DHB-Team ist Europameister

"Weil sie Arschlöcher waren"

Montag, 01.02.2016 | 02:01 Uhr
Das DHB-Team ist nach 2004 zum zweiten Mal Europameister
© getty
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Deutschland schafft mit dem 24:17-Sieg gegen Spanien den Super-Coup. Die Bad Boys rühren in der Abwehr Beton an, der verrückte Torhüter Andreas Wolff versetzt die Iberer in Panik. Und der Eisblock Dagur Sigurdsson zeigt sanfte Züge.

Als die womöglich größte Sensation der Handball-Geschichte perfekt war und sich der Konfetti-Regen in der Tauron Arena gelegt hatte, wollten die Helden von Krakau mit dem silbernen Teller für den Europameister nur noch weg.

"Komm schnell, stellt eure Fragen. Ich hab Durst, will erst mal ein Bier", sagte Steffen Fäth den wartenden Journalisten und strahlte dabei wie ein Honigkuchenpferd. Der 25-Jährige und der Rest der Mannschaft konnten es kaum erwarten, ins Restaurant La Grande Mamma in der Innenstadt zur Siegesfeier zu kommen.

Sie hatten sich diese Party in den vergangenen 15 Tagen mehr als verdient. Ein Team, auf das Übelste von Verletzungen gebeutelt, auf das vor dem Turnierstart niemand einen Pfifferling gesetzt hätte, hat den EM-Titel geholt.

"Keiner hat mit uns gerechnet"

Nach einer Auftaktpleite gegen Spanien. Nach einer recht lausigen ersten Halbzeit gegen Schweden (13:17) im zweiten Spiel, als bereits vieles für ein sehr baldiges Aus sprach.

Nach letztlich sieben Siegen in Serie, an deren Ende die Revanche gegen die Iberer und die hoffentlich endgültige Wiederbelebung des deutschen Handballs insgesamt stand. Der absolute Wahnsinn!

Storify: "Gott und die Welt entfällt"

"Keiner hat mit uns gerechnet. Und wir selber hatten uns vor dem Turnier und nach dem Start auch nicht zugetraut, dass wir so gut spielen können", räumte Hendrik Pekeler ein.

Eisblock zeigt sanfte Züge

Selbst der als isländischer Eisblock verschriene Dagur Sigurdsson, dem laut DHB-Vizepräsident Bob Hanning der "Löwenanteil" am Erfolg gebührt, war von seinen Emotionen überwältigt. Erst schenkte er jedem seiner Spieler eine innige, fast schon rührende Umarmung.

Dann dankte er bei der Pressekonferenz den Spaniern zunächst für das Spiel, was die sichtlich irritiert zur Kenntnis nahmen, ehe er zu einem großen Dankeschön ausholte.

"Ich möchte mich bei meinen Spielern bedanken, bei meinen Co-Trainern und all den Leuten, die um die Mannschaft herum so großartige Arbeit geleistet haben. Und bei den Polen, die ein tolles Turnier ausgerichtet haben", sagte Sigurdsson.

Deutschland überfordert Spanien

Dann kam der frühere Trainer der Füchse Berlin, der Deutschland nur eineinhalb Jahre nach seiner Amtsübernahme zum ersten großen Titel geführt hat, auf das Endspiel zu sprechen. "Dieser Sieg ist einfach überwältigend", meinte der 42-Jährige. Es klang fast nach einer Untertreibung.

Aber welche Superlative soll man denn noch verwenden, wenn eine Mannschaft zu immer neuen ungeahnten Höhenflügen ansetzt. Man hatte doch spätestens nach dem Sieg gegen Dänemark im letzten Hauptrundenspiel, vor dem mit Steffen Weinhold und Christian Dissinger zwei weitere wichtige Pfeiler wegbrachen, schon alle verbraten.

Deutschland dominierte die Spanier nach Belieben, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Der zweimalige Weltmeister führte in der gesamten Partie nicht ein einziges Mal, erzielte mit 17 Toren so wenige Treffer wie nie ein Team zuvor in einem EM-Finale. War schlichtweg - man muss es so sagen - überfordert.

"Deutschland hat heute so gut gespielt, dass es für uns unmöglich war, das Ding zu gewinnen", erklärte Spaniens Nationaltrainer Manolo Cadenas voller Bewunderung.

Bad Boys rühren Beton an

Der Hauptgrund für den Sieg war eine sensationelle, unfassbar aggressive Abwehr und ein überragender Torhüter. "Wir haben eine Beton-Abwehr hingestellt", sagte Fäth.

Hauptverantwortlich dafür waren Hendrik Pekeler, Finn Lemke und Erik Schmidt, die abwechselnd im Mittelblock alles dicht machten, nahezu alle Anspiele an den Kreis unterbanden und zahlreiche Würfe einfach abblockten.

Die Bad Boys kannten mit Spanien keine Gnade. "Es gibt eine Dokumentation über die Bad Boys", erklärte Pekeler den Ursprung des Namens. Dieser Film handelt vom Team des NBA-Klubs Detroit Pistons in den späten 80er und frühen 90er Jahren.

"Die waren damals so wie wir", erzählte Pekeler weiter: "Es waren keine Superstars dabei, sondern die haben den NBA-Titel nur geholt, weil sie Arschlöcher waren. Diesen Film haben wir zwei Mal angeschaut, das wollten wir auf uns übertragen. Wir wollten in der Abwehr so arschlochmäßig sein, dass die Gegenspieler keine Lust mehr haben, gegen uns zu spielen."

"Der Typ ist komplett durchgedreht"

Auch der bei der EM aus dem Nichts gekommene Kreisläufer Jannik Kohlbacher lobte die Abwehrleistung in den höchsten Tönen, legte dann den Blick aber auf ein anderes Thema.

"Der verrückte Wolff hat den Spaniern zu viel abverlangt. Der Typ ist wieder komplett durchgedreht. Der hat ja alles gehalten. Da wird er mir heute Abend wieder die Ohren abkauen", sagte der 20-Jährige von der HSG Wetzlar.

Es war keine Übertreibung. Wolff wehrte 16 von 33 Würfen ab, was eine Quote von 48 Prozent macht. Während der bereits vor dem Finale ins Allstar-Team berufene 24-Jährige lediglich die gute Abwehrleistung seiner Teamkollegen erwähnte, sangen neben Kohlbacher noch andere Spieler Lobeshymnen auf ihren Keeper.

"Jeder Spanier hatte Schiss"

"Es gibt keine Worte, die beschreiben können, was er gemacht hat. Nach zehn Minuten hatte jeder Spanier Schiss, bei ihm auf das Tor zu werfen", sagte der verletzte Kapitän Uwe Gensheimer.

Und Torhüter Carsten Lichtlein meinte: "Als er die ersten paar Bälle gehalten hatte, habe ich zu ihm gesagt: 'Andi, ich muss heute nicht spielen.' Er hat so ein Selbstvertrauen ausgestrahlt. Man merkt es als Torhüter, ob der Kollege einen guten Tag hat oder nicht."

Gerade für Lichtlein waren die Nebeneffekte des Triumphes nicht zu unterschätzen. Neben der direkten Qualifikation für die WM im kommenden Jahr in Frankreich ist auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen im Sommer in Rio sicher.

Der Traum von Olympia

Denn der Gummersbacher, der jetzt Welt- und Europameister ist, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal an Olympia teilzunehmen.

"Der Olympia-Sieg ist das nächste", platzte es aus Lütti heraus, ehe er anfügte: "Jetzt ist natürlich die Frage, ob der Trainer mich mitnimmt. Ich will das nicht schon wieder verpassen."

Er wurde schon einmal kurz vor Spielen von Heiner Brand aussortiert, das soll diesmal nicht passieren. Diese Sorge hatte Lichtlein an diesem 31. Januar in Krakau allerdings nicht wirklich. Es war schließlich Party angesagt. Bei La Grande Mamma.

Alles zur EM 2016

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