Donnerstag, 25.11.2010

Premier League Inside - Die Raphael Honigstein Kolumne

Die Crux mit Englands Nachwuchs

Im Freundschaftsspiel gegen Frankreich sollte eigentlich Englands Zukunft anfangen, doch nach der 1:2-Niederlage erinnerten sich auf der Insel viele an düstere Kapitel der Vergangenheit. Für den "Guardian" stand die fußballerische Lektion, die Laurent Blancs Team den Three Lions erteilte, gar auf einer Stufe mit historischen Wembley-Abreibungen wie dem 1:5 gegen Schottland von 1928, dem 3:6 gegen die Ungarn (1953) oder dem 0:2 gegen Johan Cruyffs Holländer (1977).

Die Erben der goldenen Generation: Andy Carroll, Jordan Henderson und Kieran Gibbs (v.l.n.r.)
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Die Erben der goldenen Generation: Andy Carroll, Jordan Henderson und Kieran Gibbs (v.l.n.r.)

"Sogar der einzige richtig gute Engländer, Andy Carroll, unterstrich nur die beschränkten Fähigkeiten des Teams", schrieb das Blatt. "England war durch seine Anwesenheit gezwungen, viele lange Bälle zu spielen - eine Taktik aus den 70er Jahren".

Der Abend fiel auch deshalb so deprimierend aus, weil Fabio Capello vergeblich auf den viel gerühmten Nachwuchs gesetzt hatte. Neben Carroll, 21, hatte er auch Mittelfeldspieler Jordan Henderson (20, Sunderland) und Arsenals Linksverteidiger Kieran Gibbs, 21, spielen lassen.

Die drei Youngster sollten zeigen, dass es ein Leben nach der vermeintlich goldenen Generation der Gerrards und Lampards gibt, leider fielen der Debütant Henderson und der nach langer Verletzungspause gerade erst wiedergenesene Gibbs glatt durch.

Henderson, der heftig von Manchester United umworben wird, wirkte in Capellos 4-4-1-1-System neben Gareth Barry völlig überfordert. Im Verein, das muss man zu seiner Entlastung anführen, spielt er etwas offensiver. Mittelfristig kann er der Mannschaft vermutlich schon helfen, genauso wie Arsenals Jack Wilshere. Der 18-jährige Mittelfeldspieler ist zurzeit der beste junge Engländer in der Premier League. Das Match gegen Frankreich verpasste er verletzt.

Nachwuchs mit technischen Defiziten

Theo Walcott, 21, der in seiner Entwicklung leicht stagnierende Außenstürmer, und Manchester Citys Adam Johnson, 23, sind auch noch jung, dazu kommen vielleicht bald Chelseas Joshua McEachran 17, Chris Smalling (Manchester United, 21) und Jack Rodwell (Everton, 19), die sich zunächst aber im Verein durchsetzen müssen. England, das im Mai die U17-Europameisterschaft gewann - der erste Titel im Nachwuchsbereich seit 1993 - bringt also durchaus Talente mit Perspektive hervor.

Die Frage ist nur, ob Quantität und Qualität ausreichen. Selbst Sir Trevor Brooking, seit 2003 der "Director of Youth Development" der Football Association, gibt zu, dass englische Jugendliche im Vergleich mit spanischen oder deutschen Kollegen technische Defizite haben. "Die WM 2014 wird schwer für uns", sagte der 62-Jährige. "Wir haben keine offensichtlich starken Spieler, die nachkommen. Es sei denn, ein, zwei jüngere Spieler machen einen Sprung nach vorne, aber das ist viel verlangt."

Englische Youngster leiden gleich an mehreren Standortnachteilen. Der größte von allen ist die Inkompetenz und Schwäche der FA. Brooking veröffentlichte bereits im Mai "The Future Game", ein 275 Seiten dickes Pamphlet für eine bessere Ausbildung.

Die Toptorjäger der Premier League 2010/2011
Rang 1: Dimitar Berbatow von Manchester United (21 Tore). Der Bulgare kam 2008 für 38 Millionen Euro von Tottenham
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Rang 1: Dimitar Berbatow von Manchester United (21 Tore). Der Bulgare kam 2008 für 38 Millionen Euro von Tottenham
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Rang 1: Carlos Tevez von Manchester City (21 Tore). Von 2007 bis 2009 stand der Argentinier im Dienste von Stadrivale United
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Rang 1: Carlos Tevez von Manchester City (21 Tore). Von 2007 bis 2009 stand der Argentinier im Dienste von Stadrivale United
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Rang 3: Robin van Persie vom FC Arsenal (18 Tore). Der Niederländer steht seit 2004 bei den Gunners unter Vertrag
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Rang 3: Robin van Persie vom FC Arsenal (18 Tore). Der Niederländer steht seit 2004 bei den Gunners unter Vertrag
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Rang 4: Darren Bent von Aston Villa (17 Tore). Der Stürmer verließ Sunderland in der Winterpause für 21,5 Millionen Euro
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Rang 4: Darren Bent von Aston Villa (17 Tore). Der Stürmer verließ Sunderland in der Winterpause für 21,5 Millionen Euro
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Rang 5: Peter Odemwingie (29) von West Bromwich Albion (15 Tore). Der nigerianische Nationalspieler kam 2010 von Lok Moskau
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Rang 5: Peter Odemwingie (29) von West Bromwich Albion (15 Tore). Der nigerianische Nationalspieler kam 2010 von Lok Moskau
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Es ging an alle Nachwuchszentren der Klubs, ist aber völlig unverbindlich. Nach jahrelangen Rangeleien und Problemen mit der Finanzierung wurde erst diese Woche der Bau eines nationalen Fußballzentrums in Burton-on-Trent verabschiedet.

Klubs entweder zu arm oder zu reich

Der 120 Millionen Euro teure Komplex soll 2012 fertig werden und dann Jugendliche nach dem französischen Vorbild Clairefontaine gezielt ausbilden. Bisher gibt die FA nur geschätzte zwei Millionen Pfund im Jahr für die Nachwuchsarbeit aus. Diese wichtige Aufgabe fällt somit ganz den Vereinen zu. Die sind aber entweder zu arm oder zu reich, um die Teenager richtig zu fördern.

Den kleineren Klubs fehlen schlichtweg die Ressourcen. Sie müssen sich auf ehrenamtliche Trainer verlassen, die anders als auf dem europäischen Festland in der Regel keinerlei Qualifikationen haben. Offizielle Zahlen der UEFA belegen, dass in England nur 2769 Coaches B-, A- oder Pro-Lizenzen besitzen.

In Spanien gibt es  dagegen 23995, in Deutschland 34970 professionell ausgebildete Trainer. Ganz oben, in der Premier League, unterhalten zwar fast alle Klubs eine teure Akademie, die begabte Jugendliche zu Profis macht, doch dort gibt es andere Probleme.

Ein Ausländeranteil von 60 Prozent und der enorme Erfolgsdruck macht es Jugendlichen besonders schwer, zu Spielpraxis zu kommen. "Wir leiden unter der Kaufkraft der Premier League", sagt Ex-Nationalspieler Gareth Southgate. "Um junge Spieler zu finden, die regelmäßig spielen, muss man in die zweite Liga oder in die Reservemannschaften schauen."

Nach der EM ab in die Versenkung

Frank Nouble kann davon ein Lied singen. Der 1,90m große West-Ham-United-Stürmer spielte im Sommer eine gute U-19-EM und schoss zwei Tore, doch als er nach London zurück kam, hatten die Hammers den Franzosen Frederic Piquionne und den mexikanischen Flügelspieler Pablo Barrera verpflichtet. Nouble wurde in die zweite Liga zu Swansea ausgeliehen.

Manchester City: Die Geschichte in Bildern
Ungewohnte Eintracht zwischen Enfant terrible Carlos Tevez und Trainer Roberto Mancini, aber immerhin verbuchen die Citizens hier gegen W.B.A. die CL-Quali für 2013/2014
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Ungewohnte Eintracht zwischen Enfant terrible Carlos Tevez und Trainer Roberto Mancini, aber immerhin verbuchen die Citizens hier gegen W.B.A. die CL-Quali für 2013/2014
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Der Argentinier provozierte vor allem in der Meistersaison 2011/2012, wo er konnte. Mancini wäre Tevez gern losgeworden, am Ende gewann City den ersten Titel seit 44 Jahren
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Der Argentinier provozierte vor allem in der Meistersaison 2011/2012, wo er konnte. Mancini wäre Tevez gern losgeworden, am Ende gewann City den ersten Titel seit 44 Jahren
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Wie Peter Schmeichel trug auch Carlos Tevez das Trikot von Manchester United. Tevez wechselte 2009 zum Stadtrivalen - und traf in 108 Spielen schon 59 Mal
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Wie Peter Schmeichel trug auch Carlos Tevez das Trikot von Manchester United. Tevez wechselte 2009 zum Stadtrivalen - und traf in 108 Spielen schon 59 Mal
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Im Dezember desselben Jahres wurde Roberto Mancini Cheftrainer. 2011 gewann City mit ihm den FA Cup, 2012 die Meisterschaft - dank zweiter Tore in der Nachspielzeit des letzten Spieltags
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Im Dezember desselben Jahres wurde Roberto Mancini Cheftrainer. 2011 gewann City mit ihm den FA Cup, 2012 die Meisterschaft - dank zweiter Tore in der Nachspielzeit des letzten Spieltags
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Mit Mario Balotelli hatte Mancini einen weiteren hochtalentierten Stinkstiefel in den Reihen, doch der Italiener steht seit Januar 2013 in Diensten des AC Milan
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Mit Mario Balotelli hatte Mancini einen weiteren hochtalentierten Stinkstiefel in den Reihen, doch der Italiener steht seit Januar 2013 in Diensten des AC Milan
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Kun Aguero, Edin Dzeko, dazu Samir Nasri, David Silva und Tevez: Offensiv ist City hochveranlagt - und millionenschwer. Von 2007 bis 2012 zahlte der Klub für 164 neue Spieler etwa 720 Millionen Euro, nahm für 174 Abgänge aber nur 160 Mio. ein...
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Kun Aguero, Edin Dzeko, dazu Samir Nasri, David Silva und Tevez: Offensiv ist City hochveranlagt - und millionenschwer. Von 2007 bis 2012 zahlte der Klub für 164 neue Spieler etwa 720 Millionen Euro, nahm für 174 Abgänge aber nur 160 Mio. ein...
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Allein im Sommer 2010 gab Manchester City sage und schreibe 145 Millionen Euro für neue Spieler aus. Auch der Ex-Hamburger und Jetzt-Münchner Jerome Boateng gehörte dazu
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Allein im Sommer 2010 gab Manchester City sage und schreibe 145 Millionen Euro für neue Spieler aus. Auch der Ex-Hamburger und Jetzt-Münchner Jerome Boateng gehörte dazu
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Der Zehn-Jahres-Vertrag mit Etihad Airways spült dem Klub angeblich 466 Millionen Euro in die Kassen
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Der Zehn-Jahres-Vertrag mit Etihad Airways spült dem Klub angeblich 466 Millionen Euro in die Kassen
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Citys Top-Transfer 2009: Emmanuel Adebayor kam für 29 Millionen Euro vom FC Arsenal
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The Nutter with the Putter: Craig Bellamy (r.) kam im Winter 2009 von West Ham United zu Manchester City, jetzt führte er Cardiff City zurück in die Premier League
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Robinho kam 2008 für 43 Millionen Euro von Real Madrid zu Manchester City, spielt aber mittlerweile wieder in Brasilien
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Auch Didi Hamann (r.) spielte für City. Er absolvierte 54 Partien im hellblauen Trikot
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Ein Altbekannter: Stuart Pearce war auch schon Trainer der Citizens
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Peter Schmeichel spielte auch 29 Partien für Manchester City
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Peter Schmeichel spielte auch 29 Partien für Manchester City
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Shaun Wright Phillips galt als eines der größten Talente, die je den Sprung in den City-Profikader schafften
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Saison 07/08: Auch der ehemalige England-Coach Sven-Göran Eriksson (r.) war Trainer bei Manchester City
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Marc-Vivien Foe spielte auch für City. Er verstarb beim Confed-Cup 2003 auf dem Platz wegen Herzstillstand - seine Nr. 23 wird nicht mehr vergeben
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Das Manchester-Derby elektrisiert nicht nur die Stadt Manchester
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Der ehemalige Weltfussballer George Weah schnürrte im Jahr 2000 auch die Schuhe für Man City
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Der ehemalige Weltfussballer George Weah schnürrte im Jahr 2000 auch die Schuhe für Man City
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Joe Corrigan absolvierte in der Zeit von 1967 bis 1983 592 Spiele für die Citizens
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Joe Corrigan absolvierte in der Zeit von 1967 bis 1983 592 Spiele für die Citizens
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Bert Trautmann spielte von 1949 bis 1964 für Manchester City. Er erarbeitete sich bei City den Ruf des besten Torhüters der Welt
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Bert Trautmann spielte von 1949 bis 1964 für Manchester City. Er erarbeitete sich bei City den Ruf des besten Torhüters der Welt
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Colin Bell stand 1970 beim Gewinn des Europapokals der Pokalsieger in der City-Elf
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Colin Bell stand 1970 beim Gewinn des Europapokals der Pokalsieger in der City-Elf
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Der Deutsche Uwe Rösler (l.) spielte insgesamt 153 mal für City und erzielte dabei 50 Tore
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Der Deutsche Uwe Rösler (l.) spielte insgesamt 153 mal für City und erzielte dabei 50 Tore
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Michael Tarnat (l.), Kevin Keegan (M.) und David Seaman (r.) waren in der Saison 02/03 zusammen bei Man City
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Noch ein Beispiel? Mittelfeldspieler Laurence Wilson vom FC Everton spielte eine überragende U-19-EM vor fünf Jahren. Doch der Verein setzte ihn nicht einmal ein. Nach mehreren Ausleihgeschäften spielt er heute bei Morecambe, in der vierten Liga.

Natürlich finden sich ähnliche Schicksale überall. Doch das Bermuda-Dreieck, wie Manchester Citys Jugendbeauftragter Paul Power die Zeit von 18 bis 21 Jahren nennt, in der viele Talente verloren gehen oder es aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen, ist in England eben doch noch ein Stückchen größer.

Im Kampf ums Überleben setzen die Klubs lieber auf gestandene Profis aus Übersee, zudem fühlen sich in der globalisiertesten Liga der Welt die zahlreichen ausländischen Trainer und Eigentümer schlichtweg nicht für das Wohl des einheimischen Nachwuchs verantwortlich.

Gerrard ein Einzelfall

Es ist kein Zufall, dass der FC Chelsea seit der Übernahme durch Roman Abramowitsch keinen einzigen Spieler aus der eigenen Jugend zum Stammspieler machen konnte. Auch in Liverpool schaffte seit Steven Gerrard in den späten Neunziger Jahren niemand mehr den Sprung in die A-Mannschaft.

"Man muss sich entscheiden, ob man das beste Produkt haben oder englische Spieler fördern will", sagte Arsenals Trainer Arsene Wenger im Sommer böse, als die neue 25-Mann-Kader Regel der Premier League eingeführt wurde. Die Neuerung hilft im englischen Verband ausgebildeten Spielern, zumindest theoretisch.

"Es reicht nicht, dass junge Spieler im Kader sind", sagt Gordon Taylor , der Chef der Spielergewerkschaft. "Niemand hat was davon, wenn sie vom Banksitzen Schiefer im Hintern haben."

Taylor erinnert an Nationalspieler James Milner (City), der erst nach seinem Wechsel zu Aston Villa Stammspieler wurde: "[Newcastle-Trainer Graeme] Souness sagte ihm, er könne es leider nicht riskieren, junge Spieler zu bringen."

Rahmenbedingungen müssen sich ändern

Genau wie in der Bundesliga, als man erst im Zuge des Kirch-Zusammenbruchs die Freude am Nachwuchs entdeckte (siehe Felix Magaths "Junge Wilde" beim VfB Stuttgart 2003-04), wird nur eine Änderung der finanziellen Rahmenbedingungen zu einem echten Umdenken führen.

Erste Anzeichen gibt es bereits: McEachrans Aufstieg hängt eng mit der Verknappung des Spielerbudgets bei den Blues zusammen und die neuen amerikanischen Besitzer der Reds haben verstärktes Engagement in der Ausbildung angekündigt.

Nur so könne man, sagte John W. Henry, mit Teams wie Arsenal oder ManUnited konkurrieren. "Vielleicht werden junge Spieler mehr Chancen bekommen, weil so viele Vereine finanzielle Probleme haben", hofft Southgate. Bis es soweit ist - und die neuen Strukturen greifen -, dürfte es aber noch den einen oder anderen enttäuschenden Abend im Wembley geben.

Alle Informationen zur Premier League

Raphael Honigstein lebt und arbeitet seit 16 Jahren in London. Für die "Süddeutsche Zeitung" berichtet er über den englischen Fußball und ist Kolumnist für die britische Tageszeitung "The Guardian". Beim früheren Premier-League-Rechteinhaber "Setanta Sports" fungierte Honigstein als Experte für den deutschen Fußball. In Deutschland wurde der 36-Jährige auch bekannt durch sein Buch "Harder, Better, Faster, Stronger - Die geheime Geschichte des englischen Fußballs". Zudem ist er als Blogger bei footbo.com tätig und auch unter twitter.com/honigstein zu finden.


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