Head-to-Head: DHB vs. Norwegen

Ein superenges Höschen

Freitag, 29.01.2016 | 12:34 Uhr
Deutschland und Norwegen kämpfen um den Einzug ins EM-Finale
© getty
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Das DHB-Team kämpft bei der EM in Polen gegen Norwegen um den Einzug ins Finale (18.30 Uhr im LIVETICKER). Es ist das Duell zweier Sensations-Teams, die sich in vielen Bereichen ähnlich sind. Auf welchen Positionen hat Deutschland Vorteile? Wo gibt es Nachteile? Das Head-to-Head.

Torhüter

Andreas Wolff (HSG Wetzlar)/Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach) vs. Ole Erevik (Pays d'Aix UC)/Espen Christensen (GOG Svendborg TGI)

Nervenstark, mutig und mit tollen Reflexen ausgestattet, ist Wolff im bisherigen Turnier eine der großen Stützen im deutschen Team. Der 24-Jährige wehrte insgesamt 35 Prozent aller Würfe auf seinen Kasten ab. Bisher haben bei der EM lediglich der Russe Victor Kireev und Spaniens Hexer Arpad Sterbik (beide 36 Prozent) eine bessere Quote vorzuweisen.

Für Lichtlein läuft es dagegen nicht besonders gut. In den drei Vorrundenspielen gegen Spanien, Schweden und Slowenien gelangen "Lütti" alles in allem lediglich vier Paraden. In der Hauptrunde holte er sich das verlorengegangene Selbstvertrauen teilweise wieder zurück. Gegen Ungarn hielt er zwei Siebenmeter, gegen Russland - als Wolff schwächelte - machte er ein gutes Spiel.

Die norwegischen Keeper sind noch nicht sonderlich angsteinflößend unterwegs. Erevik, der mit seinen 163 Länderspielen einer der erfahrensten Norweger ist und dem Team Halt geben sollte, war in den ersten fünf Spielen überhaupt kein Faktor - wenn dann im negativen Sinne. Erst gegen Frankreich zeigte er mit 35 Prozent gehaltener Bälle eine gute Vorstellung.

Christensen, dem die meiste Zeit über die Hauptrolle im norwegischen Tor zufiel, bringt es auf eine Gesamtquote von 27 Prozent. Allerdings bleibt festzuhalten: In den alles entscheidenden Phasen der Partien haben Erevik und Christensen schon gezeigt, dass sie für wichtige Paraden gut sind. Am sensationellen Einzug ins Halbfinale und den Siegen gegen Polen, Kroatien und Frankreich hat das Duo aber einen eher überschaubaren Anteil.

Vorteil: Deutschland

Linksaußen

Rune Dahmke (THW Kiel) vs. Magnus Jondal (OIF Arendal)/Andre Lindboe (Elverum Handball)

Dahmke ist Deutschlands einziger nomineller Linksaußen und er macht seine Sache bislang sehr ordentlich. Der 22-Jährige konnte beim THW schon einige Erfahrungen auf internationalem Parkett sammeln, in Polen ist er mehr oder weniger permanent gefordert. Bisher stand er 249 Minuten auf der Platte - nur Wolff (266) erhielt mehr Spielzeit.

Was dem flinken Kieler, der immer wieder Bälle erobert, trotzdem noch ein bisschen abgeht, ist die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Er hat Partien dabei, in denen er zu viele Gelegenheiten liegen lässt. Bisher traf er von außen eingesprungen nur sieben von 15 Versuchen und damit weniger als 50 Prozent. Insgesamt erzielte Dahmke 16 Tore.

Bei den Norwegern ist Jondal mit 300 Minuten Einsatzzeit einer der absoluten Dauerbrenner. Der 27-Jährige ist wie Dahmke schnell unterwegs, aber etwas treffsicherer. Jondal versenkte insgesamt 22 seiner 30 Würfe, was einer Trefferquote von 73 Prozent entspricht.

Norwegens zweiter Linskaußen Lindboe kommt nur sehr sporadisch zum Zug. Er stand bislang nicht einmal sechs Minuten auf dem Feld, erzielte dabei aber immerhin vier Tore.

Unentschieden

Rückraum links

Steffen Fäth (HSG Wetzlar)/Julius Kühn (VfL Gummersbach)/Finn Lemke (SC Magdeburg) vs. Espen Lie Hansen (Bregenz Handball), Erlend Mamelund (THW Kiel)

Egal ob Fäth im ständig rotierenden deutschen Rückraum halblinks oder in der Mitte spielt, zeigt er bisher eine herausragende Vorstellung. Der gebürtige Frankfurter übernimmt Verantwortung, ist mit 23 Toren zweitbester deutscher Werfer und mit 21 Assists unter den Top-15-Vorlagengeber im gesamten Turnier.

Kühn wurde für Dissinger nachnominiert und war bislang nur 12 Minuten gegen Dänemark dabei. Er ist ein wurfgewaltiger Spieler, seinen ersten EM-Treffer hat er bereits auf dem Konto.

Auch was Espen Lie Hansen bisher spielt, ist beeindruckend und überraschend zugleich. Der 26-Jährige aus Drammen kam in der vergangenen Saison in HBL beim SC Magdeburg überhaupt nicht klar, spielt bei der EM aber groß auf. Er ist mit 27 Treffern Norwegens zweitbester Schütze. Von jenseits der neun Meter ist er die Hauptwaffe des Berge-Teams.

Zu Lemke und Mamelund kommen wir später, wenn es um die Abwehr geht.

Vorteil: Deutschland

Rückraum Mitte

Martin Strobel (HBW Balingen-Weilstetten)/Niclas Pieczkowski (TuS N-Lübbecke)/Simon Ernst (VfL Gummersbach) vs. Sander Sagosen (Aalborg Handbold)/Christian O'Sullivan (IFK Kristianstad)

Wenn Deutschland Fäth nicht hätte, gäbe es auf der Position des Spielmachers womöglich ein Problem. Strobel spielt in Polen längst nicht so eine wichtige Rolle, wie er es bei seinem sensationellen WM-Auftritt in der Wüste von Katar getan hat. Er ist zwar ruhig und agiert mit Übersicht, strahlt aber so gut wie keine Torgefahr aus (2 von 5).

Strobel und Pieczkowski (4 von 10), der immer wieder Dahmke Pausen auf Linksaußen verschafft und auch in der Abwehr hin und wieder eine Rolle spielt, weisen mit jeweils 40 Prozent die schlechtesten Wurfquoten im DHB-Team auf - sieht man mal von Abwehrspezialist Lemke ab. Ernst sammelt Erfahrung, ist aber noch keine ernsthafte Alternative. Sigurdsson ließ ihn in sechs Spielen insgesamt lediglich etwas mehr als neun Minuten ran.

Die Norweger verfügen mit dem hochtalentierten Sagosen und O'Sullivan über zwei dynamische und auch torgefährliche Mitte-Spieler. Während Sagosen (mit 29 Assists in der Gesamtwertung nur hinter Mikkel Hansen und Domagoj Duvnjak) für seine 20 Buden allerdings 45 Versuche brauchte, machte sein Positionskollege starke 13 von 17 Würfen rein.

Vorteil: Norwegen

Seite 1: Keeper-Vorteil und der Alleskönner Fäth

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