Mittwoch, 20.01.2016

HSV kann noch Einspruch einlegen

HBL entzieht HSV Hamburg Lizenz

Bundesliga-Knockout für ein Schwergewicht des deutschen Handballs: Der insolvente HSV Hamburg verschwindet nach fast 14 Jahren in der Eliteliga von der Bildfläche. Am Mittwoch entzog die HBL den Hanseaten die Lizenz, damit steht der deutsche Meister von 2011 und Champions-League-Sieger von 2013 als erster Absteiger fest. Der Krisen-Klub wird den Spielbetrieb wohl sofort einstellen - es droht eine Klagewelle.

Der HSV Hamburg steht nach dem Lizenzentzug als erster Absteiger fest
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Der HSV Hamburg steht nach dem Lizenzentzug als erster Absteiger fest

"Aufgrund gravierender Verstöße gegen zwingend einzuhaltende Verpflichtungen" werde dem HSV die Lizenz zur Teilnahme am Spielbetrieb der Bundesliga zum Ende der Saison 2015/2016 entzogen, hieß es in der Mitteilung der HBL: "Mit dieser Entscheidung schöpft das unabhängige Gremium das maximal mögliche Strafmaß aus, das die Lizenzrichtlinien bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen vorsehen."

Die Hamburger können gegen das Urteil noch Einspruch einlegen. Zudem besteht für den HSV die Möglichkeit, die Saison zu Ende zu spielen. "Ob er es macht, kann ich nicht sagen", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem SID. Die Insolvenzverwaltung des Klubs hatte am Mittwochabend noch nicht darüber entschieden.

"Der Insolvenzverwalter ist ordnungsgemäß informiert worden", sagte eine Sprecherin dem SID: "Wir pflegen ein offenes Verhältnis zur HBL. Nun muss aber erst mal geprüft werden, ob alles korrekt abgelaufen ist, alle relevanten Personen müssen informiert werden." Am Mittwoch sei nicht mehr mit einer Entscheidung zu rechnen.

Alles deutet aber darauf hin, dass sich die arg gebeutelten und zuletzt immer kritischer beäugten Hanseaten mit sofortiger Wirkung zurückziehen. Den Spielern soll laut eines Berichts der Hamburger Morgenpost schon schriftlich gekündigt worden sein.

Schwere Folgen für die Liga

Der Grund für die Entscheidung der HBL liegt in einem Schriftstück, dass die ehemalige Geschäftsführung um den inzwischen freigestellten Christian Fitzek der Liga offenbar vorenthalten hatte. Zu einer Verpflichtungserklärung des ehemaligen Mäzens Andreas Rudolph über eine Absicherung von rund 2,5 Millionen Euro gab es eine vertragliche Einschränkung - bei der Erteilung der Lizenz hatte die HBL davon keine Kenntnis.

Die Folgen für die Liga wiegen schwer. "Solch eine Situation gab es auch noch nicht", sagte Bohmann dem SID: "Fakt ist, dass es eine Reihe von geschädigten Klubs, Unternehmen und Personen gibt. Jeder, der sein Geld nicht bekommen hat, wird überlegen, wie er damit umgeht." Dies gilt für den Zweitligisten GWD Minden, der nach heutigem Kenntnisstand nicht hätte absteigen müssen und der seine juristischen Optionen bereits prüft. Aber auch für die Klubs, die den HSV in der Rückrunde eigentlich noch begrüßen sollten.

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Doch der Kader des HSV ist längst in Auflösung begriffen. Ex-Nationalspieler Adrian Pfahl (Göppingen), die Torhüter Johannes Bitter (Stuttgart) und Jens Vortmann (Leipzig) sowie Kreisläufer Ilija Brozovic (Kiel) haben schon neue Klubs gefunden. Der Däne Hans Lindberg steht vor einem Wechsel zu den Füchsen Berlin, unklar ist die Zukunft des früheren Weltmeisters Pascal Hens.

Der HSV plant unterdessen schon seinen Neuanfang, bei dem der langjährige Mäzen und Präsident Rudolph keine Rolle mehr spielen soll. Die U23 des Klubs, die dem eingetragenen Verein und nicht der insolventen Profiabteilung angehört, strebt als Tabellenführer der Oberliga den Aufstieg in die 3. Liga an.

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