Spitzensportreform wird zur Belastung

Sportförderung: "Unakzeptable Zustände"

SID
Sonntag, 13.11.2016 | 13:25 Uhr
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Die Reform zur Spitzensportförderung wird immer mehr zum Zankapfel. Die magere Anschubfinanzierung durch die Politik sowie das harte Los der Bundestrainer sorgen 21 Tage vor der Abstimmung auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Magdeburg für großen Frust.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sprach im Aktuellen Sportstudio des ZDF bezüglich der Bundestrainer von "unakzeptablen Zuständen". Noch keiner von ihnen habe wegen der ungeklärten Situation für 2017 einen Arbeitsvertrag. Auch viele Nachwuchstrainer hängen in der Luft, obwohl, wie Hörmann meinte, der "Trainer im Sportleistungssystem die Schlüsselfigur darstellt".

Enttäuscht zeigte sich Hörmann auch erneut von der mageren Anschubfinanzierung der Reform. Gerade mal 700.000 Euro wurden im Bundeshaushalt 2017 für das Potenzialanalysesystem PoTAS genehmigt, obwohl der DOSB insgesamt einen hohen einstelligen Millionenbetrag gefordert hatte. "Da hätten wir uns schon ein Stückweit mehr Rückenwind gewünscht", sagte Hörmann.

Reform wird wohl trotzdem nicht scheitern

Dass die Reform deshalb in Magdeburg vielleicht scheitert und von den Mitgliedern abgelehnt wird, glaubte der DOSB-Boss jedoch nicht. "Aber die Zustimmung wird sicherlich nicht von einer Euphorie getragen sein", meinte der Allgäuer. Im Moment seien viele Punkte der Reform noch nicht zu greifen, "auch nicht für unsere Verbände", räumte Hörmann ein.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière versuchte, die Wogen zu glätten. "Falls die Reform mehr Geld benötigt, wird sie es bekommen", versprach der CDU-Politiker. Er selbst wisse, dass die rund 20 Millionen Euro, die der Sport in der laufenden Legislaturperiode mehr bekommen habe, für ein so großes Projekt nicht ausreichen. Doch der Minister hielt auch den Daumen drauf, lehnte eine zu frühe Auszahlung hoher Summen ab.

Bei den Sportlern erntete die abwartende Haltung der Politik Kritik. "Wenn ich 30 Prozent mehr Medaillen haben will, muss ich auch mehr geben", meinte Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz. Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz wies auf die deutlich bessere finanzielle Ausstattung der Athleten in anderen Ländern. So erhalte ein Top-Schwimmer in Großbritannien "das Fünf- bis Sechsfache von dem, was uns aktuell zur Verfügung steht", meinte Lambertz.

Fokussierung auf Medaillen

Kernpunkt der Reform ist die stärkere Orientierung der Förderung an potenziellen Medaillenchancen und nicht mehr an den Erfolgen der Vergangenheit. Dank der vom Bundesinnenministerium und vom DOSB initiierten Reform soll Deutschland bei Olympischen Spielen wieder mehr Medaillen gewinnen und im Ranking auf einen Topplatz zurückkehren - was nicht jeden Experten überzeugt.

"Das erinnert in der Fokussierung auf Medaillen ein Stück weit an den Sport in der DDR", sagte der Sportsoziologe und Sportökonom Eike Emrich. Man habe den Eindruck, dass der Medaillenspiegel, der in Zeiten des Kalten Krieges zwischen den sozialistischen und kapitalistischen Gesellschaften eine wichtige Rolle gespielt hat, "durch die Hintertür wieder zurückkommt", sagte der frühere Vize-Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

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