Wenn der König auf die Knie fällt

Von Mario Krischel
Dienstag, 24.01.2017 | 20:08 Uhr
Alexis Sanchez und Mesut Özil sind die Säulen beim FC Arsenal. Gemeinsam erzielten sie 26 Saisontore
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Mit Alexis Sanchez und Mesut Özil steht und fällt das Spiel des FC Arsenal. Das kongeniale Duo beherrscht die Schlagzeilen seit Monaten, auch weil beide Verträge im nächsten Jahr auslaufen. Für Trainer Arsene Wenger verkommt es zur einzigen Odyssee, während alles andere konsequent in den Hintergrund rückt.

Südengland, spät am 3. Januar 2017, es dürfte zwanzig vor elf sein. Eben hat Michael Oliver das Spiel zwischen dem AFC Bournemouth und Arsenal abgepfiffen. Was für ein Spiel! Die Gäste freuen sich, sie haben gerade in der Nachspielzeit aus einem 0:3 noch ein 3:3 gemacht und nehmen einen verloren geglaubten Punkt mit nach London. Olivier Giroud freut sich, er hat Arsenal nicht zum ersten Mal in den Schlussminuten den Allerwertesten gerettet.

Alexis Sanchez freut sich nicht. Im Gegenteil: Er ist wütend und wirft seine Handschuhe auf den Boden. Er scheint als Einziger zu erkennen, was hier gerade wirklich passiert ist. Arsenal hat nicht einen Punkt gewonnen. Sie haben schon wieder zwei verloren.

Zwei Wochen sind vergangen. Südwales, etwa halb sechs am Abend, 78 Minuten sind gespielt. Die Gunners führen mit 4:0 in Swansea. Oliver Langford, der vierte Offizielle, hält die Anzeigetafel hoch, in grün leuchtet die Nummer dreiundzwanzig auf, in rot die sieben.

Alexis Sanchez macht Platz für Danny Welbeck und holt sich nach seinem 14. Saisontor den verdienten Applaus von den mitgereisten Anhängern ab. Während er den Platz verlässt, schüttelt Sanchez recht ungläubig den Kopf, geht dann ohne Reaktion an Arsene Wenger vorbei. Auf der Bank will er seine Ruhe, blockt die Betreuer ab. Einer legt ihm eine Jacke um, unter der sich Sanchez vergräbt. Er ist wütend: Er wollte nicht ausgewechselt werden, absolut nicht.

Sanchez, das tobende Spielkind

"Sanchez scheint seine Auswechslung in etwa so zu betrachten wie ein albernes Kind, das gerade auf dem Spielplatz im Park tobt und dann gegen seinen Willen zum Abendessen nach Hause gerufen wird": Hätte man es noch besser als der Guardian beschreiben können? Wohl nicht. "Was ist denn daran so überraschend?" sollte Wenger später erwidern. "Diese Leidenschaft willst du doch sehen."

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Es sind nur zwei von vielen Szenen, um Alexis Sanchez bestmöglich zu beschreiben. Seinen ununterbrochenen Einsatz, seinen unbedingten Willen, seine unglaubliche Siegermentalität - und seine 22 Scorerpunkte in 22 Einsätzen. "Er ist ein Typ, der überall kämpfen will, manchmal auch da, wo er nicht kämpfen sollte", erklärt Wenger. "Hin und wieder reagiert er sehr emotional, aber von Angesicht zu Angesicht bleibt er respektvoll." Nicht nur deswegen kann Wenger Sanchez seine Überreaktionen schnell verzeihen. Nicht nur er weiß, was er am Chilenen hat.

Und nicht nur Sanchez bleibt in gewisser Weise sein Sorgenkind.

Özil, der zaubernde Geist

Denn da wäre noch Mesut Özil. Der Weltmeister, der Taktgeber und Wengers Lieblingspatient. Eigentlich ist es eine typische Özil-Saison, für die es ebenso unzählige Sinnbilder gibt. Erst ein Zaubertor in der Champions League in Rasgrad - Facebook, Twitter und Youtube hatten tagelang nichts anders zu präsentieren. Nur ein paar Wochen später der verheerende Auftritt bei Manchester City - englische Medien konnten tagelang über nichts anderes als "Mesut, den Geist" berichten. "From zero to hero to zero" - als hätte Özil Sarah Connors Song um eine Nuance erweitert.

Beim nüchternen Blick auf die Zahlen wird ersichtlich, dass der 28-Jährige seiner Statistik aus dem Vorjahr noch hinterherläuft. Da waren es zu diesem Zeitpunkt aber auch schon 17 Assists, aktuell steht da eine fünf. Vielleicht lohnt sich aber auch einmal ein Blick über den Tellerrand hinaus, zumindest wenn es nach Wenger geht, der bisweilen mehr Pflichtverteidiger als Trainer ist: "Er arbeitet viel härter als die Leute denken", stellte sich der Franzose mal wieder schützend vor seinen Rekordeinkauf, wenngleich er anmerkte, dass der ehemalige Madrilene zu mehr imstande sei. "Manchmal ist seine Körpersprache nicht wirklich vorteilhaft. Aber wir sind ein Team, das den Gegner früh anläuft und da machen er und Alexis einen guten Job."

"Benennt das Emirates nach seinen Hunden"

Wären da nicht gebräuchliche Konjunktionen wie "und", "aber", "oder", dann dürften "Özil" und "Alexis" wohl die am häufigsten verwendeten Wörter in Wengers Vokabular sein. Seit Monaten geht es im Norden Londons - zumindest auf der Roten Seite - um nichts anderes als um die Verträge der zwei Superstars, die beide im Sommer 2018 auslaufen. Sei es das Trainingscomeback von Kapitän Per Mertesacker oder das spektakuläre Skorpionkick-Tor von Olivier Giroud - die englischen Medienvertreter würden viel lieber wissen, wie genau sich Özil eine Grippe eingefangen hat. Vielleicht auch welche Handschuh-Größe Sanchez trägt.

Bei den Anhängern der Gunners steigt der Fanatismus in neue Sphären auf. "Gebt ihm so viel Geld wie er will", schreibt einer auf Arsenals Facebook-Seite über Sanchez. "Von mir aus benennt das Emirates nach seinen Hunden, ganz egal." Zur Erklärung: Der Chilene ließ unlängst verlautbaren, dass seine Hunde Atom und Humber ihm an stressigen Tagen Zuflucht gewähren und ihm wieder positive Energie verleihen. Des Menschen beste Freunde eben.

Am besten viel Geld und viele Titel

Das alles kommt natürlich ein wenig melodramatisch daher, ohne Zweifel aber steht und fällt das Arsenal-Spiel mit Alexis Sanchez und Mesut Özil. Mehr oder weniger wie ein Kreislauf: Spielt Sanchez gut, spielt Arsenal gut, spielt Özil gut.

Und natürlich wollen Arsenal und Wenger ihre zwei Säulen über 2018 hinaus halten. Die Gespräche laufen, heißt es. Beide wollen viel, sogar sehr viel Geld, heißt es weiter. Vielleicht aber ist genau da der strittige Punkt erreicht. Beide werden ohne Frage jetzt schon fürstlich entlohnt. Denkbar wäre also auch die Variante, in der Özil und Sanchez Titel dem Geld vorziehen, die ihnen mit den Gunners bisher verwehrt blieben. FA Cup hin oder her (den gewann Arsenal zuletzt zweimal in Folge), die ganz Großen werden schließlich am Champions League-Titel und an der Meisterschaft gemessen. Und da liegt Arsenal nach den Pleiten in Everton, bei ManCity und dem Remis in Bournemouth außer Reichweite von Tabellenführer Chelsea.

Özil hatte zuletzt im kicker-Interview erklärt, dass seine Zukunft auch von der seines Trainers abhinge. Wengers Vertrag endet in diesem Sommer, eine Verlängerung ist ungewisser denn je. Dafür zeigte Klub-Legende Thierry Henry in seiner Sun-Kolumne sogar Verständnis: "Ich war 2007 in der gleichen Situation und bin damals schweren Herzens nach Barcelona gegangen, weil ich nicht wusste, wie Arsenes Pläne waren. Die Leute werden sagen, es ginge Mesut ums Geld, aber das wissen wir nicht und müssen das respektieren. "

König Thierrys Wille

Gleichzeitig betonte der heutige TV-Experte aber, dass er primär als Arsenal-Fan schreiben würde und stellte daher klar: "Ich will, dass Özil bleibt. Er ist mit Deutschland Weltmeister geworden, aber auf Klub-Ebene steht da eben nur diese eine Meisterschaft mit Real Madrid. Er ist für mehr geschaffen. Er kann das im Emirates erreichen. Gewinn den Titel mit Arsenal, sei die Zukunft des Vereins, und nicht nur der Assistgeber."

"Sei derjenige, der das Team nach vorne bringt. Gemeinsam mit Alexis kann er derjenige sein. Er kann Arsenal zu seinem Team machen, er kann das Emirates zu seinem Zuhause machen, er kann es zu seiner Ära bei Arsenal machen. Deshalb würde ich ihm raten, zu bleiben." Was braucht es noch, wenn sogar der ernannte König des Klubs auf die Knie fällt und fleht?

Zumindest Sanchez betonte zuletzt bei Sky Sports, er sei "sehr glücklich" in London, auch wenn ihm die Stadt manchmal zu laut sei. "Es hängt wirklich nicht von mir ab, sondern vom Verein. Ich liebe jeden Mitarbeiter hier und bin wirklich dankbar für alles. Ich genieße die Beziehung zu den Fans und möchte für sie die Premier und die Champions League gewinnen."

Und wenn sie nicht gestorben sind...

Zurück in London, am vergangenen Sonntag, kurz nach siebzehn Uhr. Arsenal hat gerade in einer atemberaubenden Schlussphase glücklich mit 2:1 gegen Aufsteiger Burnley gewonnen. Alexis Sanchez freut sich, er hat in der achten Minute der Nachspielzeit das Siegtor erzielt. Alexis Sanchez freut sich, er wurde nicht ausgewechselt.

Man kann erahnen, dass das Ergebnis gegen einen Abstiegskandidaten recht zügig wieder zur Randnotiz verkam. Man kann erahnen, welche Mimik Wenger bei den Fragen der Journalisten aufzog. Und man kann auch erahnen, was in den nächsten Monaten das A und Ö in Ashburton Grove bleiben wird.

Der FC Arsenal in der Übersicht

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