"Hätten fast in den Fernseher gebissen"

Mittwoch, 20.01.2016 | 12:45 Uhr
Steffen Weinhold erzielte beim Sieg gegen Schweden fünf Tore
© getty
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Showdown in der Gruppe C. Deutschland muss gegen Slowenien (17.15 Uhr im LIVETICKER) mindestens einen Punkt holen, um sicher in die Hauptrunde einzuziehen. Vor der Partie in Breslau traf sich SPOX im Mannschaftshotel des DHB mit Kapitän Steffen Weinhold. Der Kieler blickt auf den Schweden-Krimi zurück, verrät, wie er den Fehlwurf von Finn Lemke erlebt hat und warum Andreas Wolffs Leistung keine Eintagsfliege war. Zudem warnt er vor journalistischen Denkweisen.

SPOX: Herr Weinhold, Hand aufs Herz. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Finn Lemke, der in der Abwehr stark spielte, kurz vor Schluss auf das schwedische Tor zulief und anstatt die Partie zu entscheiden den Ball drüber genagelt hat?

Steffen Weinhold: Für uns Spieler ist so eine Situation leichter zu verkraften als für die Fans. In dem Moment, in dem Finn nach vorne gelaufen ist, haben wir uns schon wieder voll auf den nächsten Angriff der Schweden konzentriert. Da darfst du keinen Unterschied machen, egal ob er trifft oder nicht. Aber ich habe schon mitbekommen, dass die Zuschauer zu Hause fast in den Fernseher gebissen hätten. (lacht)

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SPOX: Glücklicherweise hatte die Aktion keine gravierenden Auswirkungen. Musste sich Lemke trotzdem den einen oder anderen Spruch gefallen lassen?

Weinhold: Nein, das war schon okay. Was ich nur etwas komisch fand: Mir ist aufgefallen, dass er im Training bei Tempogegenstößen fast immer Aufsetzer macht. Nachdem der eine oder andere Aufsetzer schon nicht drin war, wollte er diesmal den Wurf wohl etwas höher ansetzen. Das hat leider auch nicht ganz geklappt. (lacht) Beim nächsten Mal macht er ihn rein, ganz bestimmt.

SPOX: Wie wichtig ist für eine so junge Mannschaft die Erfahrung, einen Krimi gewonnen zu haben?

Weinhold: Es kann nicht schaden, wenn man weiß, dass man in engen Situationen die Nerven behalten kann. Das erste Vorbereitungsspiel gegen Island, das wir auch mit einem Tor gewonnen haben, hat uns dabei sicher geholfen. Wir müssen aber zusehen, von Beginn an aggressiv zu sein und das über 60 Minuten zu halten. Gegen Schweden konnten wir das Spiel zum Glück drehen, das wird sicher nicht immer klappen.

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SPOX: Auch für Sie persönlich war die Partie ein Auf und Ab. In den ersten 30 Minuten warfen Sie nicht ein einziges Mal auf das gegnerische Tor. Was war los?

Weinhold: Die Schweden standen in der Deckung ganz im Gegensatz zu uns unheimlich kompakt, wir mussten uns im Angriff jede Kleinigkeit hart erarbeiten. Klar haben wir ein paar Siebenmeter rausgeholt, ansonsten waren leichte Tore aber kaum dabei. Das alles zusammengenommen hat sich eben auch bei mir persönlich bemerkbar gemacht. Dann wird es auch schwierig, irgendwie etwas mit Einzelaktionen zu reißen.

SPOX: In der zweiten Hälfte gelangen Ihnen dann fünf Treffer, es lief insgesamt rund.

Weinhold: Das geht im Handball ganz schnell. Wenn ein oder zwei Rädchen ineinander greifen, kann ein Spiel komplett kippen. Das haben wir gegen Schweden gesehen. Du stehst in der Abwehr besser, der Torhüter hat ein paar Paraden dabei, dadurch ergeben sich Tempogegenstöße und einfache Tore. Dann hatten wir die Halle im Rücken. Die Fans, die Emotionen - das pusht dich. Und schon wird es auch für dich persönlich einfacher.

SPOX: Der Leistungsunterschied zwischen erster und zweiter Halbzeit war gewaltig. Die Einstellung war plötzlich eine ganz andere. Es muss in der Kabine doch irgendetwas passiert sein. Ist Dagur Sigurdsson laut geworden?

Weinhold: Er hat unsere Fehler eigentlich sehr sachlich angesprochen und gesagt, dass wir umstellen und offensiver decken. So wie es schon die Slowenen gegen Schweden gemacht hatten. Wir hofften, dass der junge schwedische Rückraum dadurch etwas nervös werden könnte. Wir nahmen uns vor, uns Stück für Stück heranzuarbeiten. Man darf da nicht nervös werden und denken, man müsste das Spiel in den nächsten fünf Minuten drehen. Dass es dann doch so gekommen ist, konnte niemand ahnen.

Seite 1: Weinhold über Lemkes Fehlwurf und Sigurdssons Ansprache

Seite 2: Weinhold über Wolff und journalistische Denkweisen

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