Ein Gegner für jetzt – und einer für länger

Von Für SPOX in Berlin: Daniel Börlein
Sonntag, 13.05.2012 | 19:09 Uhr
Ein Bild mit Symbolcharakter: Der BVB feiert, Bastian Schweinsteiger ist dagegen bedient
© Getty
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Der FC Bayern richtet seinen Blick nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund schnell Richtung kommenden Samstag. Dann wartet der FC Chelsea im Finale der Champions League. Bastian Schweinsteiger warnt allerdings und vergleicht die Blues mit dem BVB. Die Borussia ist inzwischen an den Münchnern vorbeigezogen, das gesteht sogar Philipp Lahm ein.

Es war wohl eine Mischung aus Enttäuschung, Trotz und dem Versuch, den Schmerz der Niederlage möglichst lässig zu überspielen. Und so trat Mario Gomez den wartenden Medienvertretern nach der Pleite gegen den BVB mit einem Grinsen gegenüber und antwortete auf die Frage, wie er diese Finalniederlage gegen Dortmund nun wegstecke, kurz und knapp mit: "Gut!"

Es war recht offensichtlich, dass Gomez keine große Lust hatte, über die fünfte Pleite in Folge gegen den BVB zu sprechen. Er tat es trotzdem. Auch das Gros seiner Kollegen gab bereitwillig Auskunft, sprach von zu vielen eigenen Fehlern und unnötigen Gegentoren - und endete schließlich immer wieder in der Erkenntnis: "Wir müssen das nun schnell abhaken und nach vorne schauen."

Denn noch ist die Saison für den FC Bayern nicht zu Ende. Am kommenden Samstag steht das Endspiel in der Champions League an. Zuhause in München. "Dieses Finale gegen Chelsea ist noch wichtiger", sagte Arjen Robben. "Das müssen wir gewinnen."

Nerlinger: "Anderes Gesicht in der Champions League"

Allerdings hatte man sich die Sache beim FC Bayern ein bisschen anders vorgestellt. Eigentlich wollte man in Berlin noch mal Selbstvertrauen tanken und zeigen, dass man rechtzeitig zu den Saisonhöhepunkten in Top-Form gekommen war. Stattdessen wurde man vom BVB mit 2:5 abgewatscht. Ein weiteres Mal.

Von negativen Auswirkungen aufs anstehende Endspiel wollte beim Rekordmeister dennoch niemand etwas wissen. "Ich habe überhaupt keine Befürchtungen", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. "Die Mannschaft hat in dieser Saison speziell in der Champions League ein fantastisches Gesicht gezeigt. Und ich denke, dieses Gesicht werden wir auch am Samstag sehen."

Schweinsteiger: Chelsea wie der BVB

Auch Bastian Schweinsteiger gab sich durchweg positiv, wollte nicht den Ansatz eines Zweifels ankommen lassen. "Ich habe großes Vertrauen in unsere Mannschaft." Bayerns Mittelfeldchef appellierte allerdings, "dass wir die Fehler gegen Dortmund sehr genau analysieren müssen".

Es war keine dieser Floskeln, wie sie Fußballer nach Niederlagen gerne von sich geben. Schweinsteiger hatte dies ganz bewusst so gesagt: "Was wir gegen den BVB falsch gemacht haben, dürfen wir gegen Chelsea nicht auch falsch machen. Denn Chelsea spielt ähnlich wie Dortmund."

Und Schweinsteiger erklärte weiter: "Sie operieren wie Dortmund sehr viel mit langen Bällen. Und sie haben auch einen Spieler vorne drin, der die Bälle mit dem Rücken zum Tor halten kann."

Boateng empfiehlt sich nicht als Abwehrchef

Mit Dortmunds "Mann vorne drin", Robert Lewandowski, hatten die Bayern einmal mehr ihre Probleme. Der Pole tauchte zwar immer wieder ab, war in den entscheidenden Momenten aber zur Stelle und traf dreimal.

Gegen Chelsea wird es die Bayern-Abwehr mit Didier Drogba zu tun bekommen - und dann auf die gesperrten Holger Badstuber und David Alaba verzichten müssen. Der neue Abwehrchef heißt am Samstag Jerome Boateng. Gegen den BVB konnte sich der Nationalspieler nicht unbedingt für höhere Aufgaben empfehlen.

Alternativen gibt es allerdings nicht und Schweinsteiger hält ohnehin nichts davon, "jetzt auf einzelne Spieler loszugehen. Ich glaube an die Mannschaft. Wir haben eine sehr große Chance, etwas Historisches zu schaffen. Andere Vereine beneiden uns für die diese Möglichkeit."

Lahm: "Dortmund ist momentan vorne"

Das Thema Champions League ist beim BVB längst abgehakt. Das Aus in der Gruppenphase ist der einzige Makel in einer sonst nahezu perfekten Saison. Nächstes Jahr, so erklären die Borussen seit Wochen unisono, sei es das Ziel, auch in der Königsklasse deutlich besser abzuschneiden. Ohne die nationalen Interessen zu vernachlässigen.

Denn als Doublegewinner dieser Spielzeit geht das Team von Trainer Jürgen Klopp wohl auch als Favorit in die kommende Saison. Innerhalb von zwei Jahren hat es der BVB geschafft, zum Konkurrenten auf Augenhöhe für den FC Bayern zu werden. Oder ist die Borussia inzwischen vielleicht sogar ein bisschen mehr als das?

"Dortmund ist momentan vorne, das muss man ganz klar sagen", gestand Philipp Lahm ein. Die Bayern haben ihren Rang als unumstrittene Nummer eins in Deutschland zumindest vorerst eingebüßt. Dafür war das Pokalendspiel ein perfektes Beispiel.

Bayern: Normalfall reicht nicht mehr

Der Rekordmeister machte im Vergleich zu den vorherigen Niederlagen gegen den BVB vieles besser und spielte "die beste erste Halbzeit der letzten fünf Duelle" (Toni Kroos) - verlor am Ende aber dennoch deutlich.

"Ich finde nicht, dass wir weit unter unserer Normalform gespielt haben", sagte Mario Gomez. Im Umkehrschluss heißt das: Um Dortmund zu schlagen, muss der FC Bayern künftig weitaus mehr bringen, als eine normale Leistung. In den letzten Jahren hatte die stets gereicht, um die nationale Konkurrenz auf Distanz zu halten.

Daran ist gegen diesen BVB allerdings nicht mehr zu denken. Und dass sich dies mittelfristig ändert wohl auch nicht. Klopps Mannschaft ist in den vergangenen Jahren Stück für Stück gewachsen, hat sich von Saison zu Saison verbessert und scheint angesichts des jungen Durchschnittsalters noch nicht am Ende ihrer Entwicklung.

Kagawa-Abgang droht

Mit Shinji Kagawa verliert die Borussia allerdings womöglich einen Schlüsselspieler. Der Japaner will sich in den nächsten Tagen Gedanken über seine Zukunft machen. Ein Wechsel nach England scheint durchaus möglich.

Doch mit Marco Reus wurde ein vermeintlicher Ersatz bereits verpflichtet. Und auch nach der letzten Saison wurde der BVB mit dem Abgang von Nuri Sahin vor einige schwierige Aufgabe gestellt. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Borussia Dortmund - FC Bayern: Daten und Fakten

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