Vorsicht vor der honduranischen Klaue

Von Marco Kieferl
Freitag, 15.11.2013 | 12:56 Uhr
Die Spieler von Honduras feiern die dritte WM-Teilnahme des Landes ausgelassen
© getty
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Venlo

Zum dritten Mal qualifizierte sich Honduras für eine Weltmeisterschaft, nie gelang dabei ein Sieg. Der aktuelle Aufschwung des nationalen Fußballs könnte dazu führen, das es dabei nicht bleiben muss. Zuvor trifft man aber am Sonntag in Dallas auf WM-Gastgeber Brasilien (So., 1.30 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE).

Im Oktober 2009 befand sich Honduras im kollektiven Freudentaumel. Das Volk feierte auf den Straßen und selbst Präsident Roberto Micheletti schien die politische Krise seines Landes für einen kurzen Moment vergessen zu haben, als er verkündete: "Ich danke Gott, weil er uns dieses Glück geschenkt hat."

Grund für den Ausnahmezustand im Karibikstaat war die Nationalmannschaft, welche sich in einem Herzschlagfinale der CONCACAF-Gruppe in sprichwörtlich letzter Minute nach fast 30 Jahren Durststrecke wieder für eine Weltmeisterschaft qualifizierte. Zu Ehren der Garra Catracha, der sogenannten honduranischen Klaue, erließ Micheletti schließlich sogar einen Feiertag und läutete die Festlichkeiten bis in den frühen Morgen ein.

Zweite Qualifikation in Folge

Als sich das Land fast auf den Tag genau vier Jahre später erneut für die WM qualifizierte, fiel die Party bereits deutlich nüchterner aus. Geschuldet war dies wohl auch dem neuen Selbstverständnis des honduranischen Fußballs, welcher sich seit einigen Jahren deutlich im Aufwind befindet.

Relativ souverän sicherte man sich auf dem Weg zur WM 2014 Platz drei in der nord-und mittelamerikanischen Qualifikationsgruppe. Dabei ließen gerade Achtungserfolge gegen Gegner wie die USA, Costa Rica und Mexiko aufhorchen. El Tri schickte man durch ein Unentschieden am letzten Spieltag auf Jamaika sogar in die ungeliebten Playoffs.

Gefährliches Sturmduo

Die unter dem Strich souveräne Qualifikation verdankt Honduras zu weiten Teilen dem starken Sturmduo um Carlo Costly und Jerry Bengtson, das sich für acht der 13 Qualifikationstreffer verantwortlich zeigt. Davon abgesehen stand Honduras in der CONCACAF-Gruppe aber für herzlich wenig Spektakel. Den 13 Buden stehen zwölf 12 Gegentreffern gegenüber.

Dabei besteht vor allem die Hintermannschaft der Honduraner aus international erprobten Leistungsträgern. Die zentrale Defensivachse bilden dabei die England-erprobten Maynor Figueroa und Wilson Palacios, die als die Stars in einer ansonsten recht ausgewogenen Mannschaft durchgehen. In Linksverteidiger Emilio Izaguirre weiß man zudem den besten Spieler der schottischen Premier League aus dem Jahr 2011 in seinen Reihen.

Nationalheld Suarez

Trainer Luis Fernando Suarez lässt sein Team für gewöhnlich in einem 4-4-2-System auflaufen, das er vor allem gegen stärkere Gegner - und damit wohl auch im Sommer in Brasilien - in ein 4-2-3-1 beziehungsweise 4-1-4-1 umwandelt.

Auffällig ist, dass Suarez dann meist Topstürmer Bengtson opfert, um durch einen zusätzlichen Mittelfeldspieler mehr Kompaktheit in die Mannschaft zu bekommen.

Eben diese Maßnahme sorgte bereits für ordentlichen Ärger zwischen Stürmer und Trainer. Suarez kann sich diesen jedoch erlauben, da er auch aufgrund der geglückten Qualifikation unumstritten ist.

Selbst machte der 53-jährige Kolumbianer bereits 2006 in Deutschland auf sich aufmerksam, als er das Nationalteams Ecuadors überraschend ins Achtelfinale führte. Das Denkmal, das man ihm dort setzte, könnte er in Brasilien um eines in Honduras erweitern, sollte der erste WM-Sieg in der Geschichte Honduras' gelingen.

Innenverteidiger Victor Bernardez denkt nach der geglückten Qualifikation noch einen Schritt weiter: "Die WM ist sehr wichtig für uns, das verdanken wir gutem Teamwork. Jetzt aber ist es Zeit darüber nachzudenken, in Brasilien Geschichte zu schreiben und ins Achtelfinale einzuziehen."

Goldenes Zeitalter

Ob das gelingt, bleibt zwar mehr als fraglich, doch Honduras profitiert aktuell zweifelsohne von einer Art goldenen Generation. Die U-17-WM im vergangenen Sommer, bei der man das Viertelfinale erreichte und nur knapp gegen den späteren Drittplatzierten Schweden ausschied, ist neben dem Erfolg der A-Mannschaft nur eines von mehreren Anzeichen dieser Entwicklung.

Auch bei Olympia überraschte Honduras mit dem Einzug ins Viertelfinale, selbst die hochkarätig besetzte spanische Nationalmannschaft um Juan Mata und Javi Martinez wurde aus dem Weg geräumt.

Selecao auf der Hut

Während die Konkurrenz aus Mexiko in diesen Tagen um ihr WM-Ticket zu kämpfen hat, kann sich die honduranische Nationalmannschaft dagegen voller Vorfreude dem Jahreshighlight widmen. Am Sonntag um 1.30 Uhr deutscher Zeit misst man sich mit WM-Gastgeber Brasilien - und ist optimistisch.

Schließlich gab es für die Selecao bereits im letzten Jahr bei Olympia eine unangenehme Auseinandersetzung mit der honduranischen Klaue. Damals geriet Brasilien trotz Überzahl zweimal in Rückstand, ehe Neymar und Damiao doch noch die Blamage abwenden konnten. Das zeigt: Mit Honduras ist zu rechnen!

Die honduranische Nationalmannschaft im Steckbrief

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