Yerry Mina nach starker WM zurück beim FC Barcelona: Waffe mit Ladehemmung

Von Julius Lutz
Freitag, 27.07.2018 | 15:13 Uhr
© getty

Yerry Mina steht nach seiner starken WM mit der kolumbianischen Nationalmannschaft vor einer entscheidenden Spielzeit beim FC Barcelona. Die Konkurrenz ist groß und der Druck riesig, doch mit WM-Aufwind im Rücken möchte er sich beweisen.

Sonntag, Kazan, 20.40 Uhr: James Rodriguez flankt lässig, aber technisch perfekt in den Strafraum, Yerry Mina läuft sich frei und steigt unwiderstehlich in die Höhe. Er trifft den Ball ideal und überwindet Polens Keeper Wojciech Szczesny. Es sollte das erste von drei Toren des 23-Jährigen bei der WM in Russland sein.

"Mina ist der beste kolumbianische Spieler, wir lieben ihn! Ohne Frage ist er eine der größten Überraschungen dieser WM, keiner hat mit ihm gerechnet" - die ganze Nation war außer sich. In Kolumbien ging Minas Stern längst auf. Seit der WM strahlt er so hell wie nie.

Geboren wurde Mina 1994 in Guachene, einem kleinen Dorf im Süden Kolumbiens. Bereits mit fünf Jahren sammelte er im örtlichen Fußballverein erste Erfahrungen am Ball und startete seine Karriere als Torwart - bei einer Körpergröße von 1,94 Metern naheliegend. Weil er aber in seinem ersten Spiel sofort eine derbe Klatsche kassierte, überlegte es sich der Bub doch noch einmal anders und wechselte auf die Innenverteidiger-Position.

Die Liebe zum Fußball hatte ihn da längst gepackt, er trainierte jeden Tag, jede Minute. Angebote von Basketball-Trainern lehnte er allesamt ab, in seinem Kopf war nur dieses eine Spiel, das 90 Minuten geht. "Wer Weihnachten freiwillig trainiert, der meint es ernst", meint sein Jugendtrainer Aponza.

Mina durchlief zahlreiche kolumbianische Klubs, bis er 2016 für eine Ablöse von 3,2 Millionen Euro nach Brasilien zu Palmeiras Sao Paulo wechselte. Dort gewann er als Stammspieler in seiner zweiten Saison gemeinsam mit Gabriel Jesus (jetzt bei Manchester City) und Ze Roberto (ehemaliger Spieler des FC Bayern München) die brasilianische Meisterschaft.

Yerry Mina in Kolumbien: Und plötzlich klopft der FC Barcelona an

Der Abwehrriese spielte nicht nur gut, sondern sich sogar in den Fokus des FC Barcelona. Auch der BVB soll interessiert gewesen sein. "Jeden Tag wache ich auf und denke, dass ich starke Leistungen bringen muss, weil ich weiß, dass Barca auf mich achtet", sagte Mina damals. Mina lieferte: Ihm gelang der Durchbruch und die Katalanen sicherten sich im Winter 2018 die Dienste des Kolumbianers - für stolze 11,8 Millionen Euro.

"Ich will hier Geschichte schreiben und alle überzeugen", proklamierte Mina. Einer der ganz Großen werden - ein Wunsch, den er zumindest körperlich schon erreicht hat, gemeinsam mit Zlatan Ibrahimovic ist er der größte Spieler der Klubgeschichte. Sportlich fehlen Mina zum Status eines Ibrahimovic aber freilich noch etliche Prozentpunkte.

Yerry Mina bei Barca: Ein Traumstart sieht anders aus

Schließlich hatte der Kolumbianer nicht zuletzt mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen. "Es ist ein bisschen schwierig, aber der Start ist nie einfach. Ich arbeite hart, um mich so schnell wie möglich anzupassen." Allzu viele Chancen bekam Mina dafür nicht. Insgesamt kam er in seiner ersten Halb-Saison auf lediglich fünf Ligaeinsätze.

Nach der ersten Saisonniederlage, einem 4:5 gegen UD Levante, wurde der Kolumbianer gar in der Öffentlichkeit auseinanergepflückt. "Yerry Mina war eindeutig verantwortlich für die demütigende und peinliche Niederlage. Er beging zu viele unnötige Fouls, ihm fehlte Disziplin in der Verteidigung und er zeigte keine Leidenschaft oder Lust, für den Verein zu spielen" - die Stimme eines Barca-Fans.

So kam Mina nicht über 370 Spielminuten hinaus. Eine bärenstarke Rückrunde von Konkurrent Samuel Umtiti heizte zahlreiche Wechselgerüchte nach nur einem Jahr in Barcelona zusätzlich an. Mina blieb jedoch trotz aller Kritik selbstsicher: "Ich bin glücklich hier und es ist mir bisher noch nicht in den Sinn gekommen, Barcelona zu verlassen."

WM 2018 als Wendepunkt seiner Karriere?

Schließlich besitzt der 23-Jährige eigentlich alle Vorzüge, die ein Innenverteidiger haben muss. Diese Stärken weiß Jose Pekerman, der Coach der kolumbianischen Nationalelf, zu schätzen. Mina war ab dem zweiten WM-Gruppenspiel gesetzt. "Er soll nach Hause gehen, haben sie ihm gesagt und Schlechtes gewünscht. Natürlich hat ihm das zu schaffen gemacht", sagte Trainer Pekerman, "aber hier bei der Nationalmannschaft hat er sich wieder erholt".

Dieser Punkt könnte zur Wende in Minas Karriere werden. Durch seine enorme Lufthoheit, seine Schnelligkeit und seine herausragende physische Verfassung ist er bei Standards im gegnerischem Strafraum eine echte Waffe. Und die Waffe trifft - drei Tore in drei WM-Einsätzen, als Innenverteidiger wohlgemerkt. Sein Marktwert schoss folglich auch nach oben, auf mindestens 20 Millionen Euro.

Mina könnte ein Mann für die Zukunft des FC Barcelonas sein und den 31-jährigen Gerard Pique langfristig ersetzen. Allerdings: Barca gab jüngst die Verpflichtung des 23-jährigen Innenverteidigers Clement Lenglet für knapp 36 Millionen Euro bekannt, der Mina nicht weniger Konkurrenz machen dürfte. Außerdem bietet der FC Everton hartnäckig für die Dienste des Youngsters, ein Verbleib in Barcelona ist also trotz aller guten Voraussetzungen keineswegs gewiss.

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