Bundesliga goes Premier League

Made in Germany

Von Stefan Petri
Donnerstag, 10.05.2012 | 09:30 Uhr
Für Papiss Cisse hat sich der Wechsel nach England mehr als gelohnt
© Getty
Advertisement
Premier League
West Ham -
Tottenham
Premier League
Man City -
Crystal Palace
Premier League
Leicester -
Liverpool
Premier League
Stoke -
Chelsea (Delayed)
Premier League
Everton -
Bournemouth (Delayed)
Premier League
Swansea -
Watford (Delayed)
Premier League
Burnley -
Huddersfield (Delayed)
Premier League
Southampton -
Man United (Delayed)
Premier League
Brighton -
Newcastle
Premier League
Arsenal -
West Brom
Premier League
Huddersfield -
Tottenham
Premier League
Man Utd -
Crystal Palace
Premier League
Chelsea -
Man City
Premier League
Stoke -
Southampton (Delayed)
Premier League
Bournemouth -
Leicester (DELAYED)
Premier League
West Ham -
Swansea (DELAYED)
Premier League
West Brom -
Watford (DELAYED)
Premier League
Arsenal -
Brighton

Die englische Nationalelf hat man längst hinter sich gelassen, aber im Vereinsfußball gilt die Premier League immer noch als das Nonplusultra. Wie schwer fällt ein Wechsel aus der Bundesliga in die "beste Liga der Welt"? Schaut man auf die Transfers der letzten 18 Monate, muss man sagen: "Made in Germany" ist mittlerweile ein Gütesiegel erster Klasse.

Man musste gleich zweimal hingucken, als die Nachricht hereinflatterte, dass Marko Marin von Werder Bremen zum FC Chelsea wechselt. Rund sieben Millionen Euro legen die Blues für den Mittelfeldspieler hin und vollzogen damit den ungewöhnlichsten Deal des Jahres, schließlich war Marin zuletzt nicht mal in Bremen unumstrittener Stammspieler.

Chelsea allerdings wollte Marin unbedingt haben. Auf der Insel scheint der deutsche Fußball und die Bundesliga zuletzt enorm an Ansehen gewonnen zu haben. Die Premier-League-Klubs schicken ihre Scouts inzwischen regelmäßig in deutsche Stadien und geizen nicht, wenn es um die Ablösesumme für einen Spieler geht, der das Anforderungsprofil erfüllt.

Wie eben nun Marin. Oder Lukas Podolskider dem FC Arsenal bis zu 13 Millionen Euro Wert ist. Bundesliga-Profis sind wieder angesagt auf der Insel. Fast so, wie in den 90er Jahren als zahlreiche Bundesliga-Stars in England kickten (Klinsmann, Hamann, Freund, Ziege etc.).

Dass der Schritt von der Bundesliga in die Premier League richtig gut funktionieren kann, zeigen sechs Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit.

Demba Papiss Cisse

Im Januar 2012 für 12 Millionen Euro vom SC Freiburg nach Newcastle United

Was bekommt man, wenn man 37 Tore für den SC Freiburg (in 65 Spielen) in Premier-League-Treffer umrechnet? Bei Demba Papiss Cisse so ziemlich genau eine Bude pro Spiel! Mit der Nummer 9 trat Papiss Cisse unter anderem in die Fußstapfen von Newcastle-Legende Alan Shearer. Bisher füllt er sie mehr als aus: 13 Tore in 13 Spielen gelangen Cisse, darunter so fantastische Treffer wie das 2:0 gegen den FC Chelsea - das "beste Tor seiner Karriere".

Mit dieser Quote stellte er außerdem den Klub- und Ligarekord ein und ist aktuell so etwas wie der heißeste Spieler der Insel. Was er anfasst, wird zu Gold: Für einen Verkauf seiner Tormaschine dürfte Newcastle schon nach drei Monaten ein Vielfaches der gezahlten Ablösesumme aufrufen. Der Senegalese selbst hat noch große Pläne: Der "L'Equipe" hat er unlängst verraten, dass es sein Traum wäre, einmal im Trikot von Real Madrid zu spielen.

Und was sagt er eigentlich zu den Unterschieden zwischen der Bundesliga und der Premier League? Sie "sind gar nicht so verschieden. Vielleicht sind Tempo und physische Stärke ein wenig intensiver auf der Insel", erklärte Cisse im "Kicker". Am Toreschießen hindert das aber offensichtlich nicht.

Gylfi Sigurdsson

Im Januar 2012 von 1899 Hoffenheim nach Swansea City ausgeliehen

In Hoffenheim pendelte der offensive Mittelfeldmann zwischen Ersatzbank und Startelf und konnte sich kaum nachhaltig empfehlen, in der Premier League brannte Sigurdsson dagegen von Beginn an ein Feuerwerk ab. In seinen ersten drei Spielen für Swansea traf er einmal selbst und bereitete drei Tore vor, im März wurde er nach vier Treffern in vier Partien zum "Spieler des Monats" gewählt. Das Fazit in Swansea: "Die perfekte Verpflichtung zum perfekten Zeitpunkt."

12 Scorerpunkte in 17 Spielen führten dazu, dass die halbe Premier League (oder auch Juventus Turin) am Isländer interessiert sein soll. Der würde liebend gerne in England bleiben, hat die Rechnung aber ohne Markus Babbel gemacht, der Sigurdsson wieder nach Hoffenheim zurückholen soll. 10 Millionen Euro Ablöse würde Hoffenheim für ihn haben wollen - nicht völlig auszuschließen, dass ein Verein nach Sigurdssons Vorstellungen der letzten Monate diese Summe bezahlt.

Pawel Pogrebnjak

Im Januar 2012 für 500.000 Euro vom VfB Stuttgart zum FC Fulham

Skepsis allerorten war zu spüren, als der beim VfB Stuttgart degradierte Pogrebnjak in der Winterpause für 500.000 Euro nach Fulham abgeschoben wurde: Zu langsam sei er, hieß es. Diese Skepsis wurde in den ersten drei Ligaspielen förmlich ausradiert: Fünf Tore standen danach für den 28-jährigen Angreifer zu Buche - das hat vor ihm noch niemand geschafft. "Der englische Fußball ist schneller als der in Deutschland, es gibt viel mehr Zweikämpfe. Aber ich denke, dass ich mich daran gewöhnt habe."

Das kann man wohl so sagen: Nach einer Verletzung im Frühjahr hat er in der Rückrunde insgesamt sechs Tore in zehn Spielen erzielt. Der Vertrag des Russen läuft nur bis zum Sommer, jetzt buhlen unter anderem Fulham und Aston Villa um ihn. Erfolgreiche Auftritte bei der EM könnten weitere Interessenten auf den Plan rufen. Pogrebnjak wird aller Voraussicht nach in der Premier League bleiben. Und aus einem Angreifer, bei dem man in der Bundesliga bis zuletzt vergeblich auf den Durchbruch wartete, ist binnen eines halben Jahres ein begehrter Top-Stürmer geworden.

Per Mertesacker

Im August 2011 für 10 Millionen Euro von Werder Bremen zum FC Arsenal

Dem deutschen Abwehrriesen fiel die Umstellung auf das schnelle, physisch aggressive Spiel in der Premier League anfangs nicht gerade leicht. Dass er die Saisonvorbereitung verpasste, half da auch nicht. Nach einigen Unsicherheiten zum Auftakt wurde er in der englischen Presse hart attackiert ("die Grazie eines kaputten Liegestuhls") und brauchte einige Wochen, bis er sich an die Spielweise der Premier League gewöhnte: "Nach dem Wechsel war alles nicht besonders einfach", musste er im Dezember im Interview mit "Sport1" zugeben.

Als er zum Jahresende seine Form dann immer mehr fand, attestierte man ihm bei Arsenal eine "steile Lernkurve", und auch die Fans fanden langsam Gefallen am "big fucking German", wie ihn ein Schlachtruf etwas derb bezeichnete. Die Verletzung am Sprunggelenk im Januar stoppte den Aufwärtstrend jäh und verhinderte weitere Einsätze. Ein Fehleinkauf ist Mertesacker nicht, aber anders als bei Cisse oder Sigurdsson geht für ihn das erste Jahr Premier League eher als "Lehrjahr" in seine Vita ein.

Demba Ba

Im Januar 2011 für ca. sieben Millionen Euro von 1899 Hoffenheim nach West Ham United

Nach seinem Zerwürfnis mit der TSG machte Demba Ba in der Premier League zuerst Station bei West Ham United und führte sich mit sieben Toren in 12 Spielen sehr gut ein. Den Abstieg der Hammers konnte allerdings auch er nicht verhindern. Doch Ba hatte auf der Insel Eindruck hinterlassen und heuerte schließlich in Newcastle an. Bis Februar 2012 gelangen im für die Magpies 16 Tore in 20 Begegnungen. Er wurde zum "Spieler des Monats Dezember" und von den Ligatrainern zur besten Verpflichtung der Saison gekürt.

Einen kleinen Strich durch seine fantastische Saison machte ihm dann allerdings ausgerechnet die Verpflichtung seines Landsmannes Papiss Demba Cisse. Nach dessen Debüt im Februar spielt Demba Ba nicht mehr ganz vorne im Zentrum und hat seitdem keinen Treffer mehr verbuchen können. Stattdessen verdingt er sich in Interviews als Dolmetscher seines Teamkollegen. Trotzdem: Seinen Wechsel auf die Insel bereut er ganz sicher nicht.

Edin Dzeko

Im Januar 2011 für 35 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City

Die Qualitäten des teuersten Auslandstransfers der Liga waren unbestritten (59 Tore in 96 Ligaspielen), die Höhe der Ablöse wohl zum Teil dem manischen Kaufrausch von Manchester City geschuldet. In der aktuellen Saison bringt es Dzeko auf 13 Tore in 29 Partien - eine ordentliche Bilanz. Allerdings: In zwölf seiner Spiele bekam er weniger als 25 Minuten Einsatzzeit. Sein Problem: Gerade im Angriff sind die Citizens mit Leuten wie Aguero, Balotelli oder Tevez stark und namhaft besetzt.

Nicht zuletzt deshalb liebäugelt Dzeko mit einem Abgang, sein Nationaltrainer Safet Susic empfahl ihm bereits öffentlich einen Wechsel: "Er weiß, was das Beste für ihn ist. Dzekos Situation bei Manchester City kann nicht ewig so weitergehen", sagte er dem "Daily Mirror". Allerdings steht auch hinter der Zukunft von Balotelli und Tevez Fragezeichen. Entscheidet sich Dzeko allerdings für einen Wechsel, mangelt es an angeblichen Interessenten nicht. Zuletzt fiel sein Name unter anderem in Verbindung mit Top-Klubs wie Arsenal oder Real Madrid. Allesamt sicher auch keine schlechten Adressen.

 

Demba Papiss Cisse im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung