Fussball

Fragen und Antworten zur FIFA

SID
Vier Tage nach seiner Wahl verkündete Sepp Blatter seinen Rücktritt
© getty

Die FIFA wurde in ihren Grundfesten erschüttert, Sepp Blatter nimmt überraschend seinen Hut. Was ist passiert? Wie geht es weiter? Die wichtigsten Infos.

WAS IST PASSIERT?

Joseph S. Blatter (79) geht. Und das bald. Noch bis zum außerordentlichen Wahl-Kongress (zwischen Dezember 2015 und März 2016) sitzt der Schweizer zwar auf seinem Präsidenten-Stuhl, dort aber als klassische "Lame Duck". Die offensichtlich überwältigende Mehrheit findet das gut. Vieles spricht tatsächlich für einen Wandel. Dafür stehen jetzt aber die bisherigen Kritiker schwer in der Verantwortung, allen voran die Vertreter der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mit DFB-Boss Wolfgang Niersbach (64).

WER KANN DENN NACHFOLGER WERDEN?

Praktisch jeder, der ernsthaft im Weltfußball zu tun hat(te). Die FIFA-Statuten schreiben eine mehrjährige Tätigkeit als Funktionär (oder so etwas in der Art) und fünf Unterstützer, die schriftlich beim Weltverband die Eignung des Kandidaten bestätigten müssen, vor. Dazu steht eine Ethikprüfung an. Bei der letzten Wahl, die Blatter am vergangenen Freitag sinnloserweise erst abgehalten und dann gewonnen hatte, scheiterte nur ein Kandidat (Jérôme Champagne) schon im Vorfeld an der Statuten-Hürde.

Diashow: Die internationalen Pressestimmen zum Blatter-Rücktritt

WER SIND MÖGLICHE KANDIDATEN?

Das Machtgerangel beginnt gerade erst. Bis zur Bewerbungsfrist (steht noch nicht fest) werden sich Dutzende Anwärter melden. Die wenigsten sind geeignet. Ihr Absichten bekundet haben schon Prinz Ali bin Al Hussein (39), am Freitag noch Verlierer gegen Blatter, Brasiliens Idol Zico (62) und der südkoreanische Auto-Milliardär Chung Mong-Joon (63). Weitere Namen werden folgen. Die erwarteten "Big Player" für die Wahl der 209 Verbände, UEFA-Präsident Michel Platini (59) und der kuwaitische Scheich Ahmad al Sabah (51), halten sich noch bedeckt. Gedankenspiele mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (64) sind abwegig. Franz Beckenbauer (69) ist kein Thema.

UND WO IST BLATTER?

Der FIFA-Boss tat so, als wäre nichts gewesen, als hätte er nicht am Vorabend die Fußball-Welt komplett aus den Angeln gehoben. Wie immer erschien der 79-Jährige am Mittwochmorgen als Erster im Büro auf dem Zürichberg. In sein Innerstes kann aber keiner blicken. Nach 40 Jahren FIFA, davon 17 Jahre als Präsident, wird ihm dieser Dienstagabend schwer an die Nieren gehen. Wenn die Gerüchte über die FBI-Ermittlungen gegen ihn tatsächlich stimmen, noch viel mehr.

WAS IST DENN DRAN AN DEN FBI-GERÜCHTEN?

Die New York Times wusste als erstes Medienhaus in der vergangenen Woche von den Verhaftungen der sieben FIFA-Funktionäre in Zürich, ein paar Reporter waren sogar vor Ort. Die New York Times recherchierte sauber die Verwicklung von FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke in die dubiose Zahlung von zehn Millionen Dollar aus Südafrika Richtung Karibik. Die New York Times schrieb am Mittwochmorgen von Ermittlungen des FBI und der US-Staatsanwaltschaft auch gegen Blatter. Der FIFA-Boss kann nur hoffen, dass es bei zwei aus drei Treffern bleibt...

DIE FIFA-KRISEN - SIND DIE JETZT BEENDET?

Noch lange nicht. Die FIFA bleibt die FIFA mit ihrem verkrusteten System. In den Kontinentalverbänden und auch im Exekutivkomitee sitzen immer noch Gestalten, deren Unbescholtenheit doch bitte sehr infrage gestellt werden muss. Die WM-Vergaben an Russland und Katar hingegen sind auch nach Blatter so gut wie in Stein gemeißelt. Die Verträge sind absolut wasserdicht und milliardenschwer. Im Endeffekt ist es sogar so: Versucht die FIFA auch nur, einem der beiden mächtigen Länder die WM wieder wegzunehmen, steht die nächste Riesenkrise an. Der folgende Rechtsstreit wäre bombastisch. Die FIFA kann es praktisch nur aussitzen und auf 2023 warten. Aber das kann die FIFA ja gut.

Die Stimmen zum Blatter-Rücktritt

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung