Die EM als Überraschungs-Ei

SID
Freitag, 05.12.2014 | 11:49 Uhr
Susann Müller laboriert an einer Fingerverletzung
© getty
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Hält der Finger von Susann Müller? Klappt es ohne "gelernte" Linksaußen? Wird Nadja Nadgornaja rechtzeitig fit? Die Handball-EM in Ungarn und Kroatien ist für Deutschland eine Art Überraschungs-Ei.

Die Garantin für Tore und Siege ist dabei, wenn die deutschen Handballerinnen am Sonntag via Frankfurt/Main zur Europameisterschaft in Ungarn und Kroatien aufbrechen. Ob Susann Müller aber tatsächlich im ersten Turnierspiel ihrer Mannschaft am 8. Dezember in Varazdin gegen die Niederlande (18.00 Uhr) auf der Platte steht, weiß keiner so genau. "Wir werden uns alle Optionen offenhalten und hoffen bei Susann auf weitere Fortschritte", sagt Bundestrainer Heine Jensen. Zuversicht klingt anders.

Der im Training vor vier Wochen gebrochene Ringfinger an der Wurfhand von Susann Müller steht symbolisch für eine Reihe von Ausfällen, mit denen Jensen bei der Nominierung seines 28-köpfigen EM-Kaders Anfang November nicht rechnen konnte. Zuerst erlitt Linkshänderin und Spielführerin Isabell Klein einen Mittelfußbruch, dann erwischte es Müller, dann knickte Rückraumspielerin Nadja Nadgornaja um, und am Ende verzichtete Linksaußen Natalie Augsburg wegen Formschwäche auf die EM-Teilnahme.

Ersatz nicht in Sicht

Allesamt Stammspielerinnen, die es nun so gut wie möglich zu ersetzen gilt. Eine für die leichten Tore aus dem rechten Rückraum geeignete Linkshänderin als Ersatz für Klein und Müller ist allerdings in Jensens Kader nicht in Sicht, zudem verzichtete der Bundestrainer auf die Nachnominierung von Lone Fischer und fährt ohne "echte" Linksaußen zur EM. "Die Rückschläge sind ärgerlich, aber wir haben weiter ein starkes Team und glauben an unsere Qualitäten", sagt der 37-jährige Däne: "Jetzt ist jede Spielerin eben noch mehr gefordert, all ihre Energie für den Erfolg der Mannschaft zu investieren."

Erstes Ziel ist die Hauptrunde, davor stehen die drei Gruppenspiele gegen die Niederlande, Co-Gastgeber Kroatien (10. Dezember/20.15 Uhr) und Schweden (12. Dezember/18.00 Uhr). Die ersten drei Teams aus jeder der vier Vorrundengruppen erreichen die Hauptrunde, in der in zwei Gruppen mit je sechs Mannschaften die Halbfinalisten ermittelt werden.

"Können weit kommen"

"Wir sind durchaus in der Lage, alle zu schlagen, wenn wir in Topform sind", sagt Jensen. Das hat am vergangenen Wochenende schon mal nicht geklappt, die Länderspiele gegen Rumänien gingen nach zum Teil haarsträubenden Leistungen in Abwehr und Angriff verloren. Vor allem in der 6:0-Abwehrformation hapert es noch gewaltig, da standen auch die beiden Weltklasse-Torhüterinnen Clara Woltering und Katja Schülke allzu oft auf verlorenem Posten. "In der Abwehr haben wir noch einiges an Arbeit vor uns", sagt Jensen, der ein "spannendes und sehr emotionales EM-Turnier erwartet: "Unser Ziel ist es, jedes Spiel zu gewinnen."

Einen richtigen Favoriten sieht Jensen bei der EM, deren Sieger bereits für die Olympischen Spiele 2016 in Rio und die WM 2015 in Dänemark qualifiziert ist, nicht, nennt aber sein Heimatland als Geheimtipp: "Es sieht schon sehr gefährlich aus, was Dänemark spielt." Allerdings versetzte der Ausfall von Abwehrchefin Marianne Bonde den dänischen Ambitionen einen herben Dämpfer. Ebenfalls auf dem Zettel hat Jensen Titelverteidiger Montenegro und Olympiasieger Norwegen.

Die eigene Mannschaft eher nicht. Oder doch? "Mit der Abwehr von der EM 2012 und dem Angriff der WM 2013 können wir weit kommen", sagt er. Zur Erinnerung: Im Angriff der WM 2013 zog Susann Müller mit 62 Toren in sieben Spielen ins Allstar-Team ein.

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