Hilfe, mein Golflehrer ist besser als Tiger Woods!

Von Florian Regelmann
Tiger Woods war nach Runden von 77 und 73 Schlägen zwei Schläge schlechter als Steve Schneiter
© Getty
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5. Kaymers Major-Jahr: Cut verpasst beim Masters, 39. Platz bei der US Open, 12. Platz bei der British Open, Cut verpasst bei der PGA Championship - Kaymers Major-Bilanz 2011 ist durchwachsen. Man muss nicht lange drum herumreden, da hätte man sich mehr erwartet. Und vor allem er selbst hätte sich mehr erwartet.

Wenn man sagen würde, dass Kaymer eine schlechte Saison spielt, wäre das schlicht und ergreifend falsch, aber es fehlt im Moment so ein bisschen der letzte Tick. Bei der PGA Championship spielte er nach eigenen Angaben sehr ordentlich, lochte aber viel zu wenige Putts. Mit nur vier Birdies an zwei Tagen kommt man eben nicht weit.

Dazu kommt, dass Kaymer momentan nach einem anstrengenden Jahr, in dem er die Nummer eins der Welt wurde und viel auf ihn einprasselte, etwas müde wirkt. Es ist und bleibt eine Mini-Krise auf hohem Niveau. Andere wären froh, sie hätten Kaymers sorgen. Ernie Els, Graeme McDowell und Co., Ihr seid gemeint.

Kaymer ist nicht weit davon entfernt, wieder Spitzengolf zu zeigen. Gut möglich, dass er 2011 noch ein Turnier gewinnt. Ach ja, wie er wirklich gespielt hat, können wir nicht sagen, denn wir haben ihn ja nicht gesehen. Wie die TV-Regie den Titelverteidiger und die Nummer drei der Welt (jetzt die Nummer vier) zum wiederholten Male ignoriert hat, war eine Frechheit. Punkt.

4. Lee und Luke, Ihr gewinnt nie eins! Es ist mal wieder Zeit, um zu erklären, wie unfassbar Golf ist. Die letzten sieben Majors wurden von sieben verschiedenen Spielern gewonnen, die allesamt zum ersten Mal siegten. Wir schauen uns einfach mal die letzten sechs Champs vor der PGA Championship an.

Graeme McDowell? Unser Ryder-Cup-Held G-Mac steckt in einer tiefen Krise und trifft absolut keine Kugel mehr. Louis Oosthuizen? Hat den jemand seit seinem British-Open-Sieg 2010 gesehen? Kaymer? Verpasste den Cut. Masters-Champ Charl Schwartzel ist die rühmliche Ausnahme und spielte bei allen vier Majors in dieser Saison stark. McIlroy haben wir bereits thematisiert. Und Darren Clarke? Der war neben Oldie Larry Nelson und Richard Green der einzige Spieler, der in zwei Tagen nicht ein einziges Birdie schaffte.

Du gewinnst die British Open und schaffst beim nächsten Major nicht ein Birdie. Nicht eins. Das ist so brutal. Noch brutaler ist allerdings, dass die Nummer eins und zwei der Welt ums Verrecken kein Major gewinnen können.

Luke Donald und Lee Westwood beendeten das Turnier auf dem geteilten achten Platz. Besonders der Fall Westwood ist nicht zu erklären. Der sammelt ein Top-Ergebnis nach dem anderen, der spielt bis zum Grün überragend, aber der locht so gut wie nichts. Wie groß der Frust ist? O-Ton Westwood: "Ich habe alles probiert und ich habe keine Ahnung, was ich noch machen soll. Vielleicht hilft eine andere Religion."

3. Der seltsame Jason Dufner: Es gibt seltsame Typen, es gibt noch seltsamere Typen - und es gibt Jason "Christof" Dufner. Die größte golferische Leistung des 34-Jährigen, der ein bisschen aussieht wie die fette Version von Rory McIlroy, war vor dieser Woche, dass er zu College-Zeiten mal nachts im Suff aus 135 Metern die Birne eines Laternenmasts abschoss.

Aber damit nicht genug: Dufner besitzt die hässlichste Pre-Shot-Routine auf dem Planeten, seine zig Waggles machen einen komplett wahnsinnig. Aber: Auf irgendeine mysteriöse Art und Weise entscheidet er sich nach der ca. achten Pendelbewegung dann doch, auf den Ball draufzuhauen. Und das meist mit Erfolg. Dufner präsentierte sich als eine Fairway- und Grün-Maschine.

Es war nicht von dieser Welt, wie dieser Typ wie ein Zombie über den Platz schlenderte, nicht einen Ansatz von Emotionen zeigte und robotermäßig jedes Fairway und Grün traf. Warum um alles in der Welt hatte Dufner vor der PGA seine letzten vier Cuts verpasst? Warum hat er noch kein Turnier gewonnen? Man weiß es nicht. Dufner hätte einer der skurrilsten Major-Sieger aller Zeiten werden können, fünf Schläge Vorsprung hatte er vor den letzten vier Löchern des Grauens. Dann zeigte er doch noch Nerven und schmiss den möglichen Erfolg weg. Rein sportlich muss man vor Dufner höchsten Respekt haben, aber als Typ bleibt er einem irgendwie suspekt.

2. U-S-A! U-S-A! Da sind die Amis aber glücklich. Nach sechs Majors ohne Erfolg haben sie endlich mal wieder zugeschlagen und ihre Krise beendet. Nimm das, Nordirland! Und wem haben Sie es zu verdanken? Keegan Bradley! Na klar, wem sonst? Bradley ist nach Francis Ouimet (1913) und Ben Curtis (2003) erst der dritte Golfer in der Geschichte, der bei seinem Major-Debüt sofort triumphiert. Der Neffe von Pat Bradley, einer Hall-of-Famerin, die sechs Major-Turniere für sich entscheiden konnte, kam als völliger Nobody zur PGA Championship. Bradley hatte in seiner Rookie-Saison auf der US PGA Tour zwar schon die Byron Nelson Championship gewonnen, aber deshalb kannte ihn trotzdem niemand.

"Das Schlimmste ist, wenn du ein Autogramm schreibst und der Junge dich schief anschaut und fragt, wie dein Name ist. Das ist mir in dieser Woche oft passiert", erzählte Bradley. In Zukunft sollte das nicht mehr passieren. Bradley ist ein richtig lässiger Hund. Weil er einfach Eier hat. Steve Elkington twitterte, dass Bradley mehr Eier habe, als die kompletten Top 10 der Welt zusammen. Beispiele für seine Toughness lieferte er genug. Bradleys zweiter Schlag an der 18 an Tag drei war beispielsweise gigantisch.

Und wie er nach seinem desaströsen Triple-Bogey an der 15 am Finaltag mit Birdies an der 16 und 17 zurückfightete, war großes Kino. Der 25-Jährige (Idol: Patriots-Star Tom Brady) hat auch diesen Killer-Blick, er hat die Emotionen, er hat das Charisma, und er hat die Schläge. Wir werden noch einiges von ihm hören. In der Weltrangliste hat Bradley (29), der als erster Spieler mit einem langen Putter ein Major gewann, Tiger (33) sogar schon überholt. Kaum zu glauben.

1. 235 lange Tage bis Augusta! "Glory's last shot" - der Spitzname der PGA Championship kommt nicht von ungefähr. Es war die letzte Chance, in diesem Jahr noch das große Ding zu drehen. Alles, was jetzt noch kommt, kann man nahezu komplett vergessen. Mit ihren albernen FedEx-Cup-Playoffs kann die US-Tour bleiben, wo der Pfeffer wächst. Die sind nicht ansatzweise spannend und werden es auch nie sein. Und der Presidents Cup liegt vom Spannungsfaktor nur knapp überhalb der Frauenfußball-WM.

Es bleiben ein paar ganz nette Turniere auf der European Tour wie die Alfred Dunhill Links Championship und das Saisonfinale in Dubai im Dezember, aber im Großen und Ganzen ist da nicht mehr viel. Wer eine Idee hat, wie man seinem Leben in den knapp acht Monaten bis zum Masters einen Sinn geben kann, immer her damit! Zum Abschluss kommen hier die Major-Winner 2012. Masters: Woods, Tiger. US Open: Manassero, Matteo. British Open: Garcia, Sergio. PGA Championship: Moore, Ryan.

Der Stand in der Weltrangliste

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