"Real Madrid ist wertvoller als jedes NBA-Team"

Von Interview: Haruka Gruber
Dienstag, 15.05.2012 | 18:48 Uhr
Euroleague-Boss Jordi Bertameu und NBA-Kollege David Stern bei einer Pressekonferenz 2010
© Getty
Advertisement
NCAA Division I
Oklahoma @ Oklahoma State
NBA
Thunder @ Cavaliers
NCAA Division I
Missouri @ Texas A&M
BSL
BSL: All-Star-Game 2018
Liga ACB
Andorra -
Barcelona
Liga ACB
Valencia -
Fuenlabrada
NBA
Knicks @ Lakers
NCAA Division I
North Carolina @ Virginia Tech
NBA
Timberwolves @ Clippers
Basketball Champions League
Elan Chalon -
Ludwigsburg
Basketball Champions League
Estudiantes -
Bayreuth
NBA
Cavaliers @ Spurs
Basketball Champions League
Oldenburg -
Monaco
Basketball Champions League
Nanterre -
Bonn
NBA
Rockets @ Mavericks
NCAA Division I
Michigan @ Purdue
NBA
Wizards @ Thunder
NBA
76ers @ Spurs
NCAA Division I
Texas A&M @ Kansas
NBA
Thunder @ Pistons
NCAA Division I
Kentucky @ West Virginia
Liga ACB
Real Madrid -
Bilbao
BSL
Banvit -
Fenerbahce
Liga ACB
Estudiantes -
Saski Baskonia
NBA
Bucks @ Bulls
NCAA Division I
Kansas @ Kansas State
NBA
Celtics @ Nuggets
Basketball Champions League
Juventus -
Oldenburg
Basketball Champions League
Besiktas -
Bonn
NBA
Nuggets @ Spurs
Basketball Champions League
Gaziantep -
Ludwigsburg
Basketball Champions League
Bayreuth -
Venedig
NBA
Knicks @ Celtics
NBA
Rockets @ Spurs

Das dramatischste Euroleauge-Finale aller Zeiten war ein Basketball-Fest - aber unter Ausschluss von Deutschland. Euroleague-Boss Jordi Bertomeu über das "schwarze Loch" und die ständigen NBA-Vergleiche.

SPOX: Am Sonntag erlebte der europäische Basketball einen denkwürdigen Abend: Außenseiter Olympiakos Piräus besiegte im wohl dramatischsten Finale der Euroleague-Geschichte die Star-Truppe von ZSKA Moskau. Welchen Stellenwert hat das Spiel?

Jordi Bertomeu: Es war ein Spiel von historischem Ausmaß. Es war ein Spiel, das neue Maßstäbe an Spannung und Athletik setzte. Vor allem das Ende kann man nur mit einem Wort beschreiben: episch. Der Euroleague und generell dem europäischen Basketball gelang mit dem Final-Four-Wochenende ein wichtiger Schritt nach vorne.

SPOX: Ausgerechnet Deutschland als wichtigster europäischer Markt bekam davon jedoch nichts mit: Während das Euroleague-Finale in 174 Ländern live im TV gesendet wurde, verzichteten die deutschen Sender auf eine Übertragung. Bereits vor drei Jahren hatten Sie bemängelt, dass Deutschland "das schwarze Loch" sei. Kann das der Anspruch der Euroleague sein?

Bertomeu: Deutschland ist ein Ausnahmefall, den man gesondert analysieren muss. Die BBL erledigt einen guten Job. Sie wird im TV gut gecovert und die Zuschauerzahlen in den Hallen sind die zweitbesten in Europa hinter Spanien. Das große Problem jedoch: Die Leistungen der deutschen Teams in den europäischen Wettbewerben sind nicht so, wie wir uns alle das erwarten. Daher wird auch keine Aufmerksamkeit für die Euroleague generiert. Wenn ein deutsches Team einmal die Top 16 oder sogar das Viertelfinale erreicht, wird sich die gesamte Situation verbessern, davon bin ich überzeugt.

SPOX: Um die Entwicklung des Basketballs in Deutschland zu fördern, erhielt BBL-Aufsteiger FC Bayern sofort eine Wild Card für den Eurocup, der vergleichbar ist mit der Europa League im Fußball, und schied in der Vorrunde gleich aus. Können die Bayern dennoch darauf hoffen, für die kommende Saison eine Wild Card für die Euroleague-Qualifikation zu erhalten?

Bertomeu: Das gesamte Projekt FC Bayern ist großartig für den europäischen Basketball. Aber: Nein, eine Wild Card für die Euroleague-Qualifikation ist nicht realistisch. Die Zeit ist noch nicht gekommen.

SPOX: Die Euroleague intensiviert ihre Bemühungen in Deutschland. Ist es denkbar, dass die Euroleague zu einem echten Rivalen zur NBA wird, wenn sie den deutschen Markt erobert?

Bertomeu: Es geht gar nicht darum, ein echter Rivale zur NBA zu sein. Um es klarzustellen: Die NBA ist keine Konkurrenz im klassischen Sinne, alleine schon, weil NBA-Spiele in Europa um 3 Uhr nachts laufen, während wir zur Primetime spielen. Wir ergänzen uns und wir wollen zusammenwachsen.

SPOX: Daher organisiert die Euroleague im Oktober erneut mit der NBA die "NBA Europe Live Tour".

Bertomeu: Genau. Wir verstehen uns als Kooperationspartner, der verstanden hat, dass sich die Leute danach sehnen, das Beste aus beiden Basketball-Welten gegeneinander spielen zu sehen. Der Erfolg gibt uns recht: Die Zuschauer strömen in die Hallen.

SPOX: Wie stehen Sie zu den Expansionsplänen der NBA, die seit Jahren darüber sinniert, eine europäische Franchise einzuführen?

Bertomeu: Bisher war es viel Lärm um nichts. Aber auch wenn sich tatsächlich etwas Konkretes abzeichnen sollte, haben wir keine Angst vor einer möglichen NBA-Expansion. Wir glauben fest an unser Produkt und an unsere Identität. Die NBA ist in Europa ein künstliches Gebilde ohne Wurzeln, die europäischen Teams hingegen sind organisch gewachsen, mit einer festen Basis in der Bevölkerung. FC Barcelona hat über 150.000 Mitglieder - wie soll die NBA da mithalten?

SPOX: Wie wäre es mit Superstars, die der Euroleague weitestgehend fehlen?

Bertomeu: Es stimmt, die NBA ist die Liga der Superstars, in der auch die besten Europäer spielen. Dennoch ist die Euroleague einzigartig. Sie hat echte Vereine mit einer echten Tradition. Nehmen wir Real Madrid: Es ist völlig egal, welcher Star unter Vertrag steht, über allem steht Real als Verein. Real Madrid ist wertvoller als jeder Superstar und jedes NBA-Team, weil es eine echte Marke ist.

SPOX: Trotzdem gewann die Euroleague in dieser Saison ran Erkennungswert, weil durch den Lockout Spieler wie der neue MVP Andrei Kirilenko nach Europa zurückkehrten. Droht jedoch nicht das Fernbleiben solcher Namen, wenn das Financial Fair Play eingeführt wird und Klubs wie ZSKA Moskau nicht ungebremst investieren können?

Bertomeu: Es hängt ganz davon ab, wie der Verein wirtschaftet. Soweit ich weiß, nimmt ZSKA genug Geld ein, um keine Verluste zu schreiben, von daher ist es okay. Es hängt immer davon ab, wie viel Geld man zur Verfügung hat und wie viel davon ausgegeben wird. Deswegen zielt das Financial Fair Play weniger auf ZSKA ab als vielmehr auf Problemfälle wie Cibona Zagreb, die in große finanzielle Probleme gerieten. Ob Kirilenko oder nicht: Es geht um die Glaubwürdigkeit. Wenn auf wenige Klubs kein Verlass ist, droht der gesamte europäische Klub-Basketball an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das können wir nicht akzeptieren.

Die Euroleague-Saison im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung