Carsten Lichtlein im Interview

"Ich zieh mein Ding durch wie immer"

Montag, 18.01.2016 | 14:30 Uhr
Nationaltorhüter Carsten Lichtlein steht in der HBL beim VfL Gummersbach unter Vertrag
© imago
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Carsten Lichtlein erlebte bei der Niederlage gegen Spanien einen schwarzen Tag. Vor dem Spiel gegen Schweden (20.30 Uhr im LIVETICKER) spricht der DHB-Keeper über den Wurf in das Gesicht von Steffen Weinhold, seine Rolle als Oldie der Truppe und die Zeitenwende in der HBL. Zudem lobt Lichtlein seinen Konkurrenten und Kollegen Andreas Wolff.

SPOX: Herr Lichtlein, wie erleben Sie die EM in Polen bislang unabhängig vom Ausgang der ersten Partie?

Carsten Lichtlein: Ich hatte vor dem Spanien-Spiel die Möglichkeit, ein bisschen durch die Stadt zu spazieren. Breslau ist wirklich sehr schön, auch wenn ich jetzt natürlich nicht so viel gesehen habe. Das ist nun mal so bei einer EM oder WM, da sieht man mehr Videos vom Gegner oder die Halle. Was die gesamte Organisation betrifft, sieht es bisher sehr positiv aus.

SPOX: Sportlich war der Auftakt leider nicht von Erfolg gekrönt. Wie fällt Ihr Fazit zur Pleite gegen die Spanier mit etwas Abstand aus?

Lichtlein: Es ist einfach schade, dass wir nichts Zählbares mitgenommen haben. Wir haben wirklich gut begonnen, konnten das Niveau aber nicht halten und machten leichte Fehler. In dieser schwachen Phase Mitte der ersten Halbzeit sind wir in Rückstand geraten, dem wir dann das restliche Spiel über hinterhergelaufen sind. Zum Schluss haben wir uns super zurückgekämpft, was wir unbedingt als positiven Aspekt für die kommenden Partien mitnehmen müssen. Der Angriff funktionierte teils sehr gut, es hat letztlich auch das Quäntchen Glück gefehlt.

SPOX: Die Situation, als Jorge Maqueda beim Freiwurf Steffen Weinhold den Ball ins Gesicht geworfen hat und dafür vom Platz gestellt wurde, sorgte für Aufregung. Wie haben Sie die Aktion wahrgenommen?

Lichtlein: Das war für mich völlig zu Recht eine Rote Karte. Es ist für mich eine ganz ähnliche Situation wie bei einem Siebenmeter, wenn der Torhüter stehen bleibt und dann den Ball ins Gesicht bekommt. Da gibt es auch Rot. Steffen hat sich nicht bewegt, ist nicht gesprungen, und bekommt dann einen ab. Das geht nicht.

SPOX: Trotzdem hat Vizepräsident Bob Hanning erzählt, dass sich der DHB dafür einsetzt, die Strafe als normales Foul zu bewerten und nicht als grobe Unsportlichkeit. Halten Sie das für richtig?

Lichtlein: Ich als Torhüter habe schon öfter mal einen Ball ins Gesicht bekommen und finde es okay, wenn es da Rot gibt mit den entsprechenden Konsequenzen. Aber gut: Wenn Bob sagt, dass wir das so machen, dann machen wir das eben so. (lacht)

SPOX: Gerade zum Turnierstart nimmt man sich als Spieler sehr viel vor. Ärgert man sich deshalb umso mehr, wenn der Auftakt misslingt, wie es bei Ihnen persönlich der Fall war?

Lichtlein: Logisch. Man nimmt sich viel vor, hat Videos studiert, weiß eigentlich, wo die Gegner hinwerfen. Und dann geht es gleich so los. Ein Ball rutscht mir durch, der andere geht mir durch die Beine. Wen man am Anfang keinen Ball erwischt, wird es als Torhüter immer schwieriger, ins Spiel zu kommen. Allerdings waren natürlich auch viele freie Bälle dabei. Trotzdem ist das kein Beinbruch für mich. Ich bereite mich jetzt normal mit der üblichen Videoanalyse auf das Schweden-Spiel vor und hoffe, dass es besser läuft.

SPOX: Sie sprechen die Leistung der Abwehr an. Bundestrainer Dagur Sigurdsson bezeichnete die Deckung direkt nach dem Spiel als teilweise sehr, sehr gut. Hanning sieht dagegen noch viel Luft nach oben. Was stimmt denn nun?

Lichtlein: In der zweiten Halbzeit fand ich unsere Deckung nicht schlecht. Da haben wir den Körperkontakt gesucht, haben auch mal Unterbrechungen zu Stande gebracht, wo die Spanier nicht mehr wussten, was sie machen sollen. So müssen wir das von Anfang an machen, das hat in der ersten Hälfte ein bisschen gefehlt.

Seite 1: Lichtlein über Bälle im Gesicht und seinen schwachen Start

Seite 2: Lichtlein über Wolff und einen Zeitenwandel

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