Polen nach "Massaker" unter Zugzwang

SID
Sonntag, 24.01.2016 | 12:34 Uhr
Polen unterlag überraschend gegen Norwegen
© getty
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Herber Dämpfer für Gastgeber Polen: Nach der überraschenden Niederlage gegen Norwegen muss das Team von Trainer Michael Biegler bei seiner Heim-EM um die ersehnte Halbfinal-Teilnahme bangen.

Die Spieler um Rückraum-Riese Karol Bielecki posaunten ihren Frust ungeniert fluchend heraus, und auch Michael Biegler machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. "Wir sind nach dem Frankreich-Spiel wieder hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet", sagte der deutsche Coach der polnischen Handballer. Nach der überraschenden 28:30-Niederlage gegen Norwegen stehen Biegler und Co. bei ihrer Heim-EM plötzlich unter Zugzwang - das ersehnte Halbfinale hängt am seidenen Faden.

"Wir müssen jetzt alles in die Waagschale werfen", sagte Biegler mit Blick auf die verbleibenden Partien. In den Spielen gegen Weißrussland am Montag und gegen Kroatien am Mittwoch dürfen sich die Polen keinen Ausrutscher mehr erlauben - ansonsten platzt der Traum vom Wintermärchen im eigenen Land schon in der Hauptrunde.

Hier geht's zum Roundup der Hauptrunde

Mit 4:2-Zählern liegt Polen zurzeit nur auf Platz vier. Spitzenreiter ist Frankreich (6:2), dahinter rangieren Überraschungsteam Norwegen (6:0) und Kroatien (4:4). Nur die ersten beiden Teams ziehen in die Medaillenrunde ein. "Vor uns liegen jetzt zwei schwere Spiele, es kann alles passieren", sagte Torhüter Slawomir Szmal: "Unsere Mannschaft hat zwei Gesichter. Ich hoffe, dass sich so ein Spiel nicht wiederholt."

Unkonzentriertheiten gegen Norwegen

Vier Tage nach ihrem Coup gegen Welt- und Europameister Frankreich (31:25) war die "Representazia Polska" gegen die Norweger tatsächlich kaum wieder zu erkennen. Fahriger Spielaufbau, schwache Torhüterleistung, Fehlwürfe: Der vermeintliche Heimvorteil mit 15.000 enthusiastischen Fans im Rücken schien die Biegler-Schützlinge diesmal mehr zu lähmen als zu beflügeln. Selbst die zehn Treffer des langjährigen Bundesliga-Torjägers Bielecki waren am Ende zu wenig. "Es war ein Massaker", titelte das Boulevardblatt Fakt anschließend.

"Wir lassen uns manchmal zu viel von unseren Gefühlen leiten, anstatt mit dem Kopf zu spielen", sagte Keeper Szmal in den Katakomben der riesigen Tauron-Arena von Krakau. Viele seiner Teamkameraden wollten sich lieber gar nicht öffentlich äußern und stapften lauthals fluchend in die Kabine.

Ganz anders war die Stimmung bei den Franzosen. Nach dem souveränen 32:24 gegen das ebenfalls hoch gehandelte Kroatien hat der Olympiasieger endgültig die Titelverteidigung ins Visier genommen. Ihrem "Endspiel um das Halbfinale" gegen Norwegen am Mittwoch sehen die Stars um Torwart Thierry Omeyer gelassen entgegen.

"Wir sind sehr hungrig", versicherte der frühere Kieler, dem gegen Kroatien sogar ein Treffer gelang. Mit 40 Prozent gehaltener Bälle avancierte der 39-Jährige einmal mehr zum Spieler des Tages.

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