Samstag, 13.09.2014

Mike Krzyzewski im Porträt

"Der perfekte Coach"

Am College ist Mike Krzyzewski eine Legende, mit dem Team USA ist er bei internationalen Turnieren auf der Jagd nach seiner vierten Goldmedaille in Serie. Trotz aller Absagen und Widrigkeiten hat es Coach K erneut geschafft, ein Team zusammenzustellen, das bisher alle Gegner dominiert hat. Sein Konzept ist geprägt von gegenseitigem Respekt und Zusammenhalt.

Mike Krzyzewski ist die zentrale Figur des Team USA
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Mike Krzyzewski ist die zentrale Figur des Team USA

"Ich sehe mich selbst nicht als Basketball-Coach. Ich sehe mich als Anführer, der zufällig auch Basketball-Coach ist." Die grundlegende Einstellung von Mike Krzyzewski sagt einiges über einen der erfolgreichsten College-Coaches aller Zeiten aus.

Finale! Auch Litauen für die USA kein Stolperstein

Seit 1980 ist der 67-Jährige Coach an der Duke University, gewann mit dem Team vier Meisterschaften und führte die Blue Devils in 29 der vergangenen 30 Jahre ins NCAA Tournament. Lediglich 1995 war Duke beim March Madness nicht dabei. Gleichzeitig ein Beleg, wie wichtig Krzyzewski für seine Mannschaft ist: Aufgrund einer Rücken-Operation verpasste der Coach einen Großteil der Saison - das Team spielte wie ein Schatten seiner selbst.

Vertrauen, Respekt, Verantwortung

So verwundert es kaum, dass meist die gleichen drei Worte fallen, sobald ehemalige Schützlinge über Krzyzewski sprechen: Vertrauen, Respekt, Verantwortung. Egal, ob nun J.J. Redick, der beste Scorer der Duke-Historie, zu Wort kommt - "Das Vertrauen von Coach K zu haben, gibt dir ein unglaubliches Selbstbewusstsein. Und das macht sich in deinem Spiel bemerkbar" -, oder Mike Dunleavy, heute bei den Chicago Bulls: "Es gab Momente, da glaubte er mehr an mich als ich selbst. Und er hat mich nicht einfach nur Basketball spielen lassen - er brachte mich dazu, zu dem Spieler zu werden, den er in mir gesehen hat."

Christian Laettner, Mitglied des 92er Dream Teams, spricht ebenfalls von einer besonderen Beziehung zu seinem College-Coach: "An ihn zu glauben und ihm zu vertrauen, das kam quasi automatisch. Und zwar sofort, von Beginn an." Und Shane Battier fügte hinzu: "Er findet Zugang zu jedem Spieler."

Starker Rückhalt

Kurz: Es sind die Fähigkeiten neben dem Parkett, die Mike Krzyzewski zu einem großartigen Coach werden ließen. Besonders auffällig sind die Ruhe und Gelassenheit, mit der er an der Seitenlinie agiert. Die Spieler wissen ihren Coach hinter sich, aber noch viel wichtiger: Sie wissen ihre Mannschaft hinter sich.

Das Konzept von Coach K baut auf gegenseitigem Respekt und Zusammenhalt auf, er legt Wert auf Kommunikation. Seine Philosophie ist auch der Grund, weshalb es ihm als Head Coach des Team USA immer wieder gelingt, aus unterschiedlichsten Spielertypen eine Einheit zu formen.

"Wenn man eine Gruppe von Spielern zusammenbringt, dann ist es nicht sofort ein Team. Es ist erst einmal nur eine Ansammlung von Individuen", so Krzyzewski, der schon früh das größte Problem der Nationalmannschaft erkannte. Vor jedem großen Turnier steht Coach K vor der Herausforderung, um die Egos hochbezahlter Franchise-Player wie LeBron James, Kobe Bryant oder James Harden ein funktionierendes Team aufzubauen.

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Wie groß diese Herausforderungen ist, erfuhren nacheinander Rudy Tomjanovich, George Karl und Coach K höchstselbst: Von 1998 bis 2006 blieben die Vereinigten Staaten dreimal in Folge ohne Titel bei Weltmeisterschaften und auch bei Olympia 2004 in Athen gab es nur Bronze. Bei den Verantwortlichen schrillten die Alarmglocken. "Wir haben einfach ein paar Jungs zusammengesucht, sie 13 Tage trainieren lassen, ihnen die FIBA-Regeln erklärt und dann erwartet, dass sie die Goldmedaille holen", erklärt Tim Dooley, Executive Direktor des Team USA. "Wir haben keinen Respekt für andere Teams und ihre Arbeit gezeigt."

Rückkehr zu altem Glanz

Erst seit Krzyzewski 2005 das Zepter an der Seitenlinie übernommen hat, spielen die USA wieder wie ein Team - und sind wieder erfolgreich: Zuletzt gab es drei Titel in Serie. Vorbei die Zeiten des überheblichen Hero-Balls und der Mentalität, jeden Gegner mit verbundenen Augen schlagen zu können.

Nun sieht man von den Vereinigten Staaten zwar auch bei der WM 2014 keinen Team-Basketball, wie er etwa in San Antonio praktiziert wird. Um auf einem solchen Level zusammenspielen zu können, benötigt eine Mannschaft jedoch Zeit. Zeit, die Coach K vor keinem großen Turnier hat. Nein, es geht um etwas anderes: die Einstellung.

"Es gibt in meinem Team eine Regel: Wenn du mit jemandem sprichst, dann musst du ihm direkt in die Augen sehen, weil es so viel schwieriger ist, unehrlich zu sein", so der Coach. "Damit zeigst du dem anderen deinen Respekt."

Die NBA-Champions der letzten 25 Jahre
1991: Chicago Bulls (4-1 gegen L.A. Lakers). Finals MVP: Michael Jordan
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1991: Chicago Bulls (4-1 gegen L.A. Lakers). Finals MVP: Michael Jordan
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1992: Chicago Bulls (4-2 gegen Portland Trail Blazers). Finals MVP: Michael Jordan
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1992: Chicago Bulls (4-2 gegen Portland Trail Blazers). Finals MVP: Michael Jordan
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1993: Chicago Bulls (4-2 gegen Phoenix Suns). Finals MVP: Michael Jordan
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1993: Chicago Bulls (4-2 gegen Phoenix Suns). Finals MVP: Michael Jordan
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1994: Houston Rockets (4-3 gegen New York Knicks). Finals MVP: Hakeem Olajuwon
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1994: Houston Rockets (4-3 gegen New York Knicks). Finals MVP: Hakeem Olajuwon
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1995: Houston Rockets (4-0 gegen Orlando Magic). Finals MVP: Hakeem Olajuwon
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1995: Houston Rockets (4-0 gegen Orlando Magic). Finals MVP: Hakeem Olajuwon
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1996: Chicago Bulls (4-2 gegen Seattle Supersonics). Finals MVP: Michael Jordan
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1996: Chicago Bulls (4-2 gegen Seattle Supersonics). Finals MVP: Michael Jordan
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1997: Chicago Bulls (4-2 gegen Utah Jazz). Finals MVP: Michael Jordan
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1997: Chicago Bulls (4-2 gegen Utah Jazz). Finals MVP: Michael Jordan
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1998: Chicago Bulls (4-2 gegen Utah Jazz). Finals MVP: Michael Jordan
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1998: Chicago Bulls (4-2 gegen Utah Jazz). Finals MVP: Michael Jordan
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1999: San Antonio Spurs (4-1 gegen New York Knicks). Finals MVP: Tim Duncan
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1999: San Antonio Spurs (4-1 gegen New York Knicks). Finals MVP: Tim Duncan
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2000: L.A. Lakers (4-2 gegen Indiana Pacers). Finals MVP: Shaquille O'Neal
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2000: L.A. Lakers (4-2 gegen Indiana Pacers). Finals MVP: Shaquille O'Neal
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2001: L.A. Lakers (4-1 gegen Philadelphia 76ers). Finals MVP: Shaquille O'Neal
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2001: L.A. Lakers (4-1 gegen Philadelphia 76ers). Finals MVP: Shaquille O'Neal
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2002: L.A. Lakers (4-0 gegen New Jersey Nets). Finals MVP: Shaquille O'Neal
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2003: San Antonio Spurs (4-2 gegen New Jersey Nets). Finals MVP: Tim Duncan
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2003: San Antonio Spurs (4-2 gegen New Jersey Nets). Finals MVP: Tim Duncan
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2004: Detroit Pistons (4-1 gegen L.A. Lakers). Finals MVP: Chauncey Billups
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2004: Detroit Pistons (4-1 gegen L.A. Lakers). Finals MVP: Chauncey Billups
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2005: San Antonio Spurs (4-3 gegen Detroit Pistons). Finals MVP: Tim Duncan
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2006: Miami Heat (4-2 gegen Dallas Mavericks). Finals MVP: Dwyane Wade
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2006: Miami Heat (4-2 gegen Dallas Mavericks). Finals MVP: Dwyane Wade
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2007: San Antonio Spurs (4-0 gegen Cleveland Cavaliers). Finals MVP: Tony Parker
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2008: Boston Celtics (4-2 gegen L.A. Lakers). Finals MVP: Paul Pierce
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2008: Boston Celtics (4-2 gegen L.A. Lakers). Finals MVP: Paul Pierce
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2009: L.A. Lakers (4-1 gegen Orlando Magic). Finals MVP: Kobe Bryant
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2009: L.A. Lakers (4-1 gegen Orlando Magic). Finals MVP: Kobe Bryant
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2010: L.A. Lakers (4-3 gegen Boston Celtics). Finals MVP: Kobe Bryant
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2010: L.A. Lakers (4-3 gegen Boston Celtics). Finals MVP: Kobe Bryant
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2011: Dallas Mavericks (4-2 gegen Miami Heat). Finals MVP: Dirk Nowitzki
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2011: Dallas Mavericks (4-2 gegen Miami Heat). Finals MVP: Dirk Nowitzki
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2012: Miami Heat (4-1 gegen Oklahoma City Thunder). Finals MVP: LeBron James
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2012: Miami Heat (4-1 gegen Oklahoma City Thunder). Finals MVP: LeBron James
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2013: Miami Heat (4-3 gegen San Antonio Spurs). Finals MVP: LeBron James
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2014: San Antonio Spurs (4-1 gegen Miami Heat). Finals-MVP: Kawhi Leonard
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2015: Golden State Warriors (4-2 gegen Cleveland Cavaliers). Finals-MVP: Andre Igoudala
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2015: Golden State Warriors (4-2 gegen Cleveland Cavaliers). Finals-MVP: Andre Igoudala
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Offene Kommunikation, Diskussionen, Kritik, all das ist unter Krzyzewski möglich - sogar erwünscht. So gelingt es ihm immer wieder, innerhalb des Teams starke Verbindungen aufzubauen, die auf gemeinschaftlicher Verantwortung basieren.

Ausflüge mit höherem Zweck

Um seinen Spielern einen Grund zu liefern, sich in den Sommerferien mit Mannschaften wie Finnland oder der Dominikanischen Republik herumzuschlagen, macht er seinen Spielern klar, was es bedeutet, für das Team USA aufzulaufen. "Feel-it moments" nennt Coach K diese Aktionen, bei denen zum Beispiel Militärstützpunkte oder Gräber von gefallenen Soldaten besucht werden. Und die Botschaft ist bei den Spielern angekommen.

"Er wollte uns daran erinnern, weshalb wir das US-Trikot tragen", sagte James Harden im Vorfeld der WM: "Wir werden manchmal gefragt, warum wir unsere Zeit opfern und Teil des Teams sein wollen, auch wenn wir dabei vielleicht eine Verletzung riskieren. Der Grund ist: Es zählt nicht nur die Leidenschaft, die wir für Basketball haben, sondern auch die Verantwortung, die wir für andere haben."

Das Ergebnis der Methoden von Coach K: Eine Mannschaft, die vor Nationalstolz nur so strotzt und mit Teamgeist sowie hoher Intensität zu Werke geht. Und inmitten des Kollektivs der Anführer: Mike Krzyzewski.

Seite 1: Erfolg dank eigener Philosophie

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Martin Klotz

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Martin Klotz(Redaktion)

Martin Klotz, Jahrgang 1988, ist seit Anfang 2014 bei SPOX.com. Den gebürtigen Bremer zog es zuletzt immer weiter Richtung Süden. Nach vier Jahren beim NDR in Hannover und einem Journalistik-Studium an der Uni Leipzig kam er nach Unterföhring. Als Volontär Mitglied der NBA-Redaktion und darüber hinaus zuständig für die Euroleague.

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