Das DHB-Team in der Einzelkritik

Ein ganz großer Imagegewinn

Von Florian Regelmann
Donnerstag, 24.01.2013 | 20:47 Uhr
Das DHB-Team ist wieder zurück in der erweiterten Weltspitze
© Getty
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Das DHB-Team hat bei der WM in Spanien wieder für Begeisterung in Handball-Deutschland gesorgt. Das Fazit fällt auch nach der Viertelfinal-Pleite gegen den Gastgeber sehr positiv aus. Für die Zukunft stellen sich aber auch interessante personelle Fragen.

Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)

Insgesamt ein durchwachsenes Turnier von Heinevetter. Das belegt allein schon seine Quote (65/214, 31 Prozent), die nicht für die Top 20 unter den Keepern reicht. Der Berliner begann die WM gegen Brasilien stark, hatte dann aber eine ganz schwierige Phase. Negativer Höhepunkt war seine schwache Leistung gegen Argentinien, als er von Heuberger auf die Bank geholt wurde. Aber: Heuberger hielt zu seiner klaren Nummer eins und wurde dafür belohnt.

Heinevetter steigerte sich von Spiel zu Spiel, im Achtelfinale gegen Mazedonien war er dann schlicht und ergreifend überragend. Die allseits bekannten Sensations-Saves der Marke Heinevetter, bei denen er quer in der Luft liegt, waren auch wieder dabei. Und auch gegen Spanien war Heinevetter über weite Strecken bärenstark. Allerdings muss man auch sagen, dass das Torhüter-Duell in der entscheidenden Phase dann an Jose Manuel Sierra ging. Positiv: Heinevetters Stärke, mit weiten Pässen Gegenstöße einzuleiten, kam des Öfteren zur Geltung.

Carsten Lichtlein (17/45, 38 Prozent) war bei dieser WM der gewohnt loyale und zuverlässige Backup. Man darf auf keinen Fall vergessen, dass er es war, der Deutschland gegen Argentinien das Spiel rettete. Wer weiß, was passiert wäre, wenn diese Partie verloren gegangen wäre. Seine irre Doppel-Parade war ein absolutes Highlight. Nichts Neues also im Tor: Dort ist Deutschland auch für die nächsten Jahre top aufgestellt. Zumal im Junioren-Bereich schon wieder einige Talente nachkommen.

Rückraum Mitte: Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)

Haaß hat eine beeindruckende WM gespielt. Der Noch-Göppinger (wechselt nach Magdeburg) ist von seiner individuellen Klasse her sicher kein Weltklasse-Mittelmann, aber auf andere Art und Weise wertvoll wie kaum ein Zweiter im DHB-Team. Hassan machte im Angriff eine mehr als ordentliche Figur (14 Tore, 14 Assists) und übernahm immer wieder Verantwortung. Und er war vor allem in der Abwehr gemeinsam mit Roggisch im Mittelblock sensationell stark. Nur Linksaußen Klein stand während des Turniers noch eine Minute länger auf dem Feld, Haaß powerte die ganze WM durch und ist klar ein Eckpfeiler für die Zukunft.

Das kann man von Strobel nicht zwingend behaupten. Der Lemgoer machte eine unglückliche Figur. Bis auf wenige Ausnahmen war Strobel im Angriff völlig wirkungslos (6/14, 2/9 aus dem Rückraum, 7 Ballverluste) und wirkte oft überfordert. Die Frage ist, wie es auf der Rückraum-Mitte-Position weitergehen soll. Einen Star kann man sich nicht schnitzen. Bleibt die Personalie Mimi Kraus. Fakt ist: Ein Kraus in Topform, der voll auf Handball fokussiert ist und sich ins Mannschaftsgefüge integriert, wäre eine Verstärkung für diese Mannschaft.

Rückraum links: Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar)

Christophersen (Quote: 22/41) ist ein schwieriger Fall. Nach seiner Knieverletzung wurde er gerade rechtzeitig zur WM fit und stand zu Beginn nicht in der Startaufstellung. Es wurde aber schnell offensichtlich, dass er klar die Nummer eins auf der Königsposition ist. Schade, dass er sich dann im Achtelfinale früh verletzte und erneut ausfiel. Aber: Gegen Spanien war der Berliner dann einer der Besten. Insgesamt gibt es keine neue Erkenntnis. Christophersen ist eine Waffe, wenn er von seinen Mitspielern gut in Szene gesetzt wird. Er ist aber kein Spieler, der ein Spiel individuell alleine entscheiden kann.

Vielleicht wird Fäth (8/16) in den nächsten Jahren zu so einem Mann. Die WM war wichtig für ihn, um erste Erfahrungen zu sammeln. Einige Male war schon zu sehen, welch Fackel der Shooter hat. Kneer (9/19) wird über kurz oder lang wohl eher keine Rolle mehr spielen. Er trug zwar auch seinen Teil zum Erfolg bei, gerade in der Abwehr, offensiv ist er aber zu limitiert. Und vor allem rückt auf Rückraum links mit Christian Dissinger ein Riesentalent nach. Diesen Namen muss man sich auf alle Fälle merken.

Rückraum rechts: Adrian Pfahl (VfL Gummersbach), Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt)

Auf dieser Position hat es in Spanien eine Machtverschiebung gegeben. Pfahl (12/26) ging als Nummer eins ins Turnier, jetzt gehört diese Rolle aber erst mal eindeutig Weinhold (24/42). Der Flensburger ist eine Entdeckung der WM, wobei man schon wusste, welche Qualitäten er mitbringt. Zum Beispiel, dass er als Linkshänder auf der Mitte spielen und auch aus dem rechten Rückraum ein Spiel leiten kann (11 Assists). Neben seinem hohen Handball-IQ bestach Weinhold durch exzellente Arbeit in der Deckung. Mit 24 Toren war er am Ende auch der beste DHB-Torschütze. An diesem Spieler wird Handball-Deutschland noch viel Freude haben.

Spannend wird sein, wie es mit Holger Glandorf weitergeht. Der Linkshänder hat angekündigt, in Zukunft wieder für die Nationalmannschaft zur Verfügung zu stehen. Aber sollte man ihn nach der Episode im Vorfeld überhaupt wieder eingliedern? Dass Weinhold ja in Flensburg Glandorfs Backup ist, macht die Sache noch interessanter.

Linksaußen: Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

Mit Uwe Gensheimer fehlte der einzige Weltklasse-Spieler, den Deutschland aktuell im Feld hat. Aber dank eines bärenstarken Turniers von Klein wurde dieses Fehlen sehr gut kompensiert. Klein stand so lange wie kein anderer deutscher Feldspieler auf der Platte und gab von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas. Keiner kreierte so viele Steals (9) - und im Gegenstoß war Klein gewohnt treffsicher (14/16). Bezeichnend: Gegen Spanien lief es bei Klein zu Beginn gar nicht, er ließ sich aber nicht beirren, biss sich zurück ins Spiel und warf teils wahnsinnige Tore. Seine Abwehrqualitäten als Außenspieler sind ohnehin unbestritten.

Rookie Schmidt wurde bei der WM ins kalte Wasser geschmissen und präsentierte sich formidabel. Er warf entscheidende Tore, hatte eine starke Quote (21/25) und etablierte sich als erster 7-Meter-Schütze (11/14). Sobald Gense wieder fit ist, wird er aber erst mal wieder ins zweite Glied rücken.

Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)

Im Vergleich zur Linksaußen-Position fiel die rechte Seite mit Groetzki und Reichmann deutlich ab. Vor allem Groetzki wird nach seinen entscheidenden Fehlwürfen gegen Spanien wohl noch ein paar schlaflose Nächte haben. Groetzki war ein Häufchen Elend nach dem Spiel und wird aus seinen Fehlern (Stichwort: Trickwürfe) lernen. Den Großteil der WM spielte Groetzki stark - und er steht genau wie Reichmann erst am Anfang seiner DHB-Karriere. Auf den Außenpositionen ist die DHB-Auswahl gut gerüstet für die nächsten Jahre.

Kreis: Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)

Er ist noch lange kein Aguinagalde, aber Wiencek (19/26) ist auf bestem Wege, ein internationaler Top-Kreisläufer zu werden. Der junge Kieler hat alle Anlagen und den Körper dafür, das war in vielen Szenen auch in Spanien wieder zu sehen. Dazu steht er wenn nötig seinen Mann in der Deckung. Theuerkauf, so etwas wie der emotionale Leader im Team, machte seine Sache auch sehr gut und glänzte vor allem mit seiner Sicherheit im Abschluss (14/17).

Abwehrchef Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen)

Heuberger sprach vom "besten Roggisch aller Zeiten". Und es gibt keinen Grund ihm zu widersprechen. Der SPOX-Kolumnist spielte eine herausragende WM. The Rogg bildete mit Haaß einen kaum zu überwindenden Innenblock (8 Blocks), dazu zeigte er ungeahnte Scorer-Qualitäten. Ein ums andere Mal klaute Roggisch den Ball und wuchtete seinen Körper zum persönlichen Gegenstoß übers Feld (4 Tore). Der Captain ist auch mit 34 Jahren momentan aus dem Team nicht zu wegzudenken und unersetzlich.

Fazit:

Nach den Enttäuschungen der letzten Jahre war dieses Turnier Gold wert für den deutschen Handball. Es war in erster Linie ein ganz großer Imagegewinn. Fast 10 Millionen Menschen saßen in der Spitze beim Viertelfinale vor dem Fernseher. Handball war wieder "in".

Und das ist einzig und allein dieser Truppe zu verdanken. Was Charakter, Einstellung, Zusammenhalt und Mentalität angeht, verdient die Mannschaft eine Eins mit Sternchen. Sie hat eindrucksvoll gezeigt, wie weit man es auch ohne die ganz große individuelle Klasse als echtes Team bringen kann.

Martin Heuberger, der oft in der Kritik stand, verdient dabei ein Sonderlob. Er wird nie der charismatischste Coach auf der Welt werden, aber rein fachlich gibt es wohl wenige Bessere. Er hat sein Team auf jeden Gegner optimal eingestellt - dazu kommt seine große Stärke als Kommunikator. Es hat alles gepasst.

Aber: Bei aller Freude gibt es keinerlei Grund, die Situation besser zu machen, als sie in Wahrheit ist. Ein Erreichen des Viertelfinals kann per se auf gar keinen Fall der Anspruch des größten Handball-Verbandes der Welt sein. Der DHB muss um Titel spielen. Punkt. Und bis in die Weltspitze ist es immer noch ein weiter Weg, daran hat sich nichts geändert.

Es wird entscheidend darauf ankommen, die jungen Talente, die es schon immer gab und weiter gibt, gemeinsam mit der HBL zu entwickeln. So zu entwickeln, dass Deutschland nicht nur als Mannschaft, sondern auch wieder individuell Spiele gewinnen kann. Auf der einen Seite war die Tiefe im Kader ein Trumpf, auf der anderen Seite liegt der beste deutsche Torschütze gerade mal in den Top 40 der WM. Das sagt auch einiges.

Als nächstes steht mit der EM-Qualifikation ein ganz wichtiges Ziel auf dem Programm - dort ist der Druck nach der Heim-Pleite gegen Montenegro schon ziemlich groß. Weitere Ausrutscher sind praktisch verboten.

Das vielleicht Beste an dieser WM ist, dass man dafür aber jetzt wieder ein gutes Gefühl haben kann. Die Stimmung hinsichtlich der Handball-Nationalmannschaft hat sich komplett gedreht. Und das ist - als erster Schritt - eine reife Leistung. Es muss aber jetzt so weitergehen.

Handball-WM: Der komplette Spielplan

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