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Weltmeister Kohler U-19-Trainer des Bonner SC

SID
Jürgen Kohler ist neuer U-19-Trainer des Bonner SC
© Getty

Eigentlich sieht der neue Job wie ein sportlicher Abstieg aus, doch das will Jürgen Kohler (46) nicht hören. "Für mich ist das eine tolle Geschichte und macht Spaß", sagt der Weltmeister von 1990 zu seinem Einstieg als Trainer bei den U-19-Junioren des Bonner SC.

"Ich arbeite gerne mit jungen Talenten. Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, dass die Jungs ohne einen Cent Aufwandsentschädigung unbedingt in den Profibereich wollen."

Am Donnerstag wird Kohler, der 105-fache Nationalspieler, das erste Mal in Bonn auf dem Platz stehen und das Training des Teams leiten, das in der Bundesliga West dieser Altersklasse antritt. "Für mich geht's nicht nur darum zu gewinnen", sagte der ehemalige U-21-Trainer des DFB, "sondern auch darum, Werte zu vermitteln."

Und das ist Kohler, dem einstigen Weltklasse-Verteidiger, heute mehr wert als Millionen-Gagen. "Wenn wir Teambuilding-Maßnahmen machen, dann ist mir klar, dass ich das aus meiner eigenen Tasche zahlen muss."

Einen Vorteil hat der Job. Das neue Betätigungsfeld ist nur zehn Kilometer vom Wohnort Vettelhoven entfernt, wo der gebürtige Kurpfälzer seit Jahren lebt. "Das liegt vor der Haustür", sagt er, "besser geht's nicht. Die Bundesliga passt derzeit einfach nicht in meine Lebensplanung."

Rutemöller vermittelte die neue Trainer-Stelle

Bis zum 30. Juni 2012 hat Kohler, der nebenbei als Firmenrepräsentant für Imtech und Co-Kommentator für "Liga Total" arbeitet, vorerst beim Bonner SC zugesagt. Eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen. Dass der prominente Ex-Kicker überhaupt beim einstigen Pleite-Klub gelandet ist, dafür war nicht zuletzt Erich Rutemöller verantwortlich.

"Ohne Erich wäre das sicher nicht zustande gekommen", sagt Kohler. Der ehemalige Leiter der deutschen Trainer-Ausbildung sitzt heute im Aufsichtsrat des Bonner Klubs - und hat seinem ehemaligen Zögling den Wechsel in den Nachwuchsbereich schmackhaft gemacht.

Vor über 20 Jahren wurde Kohler nach dem 1:0-Triumph über Argentinien in der Nacht von Rom gefeiert, heute bleibt ihm nur noch eine Nebenrolle. Kohler, der den Job als U-21-Trainer des DFB hinwarf, um Sportdirektor in Leverkusen zu werden, und später als Trainer beinahe beim VfB Stuttgart gelandet wäre, ist kein Einzelfall.

Nur die wenigsten der Weltmeister von 1990 sind auch nach ihrer Karriere im Scheinwerferlicht geblieben: Rudi Völler (51) als Sportdirektor von Bayer Leverkusen, Bundestorwarttrainer Andreas Köpke (49) - und neuerdings auch wieder Jürgen Klinsmann. Der 47-Jährige, der beim FC Bayern gescheitert war, betreut seit kurzem die US-Auswahl.

Weltmeister warten auf Job-Angebote

Doch viele warten auf einen Job, allen voran Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus (50). Die Vereine scheuen offenbar das Risiko, mit ihm zu arbeiten.

Dabei hätte der ehemalige Mittelfeldstar des FC Bayern, der zuletzt die bulgarische Nationalmannschaft betreute und mit ihr in der EM-Qualifikation gescheitert war, längst eine Chance in der Bundesliga verdient - findet zumindest Kohler: "Auf der einen Seite schreien die Leute nach Typen wie Basler, Effenberg oder Matthäus", sagt Kohler, "aber eine Chance gibt man einem wie Lothar nicht. Das beißt sich doch."

Natürlich habe Matthäus Fehler, sagt Kohler, "aber wer hat die nicht gemacht? Nur weil Lothar ehrlich ist und nicht zu allem Ja und Amen sagt, wird ihm das als Minuspunkt angelastet. Die Vereine sollen mal über ihren Schatten springen bei Lothar. Ich glaube, dass Matthäus ein sehr guter Trainer ist."

Charakterkopf Kohler - auch er selbst würde gerne irgendwann wieder in der Bundesliga arbeiten. Aber nicht um jeden Preis: "Ich bin zwar ein Kind der Bundesliga, aber ich werde keinem Manager hinterherlaufen, nur dass ich wieder arbeiten darf. Ich klage nicht, aber ich werde mich von keinem verbiegen lassen. Meine Ecken und Kanten werde ich immer behalten - aber ich weiß, dass das in der Bundesliga momentan nicht gefragt ist."

Jürgen Kohler im Steckbrief

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