Vorsprung durch Stresstests

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 21.07.2011 | 14:15 Uhr
Thomas Tuchel trainiert mit Mainz 05 nach dem differentiellen Lern-Ansatz
© Imago
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Um sich auf diese Vielzahl an Bedrohungen anpassen zu können, verfolgen einige deutsche Profiklubs den differenziellen Lehransatz in ihrem Techniktraining. Thomas Tuchel lässt beim FSV Mainz 05 verschiedene Unterarten des klassischen Elf gegen Elf auf ein Großfeld einüben.

Er spielt dabei mit den Parametern Raum und Zeit. Entweder spielen zwei gleich große Gruppen (mit acht, neun, zehn oder elf Spieler) auf einem stark begrenzten Spielfeld (z.B. nur in einer Spielhälfte) mit nur maximal zwei erlaubten Kontakten pro Spieler. Oder aber die angreifende Mannschaft hat für ihren Torabschluss nur einen bestimmten Zeitrahmen zur Verfügung - dann tickt die Uhr wie die Shot Clock beim Basketball.

Arno Michels: "Kein ständiges Wiederholen"

"Differenzielles Lernen versuchen wir mit Spielformen abzubilden. Kein ständiges Einschleifen, kein ständiges Wiederholen, sondern Veränderungen. Es geht darum, immer neue und veränderte Situationen herzustellen. Durch extreme Verengung oder Verbreitung der Räume oder durch das Spielen unter extremem Zeitdruck", erklärt Tuchels Co-Trainer Arno Michels gegenüber SPOX.

"Wir arbeiten auch mit unterschiedlichen Farben, um neue Spielpartner und Gegenspieler zu finden nach Ballverlust. Zum Beispiel mit drei Mannschaften, bei dem sich zwei Mannschaften je nach Spielsituation zusammenfinden. Das Hauptziel ist, möglichst viele Varianten zu bekommen und durch die Verschiedenhaftigkeit der Bewegungsabläufe zu einer verbesserten Technik zu kommen."

Das Ziel der Übungen ist immer gleich: Die Spieler sollen sich trotz Einschränkungen, Regularien oder Restriktionen so schnell wie möglich der jeweiligen Situation anpassen und die bestmögliche Lösungsmöglichkeit finden. Gerne verwenden Fußballlehrer den inflationären Begriff der Automatismen, die sich einspielen müssen.

Borussia Dortmund trainiert im Käfig

Dabei sind jene Automatismen lediglich als ein Grundgerüst zu definieren, an dem sich der Spieler bei einer bestimmten Bewegungs- oder Passfolge orientiert. Denn: Eine identische Spielsituation tritt nahezu unmöglich zweimal auf. Dafür entwickeln 22 Individuen auf dem Platz viel zu viele Reaktionen und Kombinationen, die niemand vorhersagen und kontrollieren kann. Also müssen die kognitiven Abläufe trainiert werden.

Borussia Dortmund leistet sich bald einen neu konzipierten Käfig, um seinen Spielern im individualtechnischen Bereich noch mehr Handlungsschnelligkeit und technische Fertigkeiten anzutrainieren. Der Spieler steht dabei in der Mitte des Käfigs und erwartet einen Ball, der von einer Maschine mit variabler Geschwindigkeit zum Rezipienten gespielt wird.

Die Bande des Käfigs ist rundherum ausgestattet mit insgesamt 18 Quadraten. Während der Spieler das Zuspiel erhält, leuchtet quasi zeitgleich eins der Quadrate auf. Der Spieler muss den Ball nun schnell und sauber verarbeiten und das aufleuchtende Quadrat mit seinem Schuss treffen.

Sammer: "Technik unter Zeitdruck"

"Ein Aspekt unserer Prognoseleistung beim DFB lautet: Technik unter Zeitdruck", erklärt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. "Wir beginnen heute deutlich früher mit einfachen Bewegungsformen und -mustern und mit einstudierten Abläufen, um diese dann wie ein Puzzlestück in Passformen und positionsspezifische Grundformen einzugliedern. Wir nähern uns hierbei komplexen Spielformen an."

Im Profibereich gibt es allerdings zwei "Probleme": Zum einen sind die Spieler hier technisch bereits nahezu vollständig ausgereift. Wirklich Neues ist kaum mehr zu erlernen, letztlich geht es nur noch darum, das vorhandene Können unter Extrem-Bedingungen abzurufen. Wie bei einem Stresstest.

"Auf Bundesliga-Ebene ist eine reine Verbesserung der eigentlichen Technik nur schwer möglich, weil die Spieler schon über eine sehr gute Technik verfügen. Im Grunde sind es Grundanwendungen, die immer wieder abgerufen werden. Eher geht es darum, diese Grundanwendungen in Stresssituationen abzurufen. Da hilft das differenzielle Lernen", sagt Michels.

Zum anderen ist der Gewinn durch das differenzielle Lernen noch nicht endgültig bewiesen. "Die Untersuchungen des Mainzer Professors Schöllhorn umfassen Amateurspieler. Es gibt noch keine Untersuchung, die valide sagen kann, was differenzielles Lernen im Profifußball und für die Technik wirklich bringt."

Seite 1: Differentielles Lernen und Lehren

Seite 3: Übungen zur besseren Ballkontrolle

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