Vorhang auf für die Mini-Champions-League

Von Florian Bogner
Dienstag, 24.01.2012 | 20:30 Uhr
Die A-Jugend des VfL Wolfsburg spielte gegen den FC Liverpool 1:1 und 2:0
© Imago
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Seit Herbst kämpfen der FC Barcelona, Manchester City, Inter Mailand und Co. in einer Nachwuchs-Königsklasse namens "NextGen Series" um den Titel. Als deutscher Vertreter ist der VfL Wolfsburg dabei. Das Medieninteresse hierzulande ist bislang äußerst gering, was dem ambitionierten Wettbewerb kaum gerecht wird. Bis dato ist die Serie nämlich ein voller Erfolg - und lässt Kritiker, die den Ausverkauf des Jugendfußballs befürchteten, verstummen. Borussia Dortmund und der FC Bayern München denken jedenfalls schon über den Einstieg ihrer U-19-Teams nach.

Nach eineinhalb Jahren Wartezeit ging in der VW-Arena das Flutlicht mal wieder für ein internationales Klubfußball-Spiel an - und Felix Magath war mit dabei.

Nachdem der VfL im April 2010 als amtierender deutscher Meister nach engen Matches gegen ManUtd, Villarreal und Fulham in Europa gescheitert war, konnten die Wolfsburger Fußball-Fans am 21. September 2011 wieder ein internationales Heimspiel als deutscher Titelträger genießen.

Der Gegner: kein geringerer als der FC Liverpool. Der VfL schlug sich ausgesprochen gut, siegte am Ende gar verdient mit 2:0. Magath nahm's auf der Tribüne zufrieden zur Kenntnis.

Creme de la Creme dabei

Dumm nur, dass das Spiel in Deutschland medial nahezu unbeachtet über die Bühne ging. Warum kaum einer Notiz davon nahm? Nicht die Profis des VfL und der Reds liefen an diesem Septemberabend auf, sondern die U-19-Teams beider Klubs - und das auch noch in einem völlig neuen Wettbewerb, ohne Segen der UEFA.

Seit dem Herbst kämpfen 16 A-Jugend-Mannschaften aus ganz Europa in einer Art Mini-Champions-League um den ersten Titel der sogenannten "NextGen Series", die aus einer Idee des ehemaligen Academy-Managers des FC Watford, Mark Warburton, entstanden ist, und in der Debüt-Saison auch ohne Gütesiegel der UEFA mit beachtlich professionellen Strukturen daher kommt.

Das Aufgebot ist durchaus bemerkenswert: Die Jungstars des FC Barcelona mischen mit, Manchester City ist genauso dabei wie Inter Mailand oder die im Nachwuchsbereich hoch angesehenen Ajax Amsterdam und Sporting Lissabon.

VfL: Kontakt über McClaren

Dass dafür im ersten Schritt keine Qualifikation über nationale Wettbewerbe vonnöten war, ist nachvollziehbar. Teams wurden gezielt angesprochen und ausgewählt, in Deutschland fiel die Wahl nicht zufällig auf den deutschen Meister Wolfsburg.

Wolfsburgs Meistercoach im Interview: "Vom Anfield-Rasen hätte man frühstücken können"

Der erste Kontakt kam dabei über einen Magath-Vorgänger zustande. Steve McClaren kennt Mitglieder des Managements der Serie persönlich und schlug Gründer Warburton vor, sich mal beim VfL umzusehen.

"Sie haben sich Spiele von uns angeschaut und sind nach einem Treffen mit uns zu dem Schluss gekommen, dass wir Deutschland in dem Turnier sehr gut vertreten würden", sagt Wolfsburgs Meistertrainer Stephan Schmidt im Interview mit SPOX.

Aus Warburtons fixer Idee wird Realität

Am Anfang war NextGen nur eine Idee, einst am Rande eines Freundschaftsspiels zwischen Ajax und ManCity geboren. Frank McParland, Chef der Liverpooler Nachwuchsakademie, erinnert sich noch genau an das Tribünen-Gespräch mit Mark Warburton.

"Mark und ich hatten schon mal darüber philosophiert, wie man den Jugendfußball verbessern und weiter voran bringen könnte. Wir haben mit Ideen um uns geworfen und uns gesagt, wie fantastisch es wäre, die besten Jugendteams Englands gegen die besten Teams des Festlands antreten zu lassen", sagt McParland. "Jetzt hat Mark NextGen aus dem Boden gestampft und alles ist Realität geworden."

Warburtons Denkansatz ist dabei ganz einfach: Aus der großen Masse von Jugendspielern der Top-Vereine schafft es normalerweise nur ein Bruchteil direkt in den Profikader. "Wenn man mal von wenigen Ausnahmen absieht, sind viele vielversprechende Talente in der Vergangenheit nicht genügend gefördert worden, weil sie sich nicht auf konstant hohem Niveau beweisen konnten", so Warburtons Analyse der bisherigen Verhältnisse.

Überfordert das Pensum die Nachwuchsspieler?

Der Brite hatte vor allem den Eindruck, dass 18- und 19-jährige Fußballer eine andere Herausforderung brauchen, um es in die erste Mannschaft zu schaffen. Deswegen gründete Warburton die NextGen Series - und erntete prompt Kritik von der konservativen Front.

Durch die Auswärtsreisen quer durch Europa würde man Jugendspieler - einige von ihnen sind ja noch Schüler - überfordern, so das Echo der Kritiker. Außerdem würde man dem Transferwahn im Jugendbereich durch das zur Schau stellen der Talente weiter Tür und Tor öffnen, argumentierten manche.

Bedenken, die man in Wolfsburg nach den Erfahrungen der ersten Spielzeit nicht mehr teilt. "Unsere Jungs erhalten eigens ein spezielles Hausaufgaben-Kontingent, das sie zu bewältigen haben", sagt der Leiter des VfL-Nachwuchszentrums, Fabian Wohlgemuth, über das machbare Schulpensum.

Wolfsburgs Nachwuchschef: "Keiner lässt die Schule schleifen"

"Unser Trainer Stephan Schmidt legt größten Wert auch auf die Ausbildung außerhalb des Platzes. Deshalb bin ich mir sicher: Keiner lässt die Schule schleifen."

Das Pensum ist mit drei Auswärtsspielen in der Vorrunde und im schlechtesten Fall einer Viertel-, Halb- und Finalpartie auf fremdem Terrain überschaubar, auch wenn die VfL-A-Jugend dadurch auf stattliche 37 Saison-Pflichtspiele kommt.

Auch die Angst vor dem Ausverkauf hält man beim VfL für unbegründet. "Wir haben ja jetzt schon bei jedem Bundesliga-Heimspiel zahlreiche Scouts auf der Tribüne sitzen. Die werden bestimmt nicht wegen drei weiteren Spielen ihre Meinung über die Spieler ändern", sagt A-Jugend-Coach Schmidt.

Vieira und Solskjaer befürworten die NextGen Series

Ein weiteres Gegenargument der Pro-NextGen-Fraktion: Internationale Erfahrungen zu sammeln war vorher allein Junioren-Nationalspielern vorbehalten - dem Rest blieben nur Freundschaftsspiele. Dem ehemaligen Premier-League-Star Patrick Vieira ging es einst genau so.

"Zu meiner Zeit war es sehr schwierig, gegen eine Mannschaft aus einem anderen Land zu spielen, weil es kein solches Turnier gab", sagt der ehemalige Mittelfeldspieler, der mittlerweile in ManCitys Nachwuchsbereich als "Football Development Executive" angestellt ist, und die NextGen Series deshalb genau verfolgt: "Jetzt ist das anders und die Spieler werden davon profitieren."

Eine Ansicht, die auch der ehemalige ManUtd-Star Ole Gunnar Solskjaer teilt. "Es ist ein fantastischer Wettbewerb für uns", sagt der Trainer von Molde FK, das ebenfalls in der NextGen Series mitmischt: "Es gibt unseren Spielern eine guten Bezugspunkt, auf welches Level sie kommen müssen, wenn sie in ihrer Karriere was erreichen wollen."

Auch Liverpools Nachwuchschef Parland ist sich sicher: "Davon können die jungen Spieler nur profitieren."

Seite 2: Nächste Saison mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern?

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