Kopfstoß: Samuel Eto'o macht auf Zidane

SID
Montag, 22.11.2010 | 12:00 Uhr
Samuel Eto'o (Nr. 9) gab nach seinem Kopfstoß gegen Veronas Bostjan Cesar das Unschuldslamm
© Imago
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Inter-Stürmer Samuel Eto'o gibt in Verona eine überzeugende Zidane-Imitation ab. Milan-Coach Massimiliano Allegri hat Ärger mit der Polizei, Kavin Davies mit seinem Toaster. Harry Redknapps Chancen auf das Nationaltraineramt sinken trotz des Sieges bei Arsenal und Jose Mourinho hat mit Sergio Ramos ein Hühnchen zu rupfen.

Dies und mehr wie immer montags in den Blitzlichtern aus Europa - zusammengetragen von unseren Korrespondenten vor Ort.

Serie A

Von Oliver Birkner

Beste Zizou-Imitation: Er habe ein Tor a la Zidane geschossen, erzählte Romas Jeremy Menez nach seinem herrlichen Dribbellauf gegen Udinese am Samstag. Da wollte Samuel Eto'o nicht hinten anstehen und bekam seine Zizou-Imitation sogar noch besser hin: Der Kopfstoß gegen die Brust von Chievo-Verteidiger Bostjan Cesar stand Zidanes Berliner Kontaktaufnahme mit Marco Materazzi in nichts nach. Unbekannt ist, ob auch in Verona feinsinnige Äußerungen über Familienmitglieder im Spiel waren, allerdings reichten offenbar allein Tritte plus ein Fausthieb gegen den Kameruner als Provokation aus. Dem Schiedsrichter war das auf dem Veroneser Acker übrigens alles entgangen, Eto'o drohen nach dem TV-Beweis aber drei bis vier Spiele Sperre.

Guter Bulle, böser Bulle: Milan-Coach Massimiliano Allegri hat als Tabellenführer derzeit eigentlich ein gemütlicheres Leben - außer er trifft auf die Carabinieri. Die verpassten ihm in seiner Heimatstadt Livorno wegen eines zu rasanten Überholmanövers eine sanfte Geldbuße über 36 Euro, woraufhin Allegri ausfallend wurde: "Halt's Maul, scheiß Süditaliener, ich werde zusehen, dass Du entlassen wirst. Sag' mir, wie Du heißt und wo Du wohnst, dann schicke ich jemanden vorbei!" Zudem täuschte Allegri eine handgreifliche Attacke seitens der Carabinieri vor und ließ sich in bester Spieler-Manier wie vom Blitz getroffen zu Boden fallen. Das muss er im Training wohl nochmal üben. Übrigens hatte der Trainer schon im Jahr 2005 Polizisten übel beleidigt und war zu 3400 Euro verdonnert worden. Mal sehen, was diesmal dazu kommt.

Prophet Sinisa: Und wo wir schon bei Trainern sind - zum Abschluss geht der Preis für den Serie-A-Coach mit den unfehlbarsten Prophezeiungen und Einschätzungen an: Fiorentinas Sinisa Mihajlovic. August: "Wir werden uns klar für die Champions League qualifizieren!" Zumindest ist Florenz nicht mehr Letzter sondern 13. Ende August: "Unser System kann nur 4-3-3 lauten." September: "Ein 4-3-3 ist mit diesem Kader unmöglich." September: "Die Frage ist nicht, ob wir in Lecce gewinnen, sondern wie hoch." Lecce 1, Florenz 0. Mitte September: "Jeder Spieler verdient einen Arschtritt." Anfang Oktober: "Man muss diese Spieler nur streicheln, dann klappt's auch." November: "Ich sehe das Feuer in den Augen - in Rom werden wir gewinnen." Roma 3, Florenz 2. Letzten Freitag: "Alle reden über Ibrahimovic, Milans Stärke, und dass unsere Niederlage sicher sei. Nach der Partie werden sie es bereuen." Milan 1, Florenz 0, Tor Ibrahimovic. Der Instinkt dieses Mannes ist unbezahlbar.

 

Premier League

Von Raphael Honigstein

Don't call me stupid: Profifußballer haben es nicht immer einfach. Bolton-Stürmer Kevin Davies hatte zum Beispiel unter der Woche ein großes Problem. "Cannot believe I burnt another pop tart (Ich kann nicht glauben, dass ich schon wieder ein Pop Tart verbrannt habe)", tweetete er. "Auf der Packung steht: niedrigste Hitze-Stufe. Wer hat einen Hitze-Regulierer an seinen Toaster? Ich habe nur einen Timer?" Sogar ein Foto des Geräts stellte Davies ins Netz. Zum Glück gaben einige seiner knapp 30.000 Follower dem 33-Jährigen bald den nützlichen Tipp, das Ding einfach nicht ganz so lange drin zu lassen. "Ok, ich habe meine Lektion gelernt", tweetete er später. Ein Pop Tart ist übrigens die Frühstücksvariante (Gebäck mit Marmelade) von "don't call it Schnitzel" - und ähnlich nährreich.

Armer Carlo: Über Twitter verbreitete sich am Sonntag auch eine ganz andere, potenziell etwas größere Story: Carlo Ancelotti habe Chelsea seinen Rücktritt angeboten. Der Verein dementierte das Internet-Geflüster zwar sofort als "absoluten Unsinn", aber das bei den Blues vieles im Argen liegt, ist nach der 0:1-Niederlage bei Birmingham City kein Geheimnis. "Ich habe einen Vertrag und hoffe, dass ich bleibe", sagte der Italiener vieldeutig. Anders als Alex Ferguson habe er "nicht die volle Kontrolle", ließ er durchblicken. Ein Vertrauter des 51-Jährigen berichtete, Ancelotti sei in seiner Amtszeit noch nie so frustriert gewesen. Hintergrund ist die immer noch mysteriöse Entlassung von Co-Trainer Ray Wilkins und die von Ancelotti wohl nicht so ganz für gut befundene Nachfolgelösung. Der Nigerianer Michael Emenalo, bisher als Gegner-Scout beschäftigt, wurde überraschend befördert. "Er wird die Mannschaft nicht coachen", hatte Ancelotti erst am Freitag gesagt. Wie gesagt: alles sehr rätselhaft.

Taktikschildkröte Redknapp: Harry Redknapp ist ein echtes Phänomen. Englands "Trainer-Schildkröte" (copyright: Marcel Reif) hat nach dem 3:2-Sieg im Derby bei Arsenal seinen Hals weit herausgestreckt und die Spurs zum Titelkandidaten erklärt. Wer mag ihm angesichts der plötzlichen Schwäche von Chelsea, der notorischen Weichheit in Arsenals Defensive und der nicht restlos überzeugenden Vorstellungen der beiden Klubs aus Manchester widersprechen? Die Resultate von Tottenham sind umso überraschender, wenn man weiß, was Rafael van der Vaart in der vergangenen Woche aus der Kabine preisgegeben hat. "Wir haben eine Taktiktafel, aber Harry schreibt nie etwas darauf", verriet der Niederländer der "Sun", "er sagt nur, du spielst links, du spielst rechts." Die Aufstellung würde der 63-Jährige erst "20 Minuten vor Anpfiff" bekanntgeben, außerdem mache man im Training "so gut wie gar nichts", meinte der ehemalige Hamburger begeistert. Nach diesen Enthüllungen dürfte selbst den Kritikern des alten Wheeler-Dealers klar sein: für das Amt des englischen Nationaltrainers ist dieser Taktikfuchs wirklich prädestiniert.

 

Primera Division

Von Paula Villamarin Temperan

Stark gegen die Großen: Dass man auf Mallorca nicht nur aus Eimern saufen, sondern auch akkurat gegen den Ball treten kann, stellt der auf der Insel ansässige Real Club Deportivo Woche für Woche unter Beweis. Der RCD ist sogar mittlerweile ein echter Favoritenschreck. Gegen Barcelona (1:1, H), Real (0:0, A), Valencia (2:1, A) und Sevilla (2:1, A)- immerhin die Top 4 der letzten Saison - holte Mallorca in dieser Saison schon stolze acht Punkte. Vor allem Sevilla ärgerte sich am Sonntag schwarz, weil man in der 88. Minute durch Luis Fabiano zum Ausgleich gekommen war, nur um Mallorcas Pierre Webo zwei Minuten später andächtig beim Köpfen des Siegtreffers zuzusehen. Dass Mallorca in der Liga nicht ganz vorne mitmischt, hat übrigens damit zu tun, dass man zwar gegen die Großen glänzte, aber eben auch gegen Gijon, Bilbao und Saragossa verlor.

Fast zweistellig: Mal so richtig unter die Räder kam Almeria am Samstag gegen den Elf-Mann-Wirbelsturm aus Barcelona. In den vorangegangenen elf Spielen hatte UD gerade mal zehn Gegentore kassiert. Barca hätte diese Marke in einem Spiel locker übertreffen können, hätte man nicht nach unfassbar einseitigen 73 Minuten und acht Toren mit Blick auf Champions League und den Clasico den Fuß vom Gas genommen. Unmittelbar nach Schlusspfiff hatte Präsident Alfonso Garcia dann endgültig genug von Trainer Juanma Lillo und setzte ihn vor die Tür. "Die Mannschaft braucht dringend neue Impulse", ließ der Chef verlauten. Ein ordentlicher Tritt in den Hintern obendrein kann bestimmt auch nicht schaden. Mit Marcelino steht schon ein Feuerwehrmann bereit.

Ärger für Ramos: Jose Mourinho hatte beim 5:1 über Bilbao allen Grund zur Freude. Warum aber stand der Portugiese unmittelbar nach dem 3:1 schimpfend an der Seitenlinie? Sergio Ramos war schuld, weil dieser einfach Mous Elfmeter-Order ignoriert hatte und an Stelle von Cristiano Ronaldo zum Strafstoß angetreten war. Dass der Rechtsverteidiger sicher verwandelt hatte, schien für Mourinho keinen Unterschied zu machen. "Por que? Por que lo ha tirado? (Warum? Warum hat er geschossen?)", fragte der Coach fassungslos in die Runde. Der Mann hat nun mal gerne alles unter Kontrolle. Als Real in der Schlussphase ein weiterer Elfmeter zugesprochen wurde, hielt sich Ramos dann auch vornehm zurück und ließ Ronaldo den Vortritt, der damit im Torjäger-Fernduell mit Lionel Messi doch noch den 3:3-Ausgleich schaffte.

Der Clasico kann kommen: "Zittere, Madrid!"

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