Montag, 23.03.2015

UEFA-Machtdemonstration beim Wiener Kongress

Niersbach vor "Beförderung"

Am Dienstag tagt die Europäische Fußball-Union (UEFA) in Wien. Es geht um DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, UEFA-Boss Michel Platini - und gegen den Weltverband.

Wolfgang Niersbach (r., neben Michel Platini) steht vor einer Beförderung
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Wolfgang Niersbach (r., neben Michel Platini) steht vor einer Beförderung

Vor ihrer Machtdemonstration machten Europas Fußball-Bosse um Wolfgang Niersbach die Wiener Altstadt "unsicher", am Dienstag soll es dann für den Weltverband gefährlich werden. Der 39. Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) steht ganz im Zeichen der FIFA-Krisen.

Um an deren Beseitigung im Sinne der UEFA mitzuarbeiten, wird DFB-Chef Niersbach in die Regierung des Weltfußballs entsandt - Parallelen zur Restauration durch den historischen Wiener Kongress vor 200 Jahren drängen sich auf.

Niersbach, der am Sonntagabend nach getaner Arbeit zusammen mit den hohen Herren der UEFA-Führungriege aus der großzügigen Lobby des Hilton Vienna zum gemeinsamen Abendessen aufbrach, wird am Dienstag ohne Gegenkandidat ins FIFA-Exekutivkomitee gewählt. Seinen Dienst als Nachfolger des streitbaren Theo Zwanziger tritt der Präsident des DFB im Sommer an - die UEFA-Hoffnung, dass dieses dann nicht mehr von Joseph S. Blatter angeführt wird, stirbt zuletzt.

FIFA habe kein gutes Images

"Ich habe ihm unter vier Augen gesagt, dass ein Wechsel besser wäre, auch für ihn persönlich", sagte Niersbach dem SID: "Wir können auch als DFB nicht zufrieden sein, wenn die FIFA kein gutes Image hat. Das zu ändern, ist nur mit einem Wechsel machbar. Man kann noch so viel an den Strukturen und Organigrammen ändern, letztlich hängt es an den handelnden Personen."

Die drei Blatter-Herausforderer werden in Wien nochmal ordentlich die Werbetrommel rühren. Michael van Praag (67), Prinz Ali bin Al Hussein (39) und Luis Figo (42) dürfen am Ende des Kongresses sprechen, viele Stimmen aus Europa haben sie allerdings eh schon sicher. Blatter als Amtsinhaber wird die 54 UEFA-Verbände zu Beginn begrüßen. Sicher mit der ein oder anderen Spitze gegen die größten Kritiker.

"Europa hat das klare Signal gesetzt"

"Europa hat das klare Signal gesetzt: Wir wollen einen Wechsel", sagte Niersbach: "Es wäre kein gutes Zeichen gewesen, wenn nur Blatter kandidiert hätte."

Signalwirkung wird der Kongress so oder so haben. UEFA-Präsident Michel Platini lässt sich in seine dritte Amtszeit bestätigen ("Ich habe mich entschieden, bei der UEFA zu bleiben, wo ich mich wohlfühle"), mit Sicherheit beeindruckende Finanzzahlen werden verkündet und die eigenen Verbände stark geredet. Bei der UEFA soll es keine Krisen geben - kein Winter-WM-Desaster, keine Korruption, keinen Allmächtigen an der Spitze.

Die eigenen Beschlüsse hatte das UEFA-Exekutivkomitee am Sonntag überraschend schnell abgearbeitet, darunter auch eine Einigung mit Interessenvertretung europäischer Fußballvereine ECA über die Abstellungsgebühren, die von der FIFA zuletzt verdreifacht wurden.

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FIFA-Kongress am 29. Mai

Es ging auch um den Poker um die WM-Startplätze - Europa will einen mehr (bisher 13), Blatter verspricht im Wahlkampf gerne Afrika und Südamerika eine Aufstockung.

Entschieden wird das aller Voraussicht unmittelbar nach dem FIFA-Kongress, bei dem am 29. Mai die Präsidenten-Wahlen anstehen. Mit dabei im Exko ist dann Niersbach.

"Vom Grundsatz ist das für eine Person kaum zu machen - 30 Termine im Jahr muss ich zusätzlich einplanen", sagte er: "Aber es gab in unserem Präsidium den klaren Wunsch, dass der Deutsche Fußball-Bund als mitgliederstärkster Verband durch mich in der FIFA repräsentiert wird."

Die UEFA-Fünfjahreswertung im Überblick


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