Ein Husky-Auge wegen Kretzsche

Von Interview: Felix Götz
Donnerstag, 14.04.2011 | 13:00 Uhr
Wechselte auch wegen Stefan Kretzschmar zum SC Magdeburg: Robert Weber
© Getty
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Der österreichische Nationalspieler Robert Weber ist derzeit der erfolgreichste Werfer der Bundesliga. Der Rechtsaußen ist ein Garant dafür, dass es beim SC Magdeburg in dieser Saison richtig gut läuft. Bei SPOX verrät der 25-Jährige, warum er sich wegen Stefan Kretzschmar tätowieren ließ und warum er vor dem DHB-Team schon längst keine Angst mehr hat. Zudem sagt Weber seinem Klub eine rosige Zukunft voraus.

SPOX: Herr Weber, Sie sind aktuell mit 206 Toren bester Werfer der HBL, beim All-Star-Game wurden Sie zum Man of the Match gewählt. Warum läuft es derzeit so rund?

Robert Weber: Das liegt daran, dass ich mich in Magdeburg sehr wohl fühle. Das Umfeld stimmt, mit der Mannschaft macht es riesigen Spaß. Außerdem spüre ich das Vertrauen von Trainer Frank Carstens.

SPOX: Wäre es etwas Besonderes für Sie, auch am Ende der Saison der beste Werfer der Liga zu sein?

Weber: Das ist zweitrangig, die Mannschaft steht im Vordergrund. Aber es war schon mein Ziel, die 200er Marke zu knacken. Und wenn ich zwei Spieltage vor Saisonende immer noch oben stehen sollte, dann will ich auch die Torjäger-Krone haben.

SPOX: 85 ihrer Tore waren Siebenmeter - macht Rang zwei in der HBL-Bestenliste. Bereiten Sie sich speziell auf die Siebenmeter vor?

Weber: Die meisten Torhüter kennt man, aber es gibt tatsächlich Phasen, in denen ich mir das Verhalten der Keeper auf Video anschaue und sie so ausgucke. Allerdings läuft es meistens so, dass es eine Moment-Entscheidung ist. Ich schaue, was der Torhüter macht und werfe dementsprechend.

SPOX: Durch ihre Tore sind Sie ein wichtiger Grund dafür, dass der SC Magdeburg derzeit Siebter ist. Man kann sehr zufrieden sein, oder?

Weber: Auf jeden Fall. Wir haben uns vor der Saison einen einstelligen Tabellenplatz zum Ziel gesetzt. Nach der Hinrunde waren wir dann Siebter und uns war klar: Da gehören wir auch hin. Daraufhin haben wir unser Ziel korrigiert, wir wollen mindestens Siebter werden.

SPOX: Es gab Zeiten, in denen sich der SC Magdeburg in der Außendarstellung katastrophal präsentiert hat. Jetzt scheint Ruhe zu herrschen. Täuscht es, oder tritt der Verein tatsächlich geschlossener auf?

Weber: Das ist definitiv richtig. Als ich 2009 nach Magdeburg kam, gab es sehr viele Probleme, es herrschte ein regelrechtes Durcheinander. Diese Unruhe drang auch zur Mannschaft durch, weshalb es sehr schwierig war, seinen Job gut zu machen. Jetzt hält der neue Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt störende Dinge von uns fern und es gibt klare Trennlinien. Wir können unseren Job auf dem Feld machen, die Leute im Büro können derweil ihren Job in Ruhe machen. So ist es viel einfacher.

SPOX: Wagen Sie doch mal eine Prognose: Wie wird die Entwicklung des SC Magdeburg in den nächsten Jahren aussehen?

Weber: In fünf, sechs oder sieben Jahren ist es möglich, mal unter die ersten vier vorzustoßen. Dass Magdeburg dazu die Chance hat, sieht man doch schon alleine daran, dass in der nächsten Saison mit Torhüter Björgvin Gustavsson ein Weltklasse-Mann bei uns spielt. Durch den Erfolg steigt der Reiz für Weltklasse-Spieler, nach Magdeburg zu kommen.

SPOX: Nur wegen guter sportlicher Perspektiven wechseln Weltklasse-Leute aber auch eher selten zu einem Verein...

Weber: Absolut richtig. Das Finanzielle muss der SC Magdeburg aber natürlich im Auge behalten, man darf nicht übereifrig handeln. Das macht hier auch keiner, der Klub macht das sehr, sehr gut. Deshalb ist es zwar noch nicht in den nächsten Jahren möglich, oben anzugreifen, aber langfristig schon.

SPOX: Hat Magdeburg dennoch bei Verpflichtungen einen Vorteil, weil es einfach ein absoluter Traditionsklub ist?

Weber: Auf jeden Fall. Ich bin damals aus zwei Gründen hier her gekommen. Erstens, weil es der SC Magdeburg ist, und zweitens, weil Stefan Kretzschmar, der damals Sportdirektor war, mich wollte. Da musste ich nicht lange überlegen.

SPOX: Apropos Kretzschmar: Sie haben jede Menge Tätowierungen. Sind Sie da auf Kretzsches Spuren?

Weber: (lacht) Ja, da ist er tatsächlich ein Vorbild für mich. Ich finde seine Tattoos cool. Ich war schon immer von Tattoos, die eine bestimmte Aussagekraft haben, fasziniert. Also zum Beispiel seine Kinder an seinem Körper zu verewigen, so wie das Kretzsche ja gemacht hat, gefällt mir. Aber erst als ich nach Magdeburg kam, habe ich mich das selbst auch getraut.

SPOX: Und dank Kretzsche findet man auf Ihrem Körper jetzt was?

Weber: An meinem linken Oberarm trage ich beispielsweise mein Hochzeitsdatum und die 28 - meine Trikotnummer. Und ein Husky-Auge, was auf mein Haustier zurückgeht.

SPOX: Kretzschmar ist nicht mehr in Magdeburg, Sie sind noch da und haben einen Vertrag bis 2013. Erfüllen Sie den auf jeden Fall, oder wechseln Sie vorher zu einem Top-Klub?

Weber: Ich möchte meinen Vertrag hier gerne erfüllen, wenn es möglich ist sogar verlängern. Aber man weiß ja nie, was passiert, wenn wirklich mal eine Top-Mannschaft anklopft.

SPOX: Bei einem Angebot Ihres Traum-Klubs FC Barcelona könnten Sie schwach werden?

Weber: Zugegeben: Vom FC Barcelona habe ich schon als Kind geträumt. Ein Angebot wäre eine große Ehre. Dennoch müsste man dann erst schauen, ob es auch Sinn machen würde. Generell bin ich nämlich ein Typ, der lieber mithilft, etwas aufzubauen, worauf man dann stolz sein kann.

SPOX: Außerdem ist die spanische Liga in der Breite doch nicht ansatzweise so gut wie die Bundesliga...

Weber: Das ist auch ein wichtiger Punkt. In der Bundesliga bist du in jedem Spiel zu 100 Prozent gefordert, es gibt kein Spiel, das schon im Voraus gewonnen ist. Schauen sie sich Großwallstadt an: Die punkten in Kiel und in Hamburg. Genau das macht die Bundesliga so reizvoll.

SPOX: Mittlerweile ist es auch richtig reizvoll, für Österreich zu spielen. Der Handball hat sich in Ihrer Heimat in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Warum?

Weber: Das hat verschiedene Gründe. Die Verpflichtung von Trainer Dagur Sigurdsson hat damals eine wichtige Rolle gespielt. Wir haben 2010 eine Europameisterschaft in unserem Land bekommen, dadurch stieg das Budget. Somit konnte man bessere Gegner zu Turnieren einladen und mehr Lehrgänge durchführen, wodurch wir Spieler uns gut entwickeln konnten. Außerdem darf man nicht vergessen, dass mittlerweile viele Österreicher in starken ausländischen Ligen spielen. Da sammelt man die nötige Erfahrung.

SPOX: In der EM-Quali ist Österreich aktuell Gruppenerster. Es geht aber noch gegen Deutschland und nach Island. Schafft es Österreich nach Serbien?

Weber: Das entscheidende Spiel wird die Partie gegen Deutschland werden. Auf Island wird es wesentlich schwerer als zu Hause gegen Deutschland. Die Deutschen haben derzeit so ihre Probleme, wobei ich ganz klar sagen muss, dass Deutschland immer noch stark ist. Beim Sieg gegen Island hat man gesehen, dass der deutsche Geist noch vorhanden ist. Für uns wäre es trotzdem enttäuschend, wenn wir nach einem Remis in Deutschland und einem Heimsieg gegen Island die Qualifikation nicht schaffen würden.

SPOX: So weit ist es gekommen. Das DHB-Team löst nicht mal mehr bei den Österreichern Furcht aus...

Weber: (lacht) Nein, keineswegs! Aber ernsthaft: Wenn man in Deutschland einen Punkt holt, warum sollte es dann zu Hause nicht möglich sein? Die Furcht ist längst abgelegt, was eben auch damit zu tun hat, dass viele Österreicher in der Bundesliga gegen starke Gegner spielen. Wir sehen, wir können mithalten.

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