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Takefusa Kubo: Von Barcas Auserwähltem zu Reals Lichtblick

Erst bei Barca, jetzt bei Real: Takefusa Kuba.

Als Zehnjähriger war Takefusa Kubo noch dazu bestimmt, eines Tages die Post-Messi-Ära beim FC Barcelona einzuläuten. Acht Jahre später ist der japanische Hochbegabte auf dem besten Wege, zum neuen Hoffnungsträger von Real Madrid zu avancieren - wenn Trainer Zinedine Zidane ihn lässt.

Nicht Eden Hazard, nicht Luka Jovic, nicht Ferland Mendy: Wenn ein Neuzugang von Real Madrid dieser Tage positiv von sich reden macht, dann keiner der teuren Stars, für die der spanische Rekordmeister an die 200 Millionen Euro ausgab.

Takefusa Kubo, ein 18-jähriger Japanar, ablösefrei vom FC Tokyo gekommen, zieht die Blicke auf sich. Und das ist eigentlich noch untertrieben. Um den Teenager ist ein regelrechter Hype entstanden. Bei der USA-Reise begleiteten mehr japanische als spanische Journalisten die Königlichen, auf jeder Pressekonferenz mit Trainer Zinedine Zidane wurde Kubo in den vergangenen Wochen zum Gesprächsthema. Gründe für die "Kubomania", wie die nicht selten zur Übertreibung neigende Marca sie stilecht nennt, gibt es so einige.

Allen voran wären da natürlich die sportlichen. Was der Junge mit der Captain-Tsubasa-Gedächtnisfrisur mit dem Ball anstellt, hat in Zeiten von lustlos und ausgelaugt daherkommenden Real-Millionären etwas Erfrischendes. Der 1,73 Meter große Linksfuß zeichnet sich durch schnelle und trickreiche Bewegungen aus, das Social-Media-Team der Königlichen kam zuletzt gar nicht mehr hinterher, Videoschnipsel von Trainingsspielchen zu veröffentlichen, in denen der Shootingstar seine Kollegen frech austanzte.

Auch in den bisherigen Testspielen, speziell in den beiden gegen Tottenham Hotspur und Fenerbahce Istanbul im Rahmen des Münchner Audi Cups, zeigte er als Joker auf der rechten Außenbahn starke Ansätze, die die tristen Kollektivauftritte der Zidane-Elf ein wenig erträglicher für die Anhänger der Blancos gestalteten.

Takefusa Kubo: Nicht nur am Ball talentiert

Parallel hinterließ Kubo in seinen ersten Wochen bei Real den Eindruck eines aufgeweckten, intelligenten und demütigen Jungen, der nicht nur auf dem Rasen dazulernen will. Kürzlich ging ein Video viral, in dem er vor einem Training in perfektem Castellano auf die Fragen eines klubeigenen Reporters antwortete. "Der Kerl spricht besser Spanisch als die meisten von uns Spaniern", meinte Abwehrspieler Nacho Fernandez daraufhin lachend.

Kubos Sprachgewandtheit lässt sich nicht nur mit vielen Übungsstunden erklären, sondern auch mit der Tatsache, dass er zwischen 2011 und 2015 bereits auf der iberischen Halbinsel lebte. In Barcelona. Ausgerechnet in Barcelona. Denn er spielte damals in "La Masia", der famosen Nachwuchsakademie von Reals großem Erzrivalen Barca, der ihn 2009 in einem Jugendcamp entdeckt hatte, und schickte sich mit herausragenden Leistungen an, zu einem der Stars von morgen zu avancieren.

Allerdings widersetzte sich der Klub mit Kubos Verpflichtung den Regularien des Weltverbandes FIFA, der die Registrierung von minderjährigen Spielern aus dem nicht angrenzenden Ausland verbietet, und musste den Hochbegabten mit 14 widerwillig zurück nach Japan schicken. Die Folge war eine einjährige Transfersperre, doch in Barcelona waren sie sich schon damals grundsätzlich einig, den "verlorenen Sohn" eines Tages wieder zurück zu holen.

Der Rivale aus Madrid war jedoch schneller, bemühte sich lange vor Kubos 18. Geburtstag am 4. Juni diesen Jahres um einen Transfer, während der mittlerweile entlassene Barca-Sportchef Pep Segura angeblich erst Kontakt aufnahm, als es schon zu spät war.

Takefusa Kubo: "Real Madrid ist der beste Klub der Welt"

"Ich bin sehr stolz, hier zu sein", sagte Kubo nach seiner Ankunft in der spanischen Hauptstadt und goss mit den Worten, der 13-malige Champions-League-Sieger sei "der beste Klub der Welt", zusätzlich Öl ins Feuer. "Wir waren uns sicher, dass wir ihn eines Tages in der ersten Mannschaft im Camp Nou sehen. Er war der Auserwählte. Ihn nicht wieder bekommen zu haben, ist der größte Fehler von Barca in den vergangenen Jahren", zitierte die Madrider Sportzeitung AS Mitte Juli einen namentlich nicht genannten Jugendtrainer der Katalanen.

Sogar der mittlerweile in Japan spielende Ex-Barca-Star Andres Iniesta drückte sein Bedauern über Kubos Wechsel zu Real aus. "Er hat eine große Zukunft vor sich", so der 35-Jährige von Vissel Kobe über den Rohdiamanten, der sein Profidebüt in der J1-League bereits mit 15 gab und mittlerweile schon vier Länderspiele für die "Samurai Blues" auf seinem Konto hat.

In Madrid hüten sie sich allerdings davor, den Hype um den Rohdiamanten zu fördern. Zidane kündigte nach dem Audi Cup an, "behutsam" mit Kubo umgehen zu wollen. In anderen Worten: Er wird vorerst in die zweite Mannschaft verfrachtet, die in der dritten spanischen Liga spielt.

Der Trainer der Castilla hört seit diesem Sommer übrigens auf den Namen Raul Gonzalez Blanco. "Er wird sicher mit uns trainieren", versprach Zidane, bezeichnete Kubo aber auch als "Spieler für die Zukunft", der noch "viel" lernen müsse. Angesichts der aktuell eher schwachen Leistungen seiner Offensivspieler und der schweren Knieverletzung von Marco Asensio könnte er Barcas einstigen Auserwählten womöglich eher gebrauchen als geplant.

Takefusa Kubo im Steckbrief

geboren4. Juni 2001 in Kawasaki, Japan
Größe1,73 m
Gewicht67 kg
Positionoffensives Mittelfeld/hängende Spitze/rechtes Mittelfeld
starker Fußlinks
JugendstationenFC Persimmon, Kawasaki Frontale, FC Barcelona, FC Tokyo
ProfistationenFC Tokyo, Yokohama F. Marinos, Real Madrid
Profispiele/-Tore40/7
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