OK überzeugt von Sicherheitskonzept

SID
Dienstag, 10.12.2013 | 17:50 Uhr
Trotz der jüngsten Ausschreitungen beharrt das WM-OK auf seinem Sicherheitskonzept
© getty
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Die Sicherheitsdiskussion im WM-Gastgeberland Brasilien ist nach den Ausschreitungen vom Sonntag in Joinville voll entbrannt. Die Organisatoren bauen aber auf ihr bestehendes Konzept.

In der großen Eingangshalle des Justizministeriums in Brasília führen die Verantwortlichen stolz ihre neueste Errungenschaft vor. Es ist ein ferngesteuerter Bomben-Entschärfungs-Roboter, der mit langen Tentakelarmen und Hightech-Ausstattung helfen soll, etwaige terroristische Attentate bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zu verhindern.

Vor der Weltpresse präsentierten die Regierungsvertreter rund 180 Tage vor Turnierauftakt den Stand ihres Sicherheitskonzepts unter Einbeziehung des Justiz- und Verteidigungsministeriums sowie im Zusammenspiel von Polizei, Armee und Nachrichtendiensten.

Heftige Krawalle im Stadion

Doch die Gefahr für das 200-Millionen-Einwohner-Volk liegt im Augenblick nicht so sehr in Terroranschlägen, vielmehr lösten am Sonntag die heftigen Krawalle beim Erstligaspiel zwischen Atlético Paranaense und Vasco da Gama in Joinville mit vier Verletzten und weltweit via TV verbreiteten Gewaltexzessen im Stadion Entsetzen aus.

Doch der vom Justizministerium als Koordinator für Sicherheitsfragen eingesetzte Staatssekretär Andrei Augusto Passus Rodrigues entgegnete im SID-Interview energisch: "So etwas wird sich bei der WM nicht wiederholen. Das Modell, das in Joinville zum Tragen kam, ist nicht das Konzept, auf das wir bei der WM setzen. Unser Modell sieht vor, dass private Sicherheitskräfte im Tandem mit öffentlichen zum Einsatz kommen."

In Joinville hatte es nur private Ordner gegeben, die mit der Situation total überfordert waren. "Unser Konzept hat sich beim

Confederations Cup und vergangenen WM-Turnieren bewährt", bekräftigte FIFA-Sprecherin Delia Fischer auf "SID"-Anfrage.

Ausgeklügeltes Überwachungssystem

Dabei kommt in jedem der zwölf WM-Städte ein ausgeklügeltes Überwachungssystem mit 200 Kameras zum Einsatz, die teilweise von mobilen Einsatzstellen aus geleitet werden. So sollen mögliche Sicherheitslücken schnell erkannt werden, um mit zielgerichtet eingesetzten Kräften rasch und effektiv vorgehen zu können. Nach dem Motto: "Big Brother is watching you!"

Der nüchterne Bau des Justizministeriums mit seinem 70er-Jahre-Charme steht allerdings in krassem Gegensatz zum Herzstück der Hightech-Überwachung im selben Gebäude: eine rund 35 Meter lange und 12 Meter hohe Videoleinwand, auf der die Bilder von Hubschraubern bzw. festinstallierten Kameras in Echtzeit ausgewertet werden können. Alle neuralgischen Punkte sind einsehbar.

Diese Anlage und andere Sicherheitsinvestitionen haben ihren Preis. Umgerechnet rund 400 Millionen Euro hat sich das Land des Rekord-Weltmeisters das Thema Sicherheit und Gewaltprävention in den vergangenen Jahren kosten lassen. "Wir sehen das allerdings nicht nur als Investition für die WM, sondern auch in die Zukunft unseres Landes", sagte Rodrigues, "deshalb sind diese Kosten auch gerechtfertigt."

Brasiliens Image beschädigt

Dennoch hat das Image Brasiliens durch die Bilder vom Sonntag, als Gewalttäter auf am Boden liegende Wehrlose einprügelten und -traten, Schaden genommen. Staatspräsidentin Dilma Rousseff nahm am Montag zu den Vorkommnissen Stellung. Doch Krawalle von verfeindeten Ultras der großen brasilianischen Klubs haben eine lange Tradition, teilweise werden gegnerische Fanbusse bei der Fahrt zum Stadion sogar unter Schusswaffenfeuer genommen. Und diese Gewaltakte sind nicht das einzige Problem in Brasilien.

Die Massen-Proteste Zehntausender gegen soziale Missstände bei der WM-Generalprobe Confed Cup im Sommer zeigten überdeutlich die Probleme und Verwerfungen in der brasilianischen Gesellschaft. Mit Demonstrationen ist auch bei der WM-Endrunde (12. Juni bis 13. Juli 2014) zu rechnen. "Wir achten das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf Demonstrationen, wir schreiten allerdings ein, wenn es zu Gewalt kommt", sagte Rodrigues.

Beim Konföderationen-Pokal seien eine Million Menschen auf die Straßen gegangen, dabei seien 50.000 Sicherheitskräfte zum Einsatz gekommen. Und geschadet hätten die Massenproteste dem Image Brasiliens auch nicht, sagt der Sicherheitskoordinator der Regierung.

WM soll friedliches Fußballfest werden

Laut einer Umfrage der nationalen Tourismusbehörde hätten sich 70 Prozent der Befragten positiv zur Sicherheit im Land geäußert und einen erneuten Brasilien-Besuch angekündigt. Mit Statistik lässt sich bekanntlich vieles belegen, doch Zweifel bleiben. Das Thema Sicherheit wird die Brasilianer, aber auch die Weltöffentlichkeit bei der WM noch intensiv begleiten. Schlusswort von Rodrigues: "Wir sind überzeugt, dass die WM ein sicheres und friedliches Fußball-Fest wird."

Während er dies sagt, wird im Foyer der Bombenentschärfungs-Roboter auf seinen Raupenrädern schon in Position gebracht. Umgerechnet 230.000 Euro kostet dieses Hightech-Gerät - in jeder der zwölf WM-Städte verfügen die Sicherheitskräfte über einen solchen Roboter. Für die brasilianische Justiz, das Verteidigungsministerium, die Polizei, die Armee und die Nachrichtendienste könnte das Großevent somit schon heute losgehen...

Die WM-Quali im Überblick

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