Fussball

Willkommen auf den Schleudersitzen

SID
Louis van Gaal soll die gebeutelten Holländer zur WM 2014 führen
© Getty

Es gibt Trainer, die scheinen ein Faible für Problemfälle zu haben. Louis van Gaal, Fabio Capello und Didier Deschamps gehören wohl ganz offensichtlich zu dieser Gruppe. Sie leben nach dem Motto: Warum einfach, wenn es auch schwierig sein kann.

Denn mit ihren neuen Jobs als Nationaltrainer der Niederlande, Russlands und Frankreichs haben sie sich auf einen Schleudersitz begeben und stehen bereits vor ihrem ersten Spiel vor schier unlösbaren Aufgaben.

Besonders für van Gaal ist das wahrlich nichts Neues. Zum einen war der 61-Jährige vor mehr als zehn Jahren bereits Bondscoach - und scheiterte trotz eines Kaders voller Stars kläglich in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2002.

Zum anderen konnte er als Klubtrainer des FC Barcelona und zuletzt des FC Bayern München bereits schmerzlich erfahren, wie schwierig es ist, mit den überhöhten Ansprüchen von Fans und Verantwortlichen umzugehen.

Niederlande und Frankreich wollen blamable EM abhaken

Das wird auch jetzt nicht anders sein, denn wie in kaum einem anderen Land lechzt man in den Niederlanden nach einem Titel - dem zweiten nach dem EM-Sieg 1988 und dem ersten WM-Triumph überhaupt. Die Qualifikation zur Endrunde 2014 in Brasilien ist dabei die erste Hürde.

Vor dem Start in die Quali am 7. September gegen die Türkei geht es am Mittwoch in Brüssel gegen Nachbar Belgien. Und das Team um die Weltstars Arjen Robben, Robin van Persie, Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart muss nach der blamablen EM, in der man ohne Sieg in der Vorrunde rausgeflogen war, zur Wiedergutmachung antreten.

Ähnliches gilt für die Franzosen. Wobei es bei der Equipe Tricolore ja bereits zu einer kleinen Tradition geworden ist, nach einem großen Turnier Abbitte leisten zu müssen. Nach dem peinlichen Auftritt inklusive Spielerstreiks bei der WM 2010 kam der neue Trainer Laurent Blanc als Heilsbringer.

Doch auch die EM 2012 endete früh - und erneut mit kleineren Eklats sowie diversen Strafen für einige Spieler aufgrund ungebührlichen Verhaltens.

Capello setzt sich diesmal in Kapitänsfrage durch

Nun soll es also Didier Deschamps richten und den "Sauhaufen" auf Vordermann bringen. Der 43-Jährige gilt als letzte Hoffnung für "Les Bleus", denn einen größeren Namen als den Kapitän der Welt- und Europameister-Auswahl und zweimaligen Trainer des Jahres gibt es in Frankreich nicht.

Und selbst Deschamps, zuletzt bei Olympique Marseille tätig, zögerte lange und hatte dem Verband eigentlich schon abgesagt, bevor er seine Meinung überraschend änderte. "Die Spieler sind positiv eingestellt. Sie sind froh, hier zu sein und ihr Bestes für Frankreich zu geben", sagte Deschamps vor seinem Debüt gegen Uruguay - noch scheint er voller Optimismus zu sein.

Ebenso wie Fabio Capello, der als neuer Russland-Trainer bereits zwei Tage vor der Partie gegen die Elfenbeinküste seine erste schwierige Entscheidung traf: Andrej Arschawin bleibt Kapitän der Sbornaja. Und das, obwohl sich der Superstar nach dem frühen EM-Aus öffentlich mit Presse und Fans angelegt und die hohen Ansprüche beklagt hatte.

Als Trainer Englands war der Italiener Anfang des Jahres im Machtkampf mit dem englischen Verband FA noch an dieser Entscheidung gescheitert. John Terry wurde wegen Rassismus-Verdachts abgesetzt - Capello trat daraufhin zurück. In Russland musste er diesen Schritt vorerst nicht wiederholen.

Louis van Gaal im Steckbrief

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