Showdown für Kamerun und Eto'o

Von Tim Noller
Mittwoch, 09.10.2013 | 17:57 Uhr
Samuel Eto'o debütierte bereits mit 14 Jahren in Kameruns Nationalmannschaft
© getty
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Nicht nur in Europa finden am Wochenende entscheidende Spiele in der WM-Qualifikation statt. Auch in Afrika geht es um alles. Am Samstag und Sonntag finden die Hinspiele der Playoffs statt. Mit dabei ist auch Kamerun, das im Spiel gegen Tunesien mit dem zurückgekehrten Superstar Samuel Eto'o antreten wird.

Didier Drogba und Samuel Eto'o. Zwei Namen, die im Fußball für die ganz großen Erfolge stehen. Champions-League-Titel, nationale Meisterschaften und unzählige Torjägerkronen. Die Superstars haben mit ihren Vereinen alles gewonnen, was es im Fußball zu gewinnen gibt. Doch den großen Triumphen auf Klubebene stehen bittere Enttäuschungen mit den Nationalteams bei Weltmeisterschaften gegenüber.

Bei der Weltmeisterschaft vor drei Jahren auf dem eigenen Kontinent sollte dann alles anders werden. Doch der enormen Erwartungshaltung bei der WM 2010 in Südafrika hielt von den afrikanischen Mannschaften nur Ghana stand. Die ambitionierten Nationen der Elfenbeinküste und Kameruns scheiterten trotz ihrer Stars bereits in der Vorrunde.

Am Wochenende sind die Nationalhelden mit ihren Teams wieder in der Pflicht. Die Playoff-Hinspiele der afrikanischen WM-Qualifikation stehen auf dem Plan und es warten schwierige Gegner in der K.o.-Runde. Während die Elfenbeinküste mit Drogba den Senegal mit 3:1 besiegte, muss Eto'o mit Kamerun Tunesien bezwingen, um sich den Traum von der WM in Brasilien zu erfüllen.

Triumph mit Winnie Schäfer

Doch der Mythos der "unbezähmbaren Löwen" ist längst Geschichte. Kamerun steckt in einer tiefen Krise, für die der Superstar des FC Chelsea sinnbildlich ist. Seit dem Afrika-Cup-Triumph 2002 unter dem deutschen Trainer Winfried Schäfer geht es stetig bergab mit dem einstigen Aushängeschild des afrikanischen Fußballs. Zehn Trainer in elf Jahren brachten selten Besserung und sind Ausdruck der chaotischen Verhältnisse in Zentralafrika.

Auch als man es 2007 erneut mit einem Deutschen, nämlich Otto Pfister, versuchte, scheiterte Kamerun im Finale des Afrika-Cups 2008 an Ägypten. Für die vergangenen beiden Kontinental-Meisterschaften qualifizierte man sich nicht einmal mehr. Trauriger Höhepunkt war die Niederlage in den Playoffs gegen Kap Verde im September 2012. Nach einer kurzen Amtszeit von Jean-Paul Akono hat der ehemalige Freiburg-Trainer Volker Finke die Mannschaft im Mai 2013 übernommen und soll Kamerun nun gegen Tunesien zur WM führen.

Suspendierung für acht Monate

Unterstützt wird er dabei überaschenderweise doch wieder von Samuel Eto'o. Der Stürmer vom FC Chelsea gab erst im September seinen Rücktritt bekannt, von dem er seit kurzem aber nichts mehr wissen möchte: "Ich werde heute Abend zur Mannschaft in Paris stoßen, schließlich haben wir alle eine Aufgabe zu erfüllen", sagte er am vergangenen Dienstag, nachdem er sich laut Medienberichten am Montag mit dem Sportminister Kameruns getroffen hatte.

Wie kein anderer steht Eto'o für die chaotischen Zustände rund um Kameruns Nationalteam. Der Höhepunkt diverser Konflikte des Stars mit seinem Verband war die Suspendierung im Dezember 2011. Der kamerunische Verband wollte ihn für 15 Spiele sperren, verkürzte die Strafe jedoch nach lauten Protesten im Land auf acht Monate. Selbst Fußball-Legende Roger Milla war damals empört: "Das ist ein Schock und ein Desaster, dass ein Schlüsselspieler wie Eto'o so lange für die Nationalmannschaft gesperrt wird."

Grund für die ungewöhnliche Suspendierung: Eto'o hatte seine Mitspieler zum Boykott eines Spiels gegen Algerien aufgerufen, weil der Verband ausstehende Bonuszahlungen noch nicht ausgeschüttet hatte. Auch damals ließ sich der eigenwillige Stürmer erst nach Gesprächen mit Premierminister Yang und Staatspräsident Biya zum Comeback überreden.

Nationalmannschaftsdebüt mit 14 Jahren

Die Nationalmannschaftskarriere von Samuel Eto'o rechtfertigt allerdings auch eine derartige Sonderbehandlung. Mit 14 Jahren und elf Monaten feierte er sein Debüt für Kamerun. 18 Jahre später bringt es Afrikas Fußballer des Jahres 2003, 2004, 2005 und 2010 in 112 Länderspielen auf 55 Tore.

Auch die größten Erfolge Kameruns werden vermutlich immer mit Eto'o verbunden sein. Sowohl beim Olympiasieg in Sydney 2000, als auch bei den beiden Afrika-Cup-Titeln 2000 und 2002 war er mit herausragenden Leistungen ein Garant für den Erfolg. Auf diese goldene Zeit des kamerunischen Fußballs geht auch der Mythos der "unbezähmbaren Löwen" zurück.

Vom Status der Unbesiegbaren scheint das Team von Volker Finke momentan allerdings weit entfernt. Erst im letzten Gruppenspiel qualifizierte Kamerun sich mit einem 1:0-Sieg gegen Libyen für die Playoffs. Das Team wird neben Samuel Eto'o auch von Alexandre Song vom FC Barcelona angeführt.

Duell der Bundesliga-Profis

Außerdem tummeln sich einige Bundesliga-Legionäre im Team. So durften Joel Matip von Schalke 04 und Eric-Maxim Choupo-Moting von Mainz 05 im wichtigen Spiel gegen Libyen 90 Minuten spielen. Jaques Zoua vom Hamburger SV wurde im Sturm nur eingewechselt. Für das Playoff-Hinspiel am Sonntag hat Volker Finke zudem Mohammadou Idrissou vom 1. FC Kaiserslautern nominiert.

Doch auch Tunesiens Kader ist mit drei Bundesliga-Profis gespickt: Sami Allagui und Änis Ben-Hatira von Hertha sind im Gegensatz zu Karim Haggui vom VfB Stuttgart allerdings nur Ersatzspieler. Der Innenverteidiger der Schwaben ist in Tunesiens Abwehr gesetzt.

Vierte WM-Teilnahme winkt

Bis zu den Playoffs war es für beide Teams ein langer Weg. Kamerun wurde für kurze Zeit sogar von der FIFA von der Qualifikation ausgeschlossen, da sich die Politik zu stark in die Verbandstätigkeiten eingemischt hatte. Tunesien hingegen wurde am grünen Tisch ein 3:0-Sieg gegen Kap Verde zugesprochen, obwohl sie das Spiel 2:0 verloren hatten. Auf ähnliche Weise profitierte Kamerun von einer 3:0-Wertung der 0:2-Niederlage gegen Togo.

Doch all diese Kuriositäten werden am Sonntag um 19 Uhr vergessen sein, wenn das Spiel in Rades (Tunesien) angepfiffen wird. Denn dann wird Samuel Eto'o alles daran setzen, um Kamerun in eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel im November zu schießen. Die Weltmeisterschaft in Brasilien wäre die vierte WM-Teilnahme des Superstars und vermutlich die letzte Chance des 32-Jährigen auf den großen Coup bei einer WM.

Die Playoffs in Afrika im Überblick

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