Und das Finale stand doch nicht

Von Max Marbeiter
Sonntag, 14.09.2014 | 13:43 Uhr
Derrick Rose trifft mit den USA im Finale der Basketball WM auf Serbien
© getty
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Alle rechneten mit einem Finale Spanien gegen USA, doch die Gastgeber scheiterten frühzeitig. Mit Serbien hat der Titelverteidiger dennoch einen unangenehmen Gegner erwischt (21 Uhr im LIVE-TICKER). Dem Außenseiter winkt eine Premiere, den USA ein Rekord.

Noch vor zwei, nein, vor einer Woche, eigentlich sogar vor vier Tagen bestanden überhaupt keine Zweifel. Es herrschte Vorfreude. Bei manch einem sogar auf eine Niederlage des großen Favoriten aus den USA. Wenn die Amerikaner denn überhaupt noch Favorit waren. Immerhin hatten Medien, Fans und Experten sich festgelegt. Festgelegt auf ein WM-Finale Team USA gegen Spanien (SPOX-Vorschau: Das Finale steht - oder?). Es konnte kein anderes geben. Unmöglich.

Und da die Spanier ihre Spiele bis zum Viertelfinale nun mal mit grausamer Effektivität gewannen, noch dazu über ein qualitativ wie quantitativ bestens besetztes Team verfügen, herrschte bei nicht wenigen Experten Einigkeit. Spanien wird Weltmeister, sagte auch Charles Barkley.

Nicht die USA. Zu viele Absagen hätten den Titelverteidiger zu deutlich geschwächt, hieß es. Zu einfallslos träten die Amerikaner auf, sobald der Fastbreak mangels defensiver Stops unmöglich war, sobald ein Team sie ins Halbfeld zwang. Dass man seine Spiele dennoch mehr als deutlich gewann, geschenkt. Spanien hat das bessere Team, ist eingespielter als all die, selbstverständlich hochtalentierten, Individualisten aus der NBA, sagte man. Deshalb würde Spanien auch Weltmeister, fügte man sogleich an.

USA verärgert

Beim Team USA selbst kamen derlei Ansagen natürlich weniger gut an. Für Klay Thompson lagen all die Pleiten-Prognosen sogar "an der Grenze zur Respektlosigkeit." Respektlosigkeit? Vielleicht. Viel eher waren die Blicke in die Glaskugel jedoch ein wenig voreilig. Schließlich mussten nach dem Achtelfinale noch zwei Spiele gewonnen werden, sollte das Finale, das wirklich jeder vorhergesagt hatte, schlussendlich auch wirklich ausgetragen werden.

Nur: Es findet nicht statt. Jedenfalls nicht in prognostizierter Besetzung. Denn Spanien scheiterte bereits im Viertelfinale. An Frankreich. Zu großen Stücken jedoch an sich selbst. Und es ist wohl kein allzu ausgedehnter Ausflug in die Psychoanalyse nötig, um zu erahnen, dass man im Team USA beim Anblick feiernder Franzosen mindestens ein wenig Genugtuung empfand.

"Wir haben unseren Job gemacht, und jeder kam an und sagte: ‚Spanien werdet ihr nicht schlagen'", erklärte beispielsweise Kenneth Faried nach dem überraschenden Aus des Gastgebers. "Spanien konnte nicht einmal Frankreich schlagen." Nicht einmal Frankreich. Auch das klingt ein wenig respektlos. Ob es dann auch so gemeint war, lässt sich nicht belegen. Es wäre eine reine Unterstellung.

"Glück? Das hat nichts mit Glück zu tun"

Vielleicht wollte Faried auch nur zum Ausdruck bringen, dass Spanien eben nicht dieses Überteam besaß, zu dem es nach der ersten Turnierwoche gemacht worden war. Dass keine Ausnahmemannschaft - und das sind Tony-Parker-lose Franzosen, die auch noch Joakim Noah vermissen, sicher nicht - nötig war, um den Gastgeber zu besiegen. Dass sich deshalb auch die USA nicht vor den Iberern fürchten mussten.

So sieht es jedenfalls Derrick Rose. "Glück?", fragte der Playmaker der Chicago Bulls angesprochen auf mögliche Gefühle der Erleichterung nach dem Aus des theoretischen Hauptkonkurrenten. "Jetzt mal ehrlich, das hat doch nichts mit Glück zu tun. Wir wollten gegen sie spielen. Das ist einer der Gründe, weshalb wir hier sind. Schade, dass es nichts wird."

Richtig, "daraus wird nichts", weiß auch Kyrie Irving. Jetzt heißt der Gegner im WM-Finale eben nicht Spanien. Serbien tritt an, den USA den zweiten WM-Titel in Folge, den fünften insgesamt, streitig zu machen - und damit zu verhindern, dass die Amerikaner mit seinen Vorfahren gleichziehen.

Premiere für Serbien?

Noch darf sich das ehemalige Jugoslawien nämlich alleiniger Rekordweltmeister nennen (5 Titel). Jene stolze Ansammlung herausragender Basketballer, die konstant Ausnahmespieler wie Drazen Petrovic, Vlade Divac oder Toni Kukoc hervorbrachte.

Nun besitzt das Team von Coach Sasha Djordjevic in Madrid also die Chance, den allerersten Titel nach Serbien zu holen. Einen überraschenden noch dazu. Denn, auch unter Nichtberücksichtigung Spaniens galten die Serben eigentlich nicht als Kandidat für einen Platz im Finale. Selbst die besten Vier erschienen ob einiger Absagen utopisch. Zumal die Vorrunde mit zwei Siegen und drei Niederlagen in der, zugegeben, bestens besetzten Gruppe A alles andere als optimal verlief.

Es folgten jedoch zwei deutliche Siege gegen Griechenland und Brasilien sowie der teils souveräne, am Ende knappe, aber doch eiskalt herausgespielte Erfolg im Halbfinale gegen Europameister Frankreich. "Ich denke, irgendetwas hat klick gemacht", beschrieb Nenad Krstic nach dem Finaleinzug die Leistungssteigerung. "Wir haben in der Kabine viel gesprochen. Unser Coach hat uns Selbstvertrauen gegeben."

Serbien = Basketball-IQ

Tatsächlich ließ sich Serbien weder von Comeback-wütigen Franzosen, noch von einem Nicolas Batum, dessen Dreier wie von selbst zu fallen schienen (8/12 3FG), nicht aus der Ruhe bringen, entschied das Halbfinale in den finalen 17 Sekunden mit sechs verwandelten Freiwürfen in Serie.

Und genau diese Ruhe, diese Abgezocktheit, könnte den USA im Finale Probleme bereiten. Denn ein hoher Basketball-IQ scheint in Serbien, wie übrigens am gesamten Balkan, obligatorisch zu sein. Die Serben verstehen das Spiel. Egal, ob Playmaker, Flügel oder Big Man.

Magier Teodosic

Noch dazu besitzen sie einen, der das Spiel besonders gut verstanden hat. Milos Teodosic, dieser personifizierte Wandel zwischen Genie und Wahnsinn, zählt zu den besten Playmakern außerhalb der NBA, fände sich wohl auch in den USA bestens zurecht, zöge er Europa nicht den Staaten vor. Teodosic' Verständnis für Spiel, Rhythmus und Raum ist beeindruckend. Mitspieler erfreuen sich teils perfekter Zuspiele, wenn nötig scort der Einser selbst.

Wie effektiv, bewies Teodosic im Viertel- und Halbfinale. Brasilien bekam 23 Punkte bei 55,6 Prozent aus dem Feld und 60 Prozent von jenseits der Dreierlinie eingeschenkt. Frankreich 24 Punkte bei herausragenden 75 respektive 71,4 Prozent. Dass all das auch noch schön anzusehen ist, Teodosic das Spiel so unglaublich leicht zu fallen scheint, ist gern genommene Dreingabe.

Starker Bogdanovic

Allein für den Erfolg Serbiens verantwortlich ist jedoch auch der Playmaker von ZSKA Moskau nicht. Tatkräftigste Unterstützung erhält er von Bogdan Bogdanovic, Nemanja Bjelica (11,1 Punkte, 7,4 Rebounds) und Miroslav Raduljica (13,5 Punkte, 4,8 Rebounds). Ersterer gilt mit gerade 22 Jahren als eines der größten Flügel-Talente Europas, führte Partizan Belgrad vergangene Saison teils eindrucksvoll durch die Euroleague. Zur Belohnung zogen die Phoenix Suns Bogdanovic beim Draft an 27. Stelle, wenngleich der Shooting Guard zunächst noch eine Zwischenstation bei Fenerbahce und Trainerlegende Zeljko Obradovic einlegen wird.

In Spanien übernimmt Bogdanovic die Rolle der zweiten, manchmal ersten Scoring-Option (11,6 Punkte). Im Vordergrund steht beim WM-Vierten von 2010 allerdings ohnehin das Team. Serbien spielt selbstlos, hatte gegen Frankreich zur Halbzeit 13 seiner 19 Körbe per Assist vorbereitet. Dazu lässt Coach Sasha Djordjevic sein Team intensive, nervtötende Defense spielen, was den Amerikanern angesichts ihrer Schwächen im Halfcourt durchaus Probleme bereiten könnte.

Serbien und der Athletik-Nachteil

So ist Serbien mit Sicherheit der härteste Gegner, dem die USA bei dieser WM begegnen. Andererseits wurde der Favorit im Turnierverlauf, wenn überhaupt, nur temporär in Schwierigkeiten gebracht. Spiele mit amerikanischer Beteiligung liefen im Grunde immer nach demselben Muster ab. Zwei Viertel lang hielt der Gegner halbwegs mit, ehe die USA im dritten Abschnitt, dem Championship-Quarter, den defensiven Druck erhöhten und ins Laufen kamen.

Das kann sich im Finale ändern, muss es aber nicht. Schließlich sind die Amerikaner auch den Serben in puncto Athletik überlegen. Auch deshalb klingt die These "Man darf die USA nur nicht ins Laufen kommen lassen" auch viel einfacher als sie am Ende umzusetzen ist. Das Problem: Erhöht der Titelverteidiger die defensive Intensität, sind gegnerische Flügel ob ihrer Athletiknachteile häufig überfordert. Und schon führt Defense zu Offense. Schon kommen in die USA ins Laufen und sind kaum noch zu stoppen.

"Wir haben keine Angst"

Eingeschüchtert sind die Serben dennoch nicht. Das ließe ihr Naturell auch gar nicht zu. "Wir werden keine Angst vor den USA haben", sagt Nenad Krstic. Zurecht, denn: "Wir haben nichts zu verlieren", erklärt Milos Teodosic. "Aber wir werden nicht ins Spiel gehen und einfach nur spielen. Das ist ein Finale und wir sind motiviert."

Natürlich stehen die Chancen auf den insgesamt fünften WM-Titel der USA dennoch nicht schlecht, jene auf ein interessantes, intensives Finale allerdings ebenso wenig. Auch ohne spanische Beteiligung.

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