Fussball

Daddy will nur spielen

Mittwoch, 06.07.2016 | 11:23 Uhr
Pepe mit seinen beiden Töchtern nach dem Sieg gegen Polen im Achtelfinale
© getty

Kontrollverlust und bizarre Theatralik - Kepler Laveran Lima Ferreira, ,kurz Pepe, eignet sich auf dem Platz als Adressat für jegliche Form von Abneigung. Dabei überzeugt er auf rein sportlicher Ebene seit vielen Jahren. Bei der EM greift Pepe nach seinem größten persönlichen Triumph. Fußball ist dennoch nicht Pepes Traumberuf. Das liegt an seinem Vater.

Es ist eine Szene, die vor Schmalz nur so trieft. Pepe trägt einen weißen Anzug, neigt den Kopf leicht nach links und lächelt. In der rechten Hand hält er eine Rose und wedelt damit neckisch Richtung Kamera.

Auf einem Glastisch, indem sich Pepe spiegelt, sind Rosenblätter verstreut. Pepe zwinkert kitschig - und beißt der Blume hinterrücks den Kopf ab.

Für seinen Schuhsponsor schlüpfte Kepler Laveran Lima Ferreira zum Valentinstag 2016 in eine ungewohnte Rolle. Sein schauspielerisches Talent ist beachtlich und das Ende des kurzen Videospots zeigt, dass Pepe auch Humor hat. Der Rosenkopfbiss - eine Persiflage auf Pepes Image als Höllenhund mit dem Schlächter-Ruf.

Kontrollverlust und Theatralik

Vor sieben Jahren malträtierte Pepe als Verteidiger von Real Madrid in einem Ligaspiel gegen Getafe seinen am Boden liegenden Gegenspieler mit fiesen Tritten und schlug anschließend zwei weitere Getafe-Spieler wuchtig ins Gesicht. Dem Schiedesrichtergespann gab Pepe auf dem Weg in die Kabine ein herzhaftes "Ihr seid alle Hurensöhne" mit.

Der spanische Verband zog Pep für zehn Spiele aus dem Verkehr, eine lächerliche Sperre angesichts Pepes völligen Kontrollverlusts. Die Real-Verantwortlichen drohten Pep mit dem Rauswurf, der gegeißelte Spieler erklärte sich bereit, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um den inneren Teufel loszuwerden.

Die Attacke von 2009, der brutale, absichtliche Tritt auf die Hand von Lionel Messi drei Jahre später oder die hinterfotzige Theatralik aus dem jüngsten Champions-League-Finale zwischen Real und Atletico Madrid haben Pepe enorm geschadet. Der mittlerweile 33-Jährige eignet sich wie kaum ein zweiter Spieler eines Weltklubs als Adressat für jegliche Form von Abneigung.

Besessenheit als Makel

Twitter-König Gary Lineker outete sich als ganz besonderer Fan von Pepe. "Such a dick", "enormous dick", "gigantic dick" - Lineker findet seit dem CL-Finale immer neue Formen der Beleidigung für Pepe, wobei die Interpretation weit auseinanderdriftet, da das Wort "dick" mehrere Deutungen zulässt - von eher harmlos bis hochgradig verachtend.

Sein aktueller Klubtrainer begründet Pepes Verhalten auf dem Feld mit dessen Hang zur Manie. "Pepe ist charmant und sehr höflich. Wenn er auf den Platz geht, ist er besessen zu siegen. Und dieses Verlangen sorgt dafür, dass er Fehler macht", sagte Zinedine Zidane.

Pepe musste früh lernen, sich durchzusetzen. Er wuchs in einem Elendsviertel in Brasilien auf und duellierte sich permanent mit den größeren Jungs in der Nachbarschaft. Es wurde Fußball gespielt, verbunden mit jeder Menge Härte. "Ich habe immer mit den älteren Jungs gespielt. Und als sie mich hart trafen, habe ich meine Tränen zurückgehalten, um zu zeigen, dass ich kein Weichei bin", sagte Pepe einmal.

Seine Erfahrungen in früher Kindheit hätten ihm entscheidend geholfen, es bis an die Spitze des Profifußballs geschafft zu haben, versichert Pepe. Doch er hat des Öfteren übertrieben. Pepe ist selbst verantwortlich für den Shitstorm, der ihn seit Jahren begleitet.

Seit Jahren Stammplatz bei Real Madrid

Dabei gibt es auf rein sportlicher Ebene keinen Grund, ihn zu kritisieren. Seit 2007 spielt Pepe bei Real Madrid und hat sich in dieser Zeit stets als zuverlässig und enorm zäh erwiesen. Viele Innenverteidiger haben versucht, ihm den Stammplatz bei Real streitig zu machen. Nachhaltig gelungen ist dies bis heute keinem.

"Wer bei einem Verein wie Real Madrid seit Jahren regelmäßig spielt, kann nicht viel falsch gemacht haben. Pepe ist einer meiner Führungsspieler, mein verlängerter rechter Arm auf dem Platz", sagte Portugals Nationaltrainer Fernando Santos vor EM-Beginn.

In Frankreich überzeugt Pepe mit guten Leistungen - abgesehen vom 3:3 gegen Ungarn. Im Viertelfinale gegen Polen setzte er seine Waffen, Robustheit im Zweikampf und ein überragendes Kopfballspiel, perfekt ein.

Noch immer wartet Portugal auf einen großen Titel bei EM oder WM. 2004 bei der Heim-EM war man als Finalist nah dran, hinzu kommen seit der EM 2000 mehrere Halbfinal-Teilnahmen, zuletzt vor vier Jahren, als Portugal an Spanien erst im Elfmeterschießen scheiterte.

Ausfall im Halbfinale?

Pepe selbst sieht Portugal diesmal reif für den großen Wurf. "In früheren Turnieren hat uns die Erfahrung gefehlt. Diesmal haben wir alles, was wir brauchen, um das Finale zu erreichen und zu gewinnen", sagte er.

Es könnte Pepes letzte Chance auf einen Titel mit der Seleção das Quinas Tugas sein. 2018 bei der WM in Russland wäre er 35 Jahre alt. "Ich habe im Verein alles gewonnen. Aber ein Titel mit der Nationalmannschaft würde mir alles bedeuten", betonte er.

Womöglich kann Pepe auf dem Weg ins Finale aber gar nicht mithelfen. Die letzten Tage konnte er aufgrund muskulärer Probleme im Oberschenkel nur individuell trainieren. Trainer Santos betonte am Dienstag, dass es auf eine Punktlandung hinausläuft.

Autofahren nach der Fußballer-Karriere

Für das Leben nach der Fußballerkarriere hat der Vater zweier Töchter noch keine konkreten Pläne. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass er später beruflich hinterm Steuer sitzen wird.

"Mein Vater ist Chauffeur. Das wollte ich auch werden, weil ich alles, was mein Vater getan hat, auch tun wollte. Ich bewundere meinen Vater", sagt Pepe.

Mit seiner Berufswahl ist er aber alles andere als unglücklich. "Als Sportler sein Geld zu verdienen, ist sicherlich nicht das Schlechteste auf der Welt."

Pepe im Steckbrief

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