dass er ihn nicht defensiv aufopfern will und er womöglich zu viel Energie lässt oder Foulprobleme bekommt. Deshalb hat sich Anton um ihn gekümmert. Und wir wissen, dass er defensiv ein herausragend guter Spieler ist und Teodosic aus vielen Euroleague-Duellen kennt. Das hat mich daher überhaupt nicht überrascht. Der Serbe erwischte dann ja auch keinen guten Tag.

Jetzt geht es also gegen die Türkei und ich bin mir noch nicht sicher, wie ich die Türken einschätzen soll. Es hängt sicher viel davon ab, wie früh sie einen Rhythmus finden. Wenn sie den finden, dann können sie mit ihren Fans im Rücken etwas bewegen. Darüber haben wir ja bereits in der Triangle Offense gesprochen. Wenn sie diesen Rhythmus aber wie gegen Spanien nicht finden, kann es sein, dass sie richtig auseinanderfallen. Ich glaube, dass sie bei einem deutlichen Halbzeit-Rückstand nicht in der Lage sein werden, das Spiel noch zu drehen.

Ilyasova ist kein Bjelica

Für das deutsche Team geht es darum, die eigenen PS auf die Straße zu bringen und dann zu sehen, dass sie das Pick-and-Roll von Ali Muhammed kontrollieren. Das war für die Türken im Italien-Spiel gang wichtig. Vor dem Serbien-Spiel wurde sehr viel über das Bjelica-Matchup gesprochen, ich glaube aber nicht, dass es gegen die Türken und deren Vierer Ersan Ilyasova ein Problem sein wird. Wenn die deutsche Mannschaft den Weg, den sie gegen Serbien eingeschlagen hat, weitergeht, hat sie wirklich gute Chancen. Da bin ich mir sicher.

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zu den Italienern verlieren. Die Mannschaft hat einen sehr beachtlichen Talentlevel. Es ist nach zwei Spielen aber ein bisschen früh, den Stab über sie zu brechen, aber bislang ist das wirklich wenig. Der italienische Basketball ist nicht mehr da, wo er vor 10 oder 15 Jahren im Vereinsbasketball stand. Die Nationalmannschaft hatte da auch Phasen, in denen ich sie einfach auch nicht stark eingeschätzt habe, aber wenn ich mir diese Mannschaft anschaue, dann ist es eigentlich die beste italienische Mannschaft der letzten Jahre. Keine Ahnung, warum sie noch nicht zusammengefunden haben, aber mit Deutschland, Serbien und Spanien haben sie in den letzten drei Spielen noch ein bisschen was vor der Brust.

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Stefan Koch

Stefan Koch ist langjähriger Basketballtrainer und trainierte unter anderem die Artland Dragons in der BBL. In den Jahren 2000 und 2005 wurde er jeweils zum Trainer des Jahres gewählt und gewann mit den Opel Skyliners Frankfurt den deutschen Pokal. Darüber hinaus arbeitet er für verschiedene Medien als Experte und Kommentator. Für SPOX kommentierte er die NBA.

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