Rudy Fernandez im Interview

"In Europa spielen wir mehr als Team"

Von Interview: Max Marbeiter/Haruka Gruber
Donnerstag, 11.10.2012 | 11:21 Uhr
Bei den Olympischen Spielen in London gewann Rudy Fernandez mit Spanien die Silbermedaille
© Getty
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Vier Jahre verbrachte Rudy Fernandez in der NBA. Nun ist der Spanier zurück in Europa. Vor dem Euroleague-Auftakt mit Real Madrid am Donnerstag spricht er im Interview über unterschiedliche Basketball-Stile, seinen Dunk über Dwight Howard und die Niederlage im Olympia-Finale.

SPOX: Zum Auftakt der Euroleague geht es für Sie direkt gegen Panathinaikos, das zum ersten Mal seit 13 Jahren ohne Trainer Zeljko Obradovic antritt. Halten Sie die Griechen dennoch für einen Titelanwärter?

Rudy Fernandez: Ich kenne das neue Panathinaikos noch nicht so gut und habe sie auch noch nicht spielen gesehen. Aber sie haben mit Diamantidis einen der besten Guards der Euroleague. Außerdem sind Spiele in Griechenland immer besonders schwer. Ich denke, auch wenn Panathinaikos einige gute Spieler und einen charismatischen Trainer verloren hat, haben sie immer noch ein sehr starkes Team.

SPOX: Wie schätzen sie Ihre eigenen Titelchancen ein?

Fernandez: Wir müssen jede Partie so angehen, als wäre es ein Finale. Darum geht es. Allerdings ist unsere Gruppe extrem schwer. Wenn wir unter die letzten 16 kommen wollen, müssen wir zuallererst unsere Heimspiele gewinnen und einige auswärts. Weiter kann man jetzt ohnehin noch nicht planen.

SPOX: Wieso haben Sie sich für eine Rückkehr nach Spanien entschieden, obwohl Sie auch in der NBA durchaus noch eine Rolle hätten spielen können? Wegen der Qualität der Euroleague oder hat die NBA für europäische Spieler vielleicht sogar ein wenig an Reiz verloren?

Fernandez: Das glaube ich nicht. Ich wollte mich einfach als Spieler verbessern und ich denke, in Europa habe ich die perfekten Voraussetzungen dafür. Deshalb bin ich zurückgekommen. Ich bin immer noch jung und stelle mich gerne neuen Herausforderungen.

SPOX: Madrid ist mit 30 Titeln spanischer Rekordmeister. Die letzte Meisterschaft datiert allerdings von 2007. Wie stehen die Chancen, dieses Jahr wieder den Thron zu besteigen?

Fernandez: Bei all den starken Teams in Spanien wird das sicher nicht einfach. Aber wir arbeiten daran.

SPOX: Sie gehören zum erlesenen Kreis, dem ein Dunk über Dwight Howard gelungen ist. War das eines der Highlights Ihrer Karriere? Waren sie vielleicht sogar etwas traurig, ihn in London nicht wiedergetroffen zu haben?

Fernandez: An diesen Moment werde ich mich ewig erinnern. Er wird für immer in meiner sportlichen Biographie stehen. Ich bin einfach glücklich, so etwas geschafft zu haben. Trotzdem war ich natürlich nicht allzu traurig, dass er dieses Jahr nicht dabei war. Um ehrlich zu sein, war es für uns besser, da er einfach ein extrem guter Spieler ist.

SPOX: Vor dem Turnier galt Spanien als einzig legitimer Herausforderer der USA und im Finale schnupperten Sie sogar am Sieg. Wie enttäuschend war die Niederlage und was machte am Ende den Unterschied?

Fernandez: Natürlich war es schon ein wenig enttäuschend, weil wir tatsächlich eine reelle Chance hatten, die USA zu schlagen. Der große Unterschied am Ende war schlicht die physische Überlegenheit der Amerikaner. Einige unserer Spieler hatten vor dem Turnier mit schweren Verletzungen zu kämpfen, das war schon ein großes Handicap.

Tibor Pleiß Tagebuch: "Ich warte auf die Antikörper"

SPOX: Vor einigen Jahren galten Europäer als die besseren Schützen, während die USA durch Power, Kraft und Athletik dominierten. Im Finale haben die USA nun beinahe doppelt so viele Dreier genommen, während die Spanier zum Teil erfolgreich versucht haben, mit den Gasol-Brüdern die Zone zu dominieren. Wie schätzen sie die Entwicklung des Spiels in Europa und den Staaten ein?

Fernandez: Was die Athletik angeht, sind US-Spieler dem Rest deutlich überlegen, aber ich würde nie so weit gehen und sie als schlechte Schützen bezeichnen. Schließlich haben sie bei internationalen Turnieren schon häufig demonstriert, wie gut sie aus der Distanz treffen. Dennoch denke ich, ist das Wurftraining in Europa besser als in den USA. Zudem ist das Spiel in Europa mehr von Taktik geprägt, wir spielen mehr als Team, während in den Staaten angesichts der individuellen Stärke der eigenen Spieler das Teamkonzept oft etwas fehlt.

SPOX: Vergangene Saison fehlte im Team der Denver Nuggets ein großer Star. Kam die Art und Weise ihres Spiels deshalb dem europäischen Stil so nahe, wie es für ein NBA-Team möglich ist?

Fernandez: Da uns ein echter Superstar gefehlt hat, haben wir als Team gespielt. Das hat mir sehr gefallen. Jeder hat sich selbst als wichtigen Bestandteil des Ganzen empfunden und deshalb alles für das Team gegeben. Das war der Grund für unsere gute Saison und das Erreichen der Playoffs.

SPOX: George Karl (Trainer der Denver Nuggets, Anm. d. Red), sagte einmal, anstelle eines Superstars habe er lieber zehn gute Spieler im Kader, um so eine gut ausbalancierte Einheit zu schaffen. Hat eine solche Formel eine Chance, Teams wie die Miami Heat oder die neu formierten Lakers in einer Serie über sieben Spiele zu schlagen?

Fernandez: Solche Teams zu schlagen, ist immer schwer. Aufgrund der wirtschaftlichen Unterschiede können sich einige Klubs aber eben keine Superstars leisten und verpflichten deshalb vier bis fünf gute Spieler, die vielleicht nicht das allerhöchste Level erreichen, aber das Team als Ganzes dennoch besser und sehr konkurrenzfähig machen. Deshalb kann das durchaus funktionieren.

SPOX: War es ein spezielles Gefühl unter Coach George Karl zu spielen, der Fernando Martin bei Real Madrid trainiert hatte, als dieser bei einem Autounfall ums Leben kam?

Fernandez: Ich hatte schon ein sehr enges Verhältnis zu George Karl. Deshalb war ich auch traurig, als ich Denver verließ, denn Karl hat mir immer vertraut. Ich bin aus den unterschiedlichsten Gründen nach Spanien gewechselt, aber George Karl war keiner davon.

SPOX: Während des Slam-Dunk-Contests 2009 trugen Sie Fernando Martins Trikot. Gibt es eine besondere Bindung?

Fernandez: Das nicht. Ich habe ihn nie getroffen. Schließlich war ich erst vier Jahre alt als er starb. Er war der erste Spanier in der NBA, ich der erste, der am Slam-Dunk-Contest teilgenommen hat. Außerdem spielte er bei den Blazers, bei denen auch ich zu jener Zeit gespielt habe. Ich wollte ihm einfach Tribut zollen, denn er war großartig und hat es verdient.

SPOX: Ist Ihre Entscheidung, die NBA zu verlassen, endgültig oder gibt es die Chance auf eine Rückkehr?

Fernandez: Ich sage niemals nie. Ich bin Profi und da weiß man nie, was die Zukunft für einen bereithält. Jetzt bin ich allerdings erst einmal ein Spieler von Real Madrid.

Real Madrids Euroleague-Guppe A

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