Sonntag, 23.12.2012

Casillas' Degradierung im Spitzenspiel

Machtkampf in der Krisenzeit

Normalerweise hätten die Madrider Gazzetten nach der vierten Saisonniederlage von Real Madrid und den 16 Punkten Rückstand auf Erzfeind Barcelona genug zu schreiben. Die sportliche Situation der Königlichen ist nach der Degradierung von Iker Casillas bei der Niederlage gegen Malaga aber nur noch Nebensache. Das Verhalten von Jose Mourinho wirft dagegen Fragen auf.

Iker Casillas (M.) saß seit Mai 2008 das erste Mal wieder auf der Ersatzbank
© Getty
Iker Casillas (M.) saß seit Mai 2008 das erste Mal wieder auf der Ersatzbank

Es gibt sogar Dinge, die sich Jose Mourinho nicht erlauben kann, die man sogar "The Special One" eigentlich nicht zutraut. Die Degradierung von Reals Ikone und Star-Torwart Iker Casillas im Spitzenspiel beim FC Malaga war genau so eine Entscheidung. Jenen Keeper auf die Bank zu verbannen, der seit über zehn Jahren die unangefochtene Nummer eins im Tor von Real, vierfacher Welttorhüter, Welt- und Europameister und das Gesicht der aktuellen Mannschaft ist, ist am Tag nach der Niederlage der Königlichen das gefühlt einzige Thema der spanischen Sportpresse.

"Das ist eine Kampfansage in Richtung des Vereins und einer lebenden Legende des Klubs", meldete sich Ex-Madrilene Guti fassungslos zu Wort, die spanische "Marca" schrieb von einem "Schlag von beispielloser Autorität".

Mit der Begründung für seine Entscheidung machte der portugiesische Star-Trainer den Wechsel endgültig zur Majestätsbeleidigung. Seiner Meinung nach sei momentan Ersatzkeeper "Adan besser als Iker", es habe sich lediglich um eine "spieltaktische Entscheidung" gehandelt: "Ich habe die Situation analysiert und das Team ausgewählt. Sie können erfinden, was Sie wollen, aber die Entscheidung ist rein taktischer Natur."

Wechsel disziplinarische Maßnahme?

Doch das scheint nur die offizielle Version zu sein, intern gibt es bei den Königlichen schon länger Spannungen. Vor allem Mourinho und sein Keeper haben keine gute Beziehung, Casillas soll einer von drei Spielern gewesen sein, die Vereinsinterna an die Presse ausgeplaudert haben. Dass die Versetzung auf die Ersatzbank also disziplinarisch motiviert war, glauben nicht nur 87 Prozent der fast 45.000 Leute, die sich an einer Umfrage der "AS" beteiligt haben.

Es stellt sich also die Frage, warum Mourinho diesen Machtkampf gerade jetzt angezettelt hat, wo Real so schlecht wie noch nie unter der Leitung des 49-Jährigen dasteht. Und warum er sich dafür mit Iker Casillas einen Mann ausgesucht hat, der bei Fans und Verantwortlichen so viel Respekt und Rückhalt genießt, dass Mourinho dieses Machtspiel eigentlich nur verlieren kann.

Konflikte auch mit Ramos

Zumal der Konflikt mit dem spanischen Nationalkeeper nicht der Einzige ist. Neben Reibereien mit Präsident Florentino Perez ist der Portugiese auch bei den Spielern nicht uneingeschränkt beliebt. Das neben Casillas zweite Madrider Urgestein Sergio Ramos gilt ebenfalls als Mourinho-Gegner. Nach den verbalen Attacken des Trainers gegen Mesut Özil zum Beispiel trug der Verteidiger das Trikot des Deutschen unter seinem. Ein klares Statement gegen den Coach.

Neue Gerüchte um einen Abschied aus Madrid sind jetzt unvermeidbar. Und das, obwohl Mourinho erst vor wenigen Wochen versicherte, dass seine Arbeit in Spaniens Hauptstadt noch lange nicht beendet sei, nachdem er unter anderem mit Paris St. Germain, Anschi Machatschkala und der portugiesischen Nationalelf in Verbindung gebracht wurde.

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"Habe nicht vor zurückzutreten"

Es wurden Stimmen laut, dass der Portugiese mit der Aktion gegen Casillas seinen Rauswurf bei den Königlichen provozieren wolle, das dementierte der Star-Coach allerdings umgehend: "Ich habe nicht vor zurückzutreten und keine Angst um meinen Job", sagte er nach der Niederlage gegen Malaga.

Ein anderes Szenario scheint für Mous Maßnahme - neben den disziplinarischen Aspekten - wahrscheinlicher. Sollte in Zukunft ein verlockendes Angebot eines anderen Klubs oder Verbands kommen, das der Portugiese annehmen möchte, würde man ihm nach so unpopulären Entscheidungen zumindest keine Steine in den Weg legen.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Bis Mourinho die Königlichen verlässt, wird es, ob es den verärgerten Fans und Spielern passt oder nicht, wohl noch etwas dauern. Es wird interessant, wie sich die Situation in Madrid weiterentwickelt, schließlich ist die sportliche Lage schon schlimm genug.

Die Meisterschaft hat der Coach bereits abgeschrieben: "Wir haben einen Rückstand, den wir nicht mehr aufholen können." Sogar der Rückstand auf Platz zwei beträgt bereits sieben Punkte, während Malaga auf zwei Zähler an die Madrilenen herangerückt ist. Und das letzte, was das gebeutelte Team jetzt eigentlich braucht, sind Nebenkriegsschauplätze und mannschaftsinterne Spannungen.

Real Madrid in der Übersicht

Real Madrid - Porträt in Bildern
Santiago Bernabeu: Das Stadion von Real Madrid wurde 1947 eröffnet und fasst nach seiner Modernisierung 2005 80.354 Zuschauer
© Getty
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In der Saison 2008/2009 besuchten im Schnitt 71.523 Zuschauer das Santiago Bernabeu - kein anderes Stadion war in Spanien besser besucht
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In der Saison 2008/2009 besuchten im Schnitt 71.523 Zuschauer das Santiago Bernabeu - kein anderes Stadion war in Spanien besser besucht
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Die Real-Fans durften seit der Vereinsgründung 1902 bereits 32 nationale Meisterschaften und unzählige Weltstars feiern
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Eines der aktuellen Idole: Iker Casillas steht in der Hauptstadt seit 1999 zwischen den Pfosten und kommt aus der eigenen Jugend
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Eines der aktuellen Idole: Iker Casillas steht in der Hauptstadt seit 1999 zwischen den Pfosten und kommt aus der eigenen Jugend
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Zur Saison 2009 wurde mächtig eingekauft: Einer der neuen Stars ist der Brasilianer Kaka. Er kostete die Madrilenen rund 65 Millionen Euro
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Cristiano Ronaldo kam von Manchester United und wurde damit der bisher teuerste Spieler aller Zeiten. Sein Preis: 94 Millionen Euro
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Direktor für Beziehungen zu den Institutionen ist seit 2009 Ex-Profi Emilio Butragueno (r.). Von 1983-1994 war El Butre Stürmer der Königlichen
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Florentino Perez (M.) machte die Transfers möglich. Seit Juni 2009 ist er wieder Präsident des Vereins
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Erfolg ist Programm: Neun Mal konnte der Verein den Landesmeister-Cup gewinnen und ist damit der erfolgreichste Klub in ganz Europa
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Bernd Schuster war von 1988-1990 Spieler von Real. 2007 kam er als Cheftrainer zurück - ein Jahr später musste er seinen Posten jedoch schon wieder räumen...
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...obwohl er in seiner ersten Trainersaison mit den Königlichen den Meistertitel in die Stadt holte
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Eine lebende Legende: Der Argentinier Alfredo Di Stefano (M.) schoss zwischen 1953 und 1964 für die Königlichen 216 Tore in 282 Spielen
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Viele Jahre später war er einer der Stars: Der dreifache Weltfußballer Ronaldo (2.v.l.) wechselte 2002 von Inter Mailand nach Madrid...
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...auch der Portugiese Luis Figo war bis 2005 ein Teil des weißen Balletts. Vor seiner Zeit in Madrid war er beim Erzrivalen FC Barcelona aktiv
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Er war nicht nur im Champions-League-Finale 2002 der zentrale Mann im Spiel der Madrilenen: Der Franzose Zindedine Zidane (r.)...
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...am Ende siegten Zidane und Co. mit 2:1 über Bayer Leverkusen und sicherten sich damit den neunten Titel
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Bereits zwei Jahre zuvor war Real-Urgestein Raul (r. mit Fernando Morientes) in der Champions League erfolgreich. Real bezwang 2000 den FC Valencia mit 3:0
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Einige Jahre zuvor, 1986: Die Königlichen gewinnen die UEFA-Cup-Endspiele gegen den 1. FC Köln
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Santillana war in dieser Zeit ein großer Spieler in der spanischen Hauptstadt. Er trat insgesamt 461 Mal für Real in der Primera Division an (186 Tore)
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Der Montenegriner Predrag Mijatovic (r.) ging von 1996-1999 auf Torejagd. Zehn Jahre später war er als Sportdirektor tätig, wurde dann jedoch 2009 entlassen
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Real Madrid ist nie aus der spanischen Primera Division abgestiegen. Das gelang sonst nur noch Athletic Bilbao und dem FC Barcelona
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David Kreisl

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