Nach den Vorfällen beim Afrika-Cup

Wenn ein Kontinent ein Turnier verliert

SID
Montag, 09.02.2015 | 13:58 Uhr
Mehrere dubiose Vorfälle sorgten für einen skandalösen Afrika-Cup
© getty
Advertisement
Club Friendlies
Fr13:30
Inter Mailand -
FC Schalke 04
1. HNL
Fr20:00
Dinamo Zagreb -
Cibalia
International Champions Cup
Sa11:35
FC Bayern München -
AC Mailand
Premier League Asia Trophy
Sa12:00
West Bromwich -
Crystal Palace
CSL
Sa13:35
Shanghai SIPG -
Guangzhou Evergrande
Premier League Asia Trophy
Sa14:30
Leicester -
Liverpool
Premier League
Sa16:30
St. Petersburg -
Kasan
Club Friendlies
Sa17:00
SC Freiburg -
Feyenoord
Premier League
Sa18:30
Schachtjor Donezk -
Dynamo Kiew
Super Liga
Sa19:00
Partizan -
Macva
Super Cup
Sa20:30
Anderlecht -
Zulte Waregem
Serie A
Sa21:00
Vitoria -
Chapecoense
International Champions Cup
So00:05
Barcelona -
Juventus
International Champions Cup
So02:05
PSG -
Tottenham
CSL
So13:35
Shanghai Senhua -
Beijin Guoan
Superliga
So18:00
Midtjylland -
Silkeborg
Super Liga
So19:00
Roter Stern -
Radnicki
Serie A
So21:00
Fluminense -
Corinthians
International Champions Cup
So23:05
Real Madrid -
Man United
Serie A
Mo00:00
Atletico Mineiro -
Vasco Da Gama
International Champions Cup
Mo14:05
Inter Mailand -
Lyon
International Champions Cup
Di13:35
Chelsea -
FC Bayern München
Club Friendlies
Di19:00
Hannover 96 -
Wolfsberger AC
Copa Sudamericana
Mi00:15
Chapecoense -
Defensa y Justicia
International Champions Cup
Mi02:05
Tottenham -
AS Rom
International Champions Cup
Do01:30
Barcelona -
Man United
Copa do Brasil
Do02:45
Cruzeiro -
Palmeiras
International Champions Cup
Do03:05
PSG -
Juventus
International Champions Cup
Do05:35
Man City -
Real Madrid
International Champions Cup
Do13:35
FC Bayern München -
Inter Mailand
Copa Sudamericana
Fr00:15
Arsenal -
Sport Recife
Copa do Brasil
Fr02:45
Paranaense -
Gremio
First Division A
Fr20:30
Antwerpen -
Anderlecht
J1 League
Sa12:00
Gamba Osaka -
Cerezo Osaka
J1 League
Sa12:00
Kobe -
Omiya
International Champions Cup
Sa13:35
Chelsea -
Inter Mailand
Emirates Cup
Sa15:00
Leipzig -
Sevilla
Club Friendlies
Sa15:30
SV Werder Bremen -
West Ham
Emirates Cup
Sa17:20
Arsenal -
Benfica
First Division A
Sa18:00
Lokeren -
Brügge
Serie A
So00:00
Palmeiras -
Avai
International Champions Cup
So00:05
Man City -
Tottenham
International Champions Cup
So02:05
Real Madrid -
Barcelona
CSL
So13:35
Shandong Luneng -
Shanghai SIPG
First Division A
So14:30
Mechelen -
Lüttich
Emirates Cup
So15:00
Leipzig -
Benfica
Emirates Cup
So17:20
Arsenal -
Sevilla
First Division A
So18:00
St. Truiden -
Gent
Superliga
So18:00
Brondby -
Lyngby
Serie A
So21:00
Corinthians -
Flamengo
International Champions Cup
So22:05
AS Rom -
Juventus
Serie A
Mo00:00
Gremio -
Santos
Premier League
Mo18:30
Spartak Moskau -
Krasnodar
Club Friendlies
Mi19:00
Villarreal -
Real Saragossa
Copa Sudamericana
Do00:15
LDU Quito -
Club Bolívar

Die Elfenbeinküste hat den Afrika-Cup gewonnen. Aber das Sportliche trat klar in den Hintergrund. Es hagelte Kritik an der afrikanischen Konföderation, Äquatorialguinea mit der Gastgeberrolle anstelle von Marokko betraut zu haben.

Ein Gastgeber, der bis ins Halbfinale durchgewinkt wurde. Ein Diktator, der sich als Wohltäter feiern ließ. Ein Skandal, der den Fußball eines ganzen Kontinents um Jahre zurückwirft. Der Afrika-Cup 2015 in Äquatorialguinea, der am Sonntag mit dem Finalsieg der Elfenbeinküste zu Ende ging, war ein Turnier, das so niemals hätte stattfinden dürfen.

"Wenn ich Europa etwas schlechtes passiert, ist es ein Versehen, ein Irrtum - aber wenn in Afrika etwas passiert, wird sofort von Korruption gesprochen", behauptete Issa Hayatou, Präsident des afrikanischen Kontinentalverbandes CAF: "Die westlichen Medien sind nur deswegen hier, um die Kolonisation zu bewahren." Kurz zuvor waren 36 Zuschauer verletzt worden, Beobachter sprachen von "bürgerkriegsähnlichen" Zuständen.

"Unsere Fans Opfer barbarischer Gewalt"

Die traurigen Bilder der Ausschreitungen während des Halbfinales zwischen dem Gastgeber und Ghana (0:3) gingen um die Welt: Steine, Flaschen und Tränengas flogen auf Spieler und Fans, überall war Blut, ein Hubschrauber trieb die schreienden Massen aus dem Stadion. "Unsere Fans wurden Opfer barbarischer Gewalt", twitterte der ghanaische Verband GFA, dessen Präsident Kwesi Nyantakyi klagte: "Wir sollten über unseren Sieg sprechen, stattdessen reden wir über Gewalt. Das ist ein schwerer Schlag für das Ansehen des Turniers."

Von ganz oben kamen andere Meinungen. "Ich sehe diese negative Seite des afrikanischen Fußballs nicht, von der in den Medien berichtet wird", sagte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter während seiner Stippvisite in dem von Teodoro Obiang autoritär regierten Land, in dem die Bevölkerung trotz des Ölreichtums in Armut lebt. Der 78-jährige Schweizer ist in Afrika auch auf Stimmenfang für die Präsidenten-Wahl im Mai. Dafür sind viele Mittel recht.

Cheforganisator zeigt sich zufrieden

"Wir haben Afrikas Ehre gerettet", sagte Francisco Pascual Obama Asue, der Boss des Organisationskomitees, zufrieden - und wetterte damit indirekt gegen das schwer bestrafte Marokko. Das nordafrikanische Land hatte das Turnier eigentlich ausrichten sollen, aus Sorge wegen der Ebola-Epidemie aber eine Verschiebung beantragt. Die CAF aber sah keine höhere Gewalt: An den Turnieren 2017 und 2019 darf Marokko nicht teilnehmen. Zudem sind eine Geldstrafe in Höhe von 883.000 Euro und eine Entschädigungszahlung (acht Millionen Euro) fällig.

Fußball-Weltenbummler Lutz Pfannenstiel fand es "komisch, dass man näher an den Ausbruchsherd herangeht, schließlich ist die Gesundheit von Millionen wichtiger als ein Fußballturnier", sagte der Ex-Torhüter und TV-Experte damals dem "SID".

"Fußballerisch ein gutes Turnier"

Im Nachhinein sei es, "wenn man die Politik ausklammert, ein gutes Fußballturnier" gewesen, sagte er: "Natürlich war es eine sensible Entscheidung, das Turnier dorthin zu geben. Aber in Afrika gibt es leider keine 30 Länder, die solch ein großes Turnier vernünftig veranstalten können." Der CAF blieb keine andere Wahl, es ging auch um viel Geld.

Das hat Diktator Obiang im Überfluss - sein Volk aber lebt laut Weltbank mit weniger als zwei Dollar am Tag. Für die Vorbereitung des Turniers, das der Diktator so sehr für sein Image brauchte, reichten Obiangs Leuten rund 50 Tage, Kritik war nicht erlaubt. Zwei Regimekritiker, die wegen der Ebola-Gefahr zu einem Boykott der Spiele aufriefen, wurden in Arrest genommen.

Auch Schiedsrichterleistungen indiskutabel

Tunesien, das im Viertelfinale gegen Äquatorialguinea (1:2 n.V.) von Schiedsrichter Rajindraparsad Seechurn (Mauritius) aus dem Turnier gepfiffen wurde, droht wegen des "inakzeptablen und aggressiven" Protests der Spieler im Anschluss der Ausschluss vom Afrika-Cup 2017. "Wir haben die Hotels der anderen Teams gesehen - sehr komfortabel", sagte Abwehrspieler Bilel Mohsni: "Wir hatten keine Fernseher, keine Elektrizität und kein Wasser."

Immerhin Spannung bot das Finale am Sonntag. Die Elfenbeinküste mit den Bundesliga-Profis Salomon Kalou (Hertha BSC) und Serey Dié (VfB Stuttgart) gewann 9:8 im Elfmeterschießen gegen Ghana und den Augsburger Rahman Baba. Held des Abends war Torwart Boubacar Barry, der zunächst den Schuss seines Gegenübers Razak Brimah abwehrte und dann selbst traf. Alle drei Bundesliga-Profis hatten zuvor ihre Elfmeter souverän verwandelt.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung