Andre-Pierre Gignac im Porträt

Kein Big Mac mehr für Gignac

Von Adrian Fink
Donnerstag, 13.11.2014 | 19:19 Uhr
Gignac hatte in dieser Saison bereits mehrfach Grund zum Jubeln
© getty
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Vor zwei Jahren wurde er von PSG-Anhängern wegen seines Gewichts verspottet, jetzt schießt Andre-Pierre Gignac Olympique Marseille an die Spitze der Ligue 1. Dazwischen: Viel Zoff mit dem Coach und eine dienstlich angeordnete Diät.

"Un Big Mac pour Gignac" tönt es im Prinzenpark. Die ganze Kurve singt mit. Auf dem Platz beackern sich die Spieler von PSG und Olympique Marseille - auf den Rängen feiern die Fans ihre Kreativität. Es ist einer dieser Gesänge, der Außenstehende schmunzeln lässt. Unter den Protagonisten auf dem Rasen befindet sich OM-Angreifer Andre-Pierre Gignac, dem die Zeilen gewidmet sind. Zwei Jahre ist es nun her, dass die Anhänger der Pariser den spöttischen Gesang in Anlehnung an Gignacs bullige Figur zum Besten gaben.

Gignac hatte in seiner Karriere mehrmals mit dem Gewicht zu kämpfen. Heute verteilt der Franzose auf seine 1,86 Meter überschaubare 84 Kilo, doch das war nicht immer so. "Vor vier oder fünf Jahren habe ich mir, nachdem wir als Mannschaft am Flughafen angekommen sind, erstmal einen Döner oder was von McDonald's geholt. Heute habe ich gelernt, damit gewissenhafter umzugehen", gab Gignac letztes Jahr in einem Interview zu.

2011 gab es im wahrsten Sine des Wortes gewichtige Probleme mit dem Angreifer. Sein damaliger Trainer Didier Deschamps sah sich sogar gezwungen, Gignac in ein Abnehm-Camp nach Norditalien zu schicken. Das ohnehin angespannte Verhältnis der beiden verbesserte diese Maßnahme selbstredend nicht.

Der Mittelstürmer bekam nicht immer die erwünschten Einsatzminuten zugesprochen und beschwerte sich nach einem Champions-League-Spiel über den späten Zeitpunkt seiner Einwechslung. Als ihn Deschamps beim nächsten Training zur Aussprache bat, verweigerte Gignac das Gespräch. Der Verein reagierte umgehend und verbannte den Stürmer in die Reserve.

Zwangsdiät mit Erfolg

Von seiner unsportlichen Figur, die ihm den Aufenthalt in Norditalien einbrockte, ist der 28-Jährige mittlerweile meilenweit entfernt. Der Stürmer spielte sich zu Beginn der laufenden Saison geradezu in einen Rausch, nachdem seine erfolgreichste Saison schon länger zurücklag. 2008/09 wurde er mit 24 Toren Torschützenkönig und obendrein zum besten Feldspieler der Saison gewählt. In der aktuellen Spielzeit erzielte für seine Mannschaft in den ersten zehn Spielen zehn Tore. Mit seinen Treffern hatte Gignac entscheidenden Anteil am starken Saisonstart von Marseille , das nach einem wackligen Auftakt die Liga regelrecht überrollte.

Acht Spiele gewannen die Franzosen in Serie und stellten den eigenen Rekord aus den Jahren 1937 und 1998 ein. Für Gignac ist die Erklärung für den Höhenflug leicht: "Marcelo Bielsa hat ein Team geformt und jedem Spieler Selbstvertrauen eingeimpft. Er ist hochgradig verantwortlich für unsere derzeitigen Ergebnisse."

Nicht nur auf Vereinsebene, sondern auch in der Nationalmannschaft blüht Gignac im Moment auf. Auch die Wogen mit Deschamps, der seit 2012 die französische Nationalmannschaft trainiert, sind geglättet. "Die Türen sind für jeden offen, egal ob Gignac oder sonst jemand. Ich halte ihn für einen interessanten Spieler mit Qualität", zeigte sich der Coach versöhnlich. Der Stürmer ist fester Bestandteil des Kaders und könnte dank seiner bestechenden Form sogar eine ernsthafte Alternative zum naturgemäß umstrittenen Karim Benzema werden.

Jetzt oder Nie

Gignac, der einst für rund 20 Millionen Euro zu Olympique gelotst wurde, ist zwar in der Nähe von Marseille geboren und identifizierte sich seit Kindheitstagen mit dem Klub - die bisherigen Angebote für eine Vertragsverlängerung hat er allerdings ausgeschlagen. Aller Voraussicht nach werden seine Dienste ab Juli 2015 ablösefrei zu haben sein. Die Interessenten treten bereits auf den Plan: Es halten sich die Gerüchte, dass Arsene Wenger große Stücke auf den bulligen Angreifer hält und auch der FC Liverpool dem Franzosen verpflichten will. Gignac muss sich die Entscheidung gründlich überlegen - es dürfte mit seinen dann 29 Lenzen die letzte Chance auf eine Anstellung bei einem Top-Klub Europas sein.

Sein Berater Christopher Hutteau ist natürlich von den Qualitäten seines Schützlings überzeugt und rührt schon fleißig die Werbetrommel: "Er ist ein Stürmer, wie er nicht alle Tage vorkommt. Gerade mit seiner Physis ist er ein Prototyp für einen Spieler, der bei einem großen Verein Erfolg haben kann. England, egal ob Arsenal oder Liverpool, ist kein Problem für ihn. Für mich liegt sein Marktwert zwischen zwölf und 15 Millionen Euro."

Gewitztes Marketing von Burger King

Seit seiner starken Auftritte in dieser Saison ist der Franzose in aller Munde. Obwohl es im April sportlich nicht ganz optimal lief, sorgte der Franzose abseits des Platzes für Schlagzeilen - wenn auch ungewollt. Die Marketingabteilung von Burger King bekam Wind von den "Wertschätzungen", die Gignac von den Pariser Fans erfahren hat und modifizierte den Spruch kurzerhand zu einem Slogan für ihre neue Werbekampagne: "Un Whopper pour Gignac" stand auf Werbeplakaten geschrieben. "Wir waren nie gut im Reimen, Burger sind unser Ding", gab Burger King im Anschluss über "Twitter" zu.

Gignac zeigte sich wenig begeistert ob seines neuen Ruhms und schaltete einen Anwalt ein, um das Unternehmen auf Schadensersatz zu verklagen. Er fühlte sich von der Kampagne verunglimpft.

Zumindest im Verein wurde die Burger-Affaire mit mehr Humor aufgenommen: "Die Aktion ist ziemlich schlau", äußerte sich Außenverteidiger Brice Dja Djedje und berichtigte Burger King sogar: "Obwohl Andre eigentlich gar nicht so viele Hamburger isst. Das Bild hängt jetzt über seinem Schrank in der Kabine."

Andre-Pierre Gignac im Steckbrief

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