Handball-WM: Deutschland - Frankreich 32:30

Wahnsinn! DHB-Team schlägt den Weltmeister

Von Florian Regelmann
Freitag, 18.01.2013 | 20:18 Uhr
Deutschland gewann zum ersten Mal seit 2007 gegen Frankreich
© Getty
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat bei der WM in Spanien ein dickes Ausrufezeichen gesetzt! Das DHB-Team besiegte Titelverteidiger Frankreich nach einer überragenden Vorstellung in Barcelona mit 32:30 (16:16) und zieht damit als Gruppensieger ins Achtelfinale ein.
 

Patrick Groetzki (6), Kevin Schmidt (4/2) und Steffen Weinhold (4) waren die besten Werfer im deutschen Team. Bei den Franzosen lieferte Nikola Karabatic (8) eine starke Leistung ab, Luc Abalo steuerte 6 Tore bei.

WM-Statistik: Die Besten der Besten

Deutschland beendet die Gruppe A nach dem ersten Sieg gegen Frankreich seit dem WM-Halbfinale 2007 damit mit 8:2-Punkten als Erster. Im Achtelfinale trifft das DHB-Team am Sonntag (15.30 Uhr im LIVE-TICKER) auf Mazedonien.

Reaktionen:

Martin Heuberger (Bundestrainer): "Wir haben in jedem Spiel eine Chance. Kompliment an meine Mannschaft, dass sie daran geglaubt hat. Wir hatten gegen Frankreich immer Antworten. Daher bin ich sehr stolz auf die Mannschaft."

Oliver Roggisch (DHB-Kapitän): "Wir dürfen jetzt nicht denken, dass wir die Besten sind. Das Turnier geht jetzt erst los."

Patrick Wiencek (DHB-Kreisläufer): "Wir können glücklich sein. Wir haben nicht mit den Punkten gerechnet und locker aufgespielt."

Claude Onesta (Trainer Frankreich): "Das war ein außerordentliches Spiel. Ich bin enttäuscht über das Ergebnis. Wir waren nicht gut genug, Deutschland dagen sehr gut. Ich gratuliere. Diese Mannschaft ist nicht schlecht - da fehlt nur Erfahrung. Das wird im Laufe des Turniers besser und besser. Wir wollten die ersten Minuten dominieren, waren damit aber nicht erfolgreich."

Nikola Karabatic (Frankreich): "Deutschland hat großartig gespielt."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Heuberger hat keinen Grund etwas zu ändern. Also beginnen wieder Christophersen, Haaß und Weinhold im Rückraum, Klein und Groetzki auf den Außen und Wiencek am Kreis. Heinevetter steht im Tor. Bei den Franzosen heißt der Keeper natürlich Omeyer, die Rückraum-Achse bilden Karabatic, Narcisse und Barachet, die Außen heißen Guigou und Abalo, am Kreis kommt Sorhaindo zum Zug.

5.: Klasse Tor von Haaß, der in Unterzahl das Ding aus 10 Metern unter die Latte hämmert. Auf der anderen Seite setzt sich Karabatic individuell mit seiner ganzen Dynamik durch, ein typischer Karabatic. 4:4. Ein echtes Torferstival zu Beginn.

10.: Heuberger ist außer sich! Das DHB-Team kassiert ständig 2-Minuten-Strafen und 7-Meter, und ein technischer Fehler von Karabatic wird auch nicht abgepfiffen. Nach einem 4:0-Run ziehen die Franzosen auf 8:5 weg, dann trifft aber Weinhold - in doppelter Unterzahl! Und Heinevetter hält im vierten Versuch zum ersten Mal einen 7-Meter von Guigou. 8:6 Frankreich.

15.: Es geht weiter mit den Zeitstrafen, Roggisch kassiert seine zweite, noch eine und er ist raus! Aber: Das macht alles nichts, Deutschland trifft in Unterzahl, wie es will. Zwei Groetzki-Tore sorgen für eine 10:9-Führung. Omeyer hat noch nichts gehalten, absolut nichts.

24.: Karabatic reißt das Spiel in dieser Phase an sich. Wuchtiger Wurf ins kurze Eck, mit seinem fünften Wurf erzielt er sein fünftes Tor. 14:12 Frankreich.

30.: Erst setzt sich der bullige Wiencek am Kreis durch, dann trifft Groetzki im Gegenstoß. Heißt: Zur Halbzeit steht es tatsächlich 16:16. Eine bemerkenswerte Leistung des DHB-Teams. Respekt!

33.: Unfassbarer Auftakt in die zweite Halbzeit! Heinevetter mit einem Welt-Pass nach vorne, Klein nimmt den Ball in der Luft auf und haut ihn in einer Bewegung ins Tor, Sensations-Aktion! Dann trifft auch noch Haaß. 19:16 Deutschland! Bei Frankreich steht jetzt Karaboue im Kasten, bringt ihnen aber auch nichts.

40.: Diesmal passt alles am Zeitnehmertisch, dafür steht jetzt das deutsche Tor nicht mehr richtig. Der rechte Pfosten ist aus der Verankerung geraten, die Handwerker sind auf dem Feld, viele wichtige Menschen stehen drumherum, man kennt das ja. Spielstand: 23:22 Deutschland.

45.: Es läuft! Es läuft! Erst Fäth, dann Schmidt im Gegenstoß, Strobel und jetzt noch Groetzki! Deutschland zieht auf 27:22 weg! Frankreichs Coach Onesta ist bedient und nimmt die Auszeit. Heuberger: "Die sind platt!" Irre, was sich hier abspielt.

52.: Onesta hat Shooter Accambray auf halblinks gebracht und der Move zahlt sich sofort aus. Frankreich kommt wieder ran, zu viele Ballverluste jetzt im deutschen Spiel. 27:25 nur noch.

55.: Abalo verwirft den 7-Meter gegen Lichtlein, dann knallt Fäth den Ball rein, es war schon Zeitspiel angezeigt. 31:28 Deutschland!

58.: Heinevetter hält den 7-Meter von Honrubia! Das könnte der letzte Stich gewesen sein. 31:29 Deutschland.

60.: Ohne Worte. Karaboue hält den Wurf von Christophersen, die Franzosen könnten in den letzten Sekunden noch zum Ausgleich kommen, aber Karaboue mit einem furchtbaren Pass. Deutschland hat den Ball, Groetzki in der Schlusssekunde zum 32:30!

Deutschland - Frankreich: Das komplette Spiel im Re-Live

Der Star des Spiels: Das komplette DHB-Team. Einen Spieler herauszuheben, würde der Sache nicht gerecht. Jeder trug seinen Teil zum Sieg bei. Silvio Heinevetters Quote (26 Prozent) war zwar wieder nicht herausragend, aber der Berliner war klar besser als das Duo der Franzosen und mit einigen entscheidenden Saves zur Stelle. Die Jungen wie Kevin Schmidt und Steffen Fäth warfen wichtige Tore. Stefan Kneer stand nur 7 Minuten auf dem Feld, war aber auch da, als er gebraucht wurde. Ein klassischer Sieg der gesamten Mannschaft.

Der Flop des Spiels: Thierry Omeyer. Der beste Handball-Torwart, den die Welt je gesehen hat, erwischte gegen Deutschland einen Tag zum Vergessen. Es dauerte bis zur 18. Minute, ehe er überhaupt mal eine Hand an einen Ball bekam. In den letzten Spielen hatte Omeyer fantastisch gehalten (29/48), jetzt standen gerade mal 2 Paraden (2/18) zu Buche. In der 2. Halbzeit wurde er durch Daouda Karaboue ersetzt, sein Backup hielt aber auch so gut wie nichts (5/21).

Analyse: In den letzten beiden Spielen gegen Brasilien und Argentinien war die Abwehr der Franzosen nahezu unüberwindlich, mit einem überragenden Omeyer im Tor fing sich der Weltmeister in der ersten Halbzeit einmal 5 und einmal 6 Tore. Und gegen Deutschland? Da schlug es in den ersten 17 Minuten schon 11 Mal ein (9:11).

Es war die mit Abstand beste Turnierleistung der DHB-Auswahl - und in der Art und Weise sehr beeindruckend. Deutschland lieferte nicht nur einen leidenschaftlichen Fight, so wie man das ja erwarten darf, es glänzte überraschend auf spielerischer Ebene. Die Heuberger-Truppe spielte ideenreich, couragiert, mit Tempo und viel Bewegung ohne Ball.

Dass Abwehrchef Oliver Roggisch früh mit seiner zweiten Zeitstrafe erst mal auf die Bank musste? Kein Problem: Stefan Kneer ersetzte ihn top. Dass Deutschland - zu Recht, denn die Entscheidungen waren korrekt - ständig in Unterzahl auf dem Feld stand? Auch kein Problem. Vier Tore markierte Deutschland mit einem oder sogar zwei Mann weniger auf der Platte. Frankreich lebte wie gewohnt von seiner individuellen Klasse in den 1-1-Situationen.

Wer sich gedacht hatte, dass die Franzosen die Verhältnisse in Halbzeit zwei schon noch zurechtrücken würden, sah sich auch getäuscht. Im Gegenteil. Der französische Angriff kam gegen die aggressive deutsche Deckung ins Stocken, das DHB-Team spielte sich in einen kleinen Rausch und zog dank einer unglaublichen Effektivität auf 5 Tore weg (27:22).

Zwar wurde es zum Schluss wenig überraschend noch einmal zu einer Zitterpartie, weil sich vor allem Karabatic gegen die Niederlage stemmte, aber den Sieg hatte an diesem Tag nur eine Mannschaft verdient. Und das war nicht die Handball-Supermacht Frankreich, sondern Deutschland.

Ein Lernspiel sollte es werden, hatte Heuberger vor der Partie gesagt. Gelernt haben wir vor allem, dass Deutschland bei der WM mit dieser neu formierten Mannschaft zu außergewöhnlichen Leistungen fähig ist.

Das macht Mut und Lust aufs Achtelfinale, ein Ausscheiden gegen Mazedonien mit Superstar Kiril Lazarov bleibt aber nach wie vor möglich, das muss man auch sagen. Dazu ist es alles zu sehr von der Tagesform abhängig. Aber: Der Viertelfinal-Einzug ist mit so einer Leistung natürlich mehr als machbar, dort würde es im Übrigen dann wohl gegen Spanien oder Kroatien gehen.

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