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Volland ist das Motto

Mittwoch, 12.10.2016 | 10:07 Uhr
Nach drei Spielen ist Deutschland in Gruppe C mit 8:0 Toren Erster
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Deutschland siegt auch gegen Nordirland mit 2:0 und ist in Sachen WM-Qualifikation voll auf Kurs. Die Elf, die in knapp zwei Jahren den Titel verteidigen soll, steht aktuell bereits in weiten Zügen fest. Daraus macht man auch keinen Hehl.

Unverhofft kommt oft. So ging es auch Kevin Volland am Dienstagabend. Als er durch die Mixed Zone schlenderte, war ihm die Freude über seine gut zehn Minuten Länderspiel-Luft durchaus anzumerken. Ganz so gelöst, wie es beispielsweise Ilkay Gündogan war, war Volland aber nicht.

Dazu geisterte ihm womöglich zu sehr durch den Kopf, dass er vielleicht gar nicht eingewechselt worden wäre, wenn Jonas Hector nicht signalisiert hätte, dass er aufgrund leichter muskulärer Probleme lieber vorzeitig vom Platz möchte.

Volland thematisierte es aber erst gar nicht. Stattdessen sprach er über seinen Fingerbruch zu Beginn der Saison und Ziele mit Bayer Leverkusen.

Darüber, wie gut das DFB-Team in Gruppe C der WM-Quali dasteht, sprachen andere. Sami Khedira, zum Beispiel, der die Seriosität und Spannung der Mannschaft hervorhob: "Es war in der Vergangenheit schon mal anders. Wir waren in so einer Qualifikationsphase schon mal anfälliger." Nicht aktuell.

"Wir hatten die totale Kontrolle"

In der Tat lieferte Deutschland drei beachtliche Qualifikationsspiele mit drei doch recht unterschiedlichen Herangehensweisen ab. Löw und seine Mannschaft bewiesen Wandelbarkeit in der Lösungsfindung und strahlten eine spürbar größere Entschlossenheit aus als das teilweise noch bei der EM und erst recht in der EM-Quali der Fall war.

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Nordirland war erneut kein Gradmesser. Das DFB-Team ließ in der Phase kurz vor der Halbzeit sogar einige zu viele Eins-gegen-eins-Situationen der nordirischen Angreifer gegen Hummels und Boateng zu. "Da haben wir Mats ein bisschen alleine gelassen", gab Neuer zu, der allerdings auch klar machte: "Nach der Pause hatten wir die totale Kontrolle."

Deutschlands permanenter Dominanz hatte bislang keines der drei Teams in der Quali etwas entgegenzusetzen. "Das Fazit der bisherigen Quali ist sehr gut. Wir stehen voll im Soll", sagt Neuer deshalb zurecht. Ähnlich klingt das aus dem Mund von Joachim Löw, der vor allem das Torverhältnis von 8:0 und die neun Punkte lobt.

Wenige Kritikpunkte

Löws Mannschaft agierte nach der EM sehr konzentriert und fokussiert. Es sind aktuell nur Kleinigkeiten, an denen der DFB etwas drehen möchte.

Gegen Nordirland wurde beispielsweise einige Male versucht, den Ball im Zentrum unbedingt durchzudrücken. Auf einen Mitspieler, der zwei oder drei Gegner im Rücken hatte. "Diese Pässe spielt man gerne, weil sie - wenn sie funktionieren - besonders gefährlich sind", sagte Mats Hummels: "Aber da haben wir heute einige einfache Bälle verloren. Das ist aber nichts, was wir nicht wieder in den Griff bekommen."

Es gibt derzeit wenige Kritikpunkte und dabei hat man auch nicht das Gefühl, dass das Team diesen Umstand derzeit zum Anlass nehmen könnte, wieder nachzulassen. Dazu sitzt die Enttäuschung der EM zu tief. Das Kollektiv brennt darauf, jedem zu zeigen, wer der Weltmeister ist. "Bis 2018 wollen wir in der Breite so gut sein, dass wir zwei Top-Mannschaften auf den Platz stellen können", formuliert Khedira sogar seine Kampfansage.

WM-Kader? Hummels wird deutlich

Die ganz große Weiterentwicklung braucht diese Mannschaft gar nicht mehr, sie hat sich in den letzten Jahren in dieser Zusammensetzung entwickelt. Das gab es selten, dass man schon so früh in einer Qualifikation eine so gefestigte Mannschaft vorfand.

Alle Spiele und Termine: Der DFB-Fahrplan bis zur WM 2018 in Russland

Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang die Worte von Mats Hummels. Sehr bemerkenswert sogar. Denn das gab es ebenfalls selten, dass ein Spieler klar feststellte, dass die jetzige Besetzung des Kaders mit großer Wahrscheinlichkeit sehr stark der in zwei Jahren ähneln wird. Das ist ein großer, fast schon utopischer Vorausblick eines Fußballprofis.

"Ich glaube tatsächlich, dass dieser Stamm aus 15, 16 Spielern aktuell eine sehr tragende Rolle spielt. Mit Andre Schürrle, Marco Reus und Mario Gomez haben wir drei Verletzte, die da auch mit reingehören. Die großen, wirklich wichtigen Spiele werden erst einmal mit diesem Personal ausgefüllt", sagte Hummels entschieden.

Die Begründung lieferte er gleich mit: "Wir haben eine gewisse Generation, die schon seit vielen Jahren in der Nationalmannschaft zusammenspielt. Man hat das Gefühl, dass sie das Spiel momentan sehr prägt."

Startelf steht in großen Zügen

Man braucht die Startelf nur mal durchzugehen, um sich vor Augen zu führen, wie wenig Austauschpotenzial sie für Löw hat. Neuer, Boateng, Hummels sind unstrittig. Auf Kimmich und Hector hat sich Löw auch deutlich festgelegt.

Das Zentrum bietet aktuell den interessantesten Konkurrenzkampf. Khedira und Kroos spielten in den jüngsten Partien, Gündogan wird schon in dieser Saison mit jeder weiteren Woche in Manchester ein größeres Thema werden. Genau so einen Personalkonflikt braucht es aber auch: Löw will spüren, dass sich in gewissen Mannschaftsteilen für eine Position aufgerieben wird.

Özil und Müller sind ebenso unantastbar in Löws Schema. Die wirklichen Fragezeichen gibt es im Sturm mit Gomez oder Götze. Oder Marco Reus, wenn er denn wieder fit wird? Und natürlich der Außenbahn, auf der Draxler gerade den Vorzug erhält. Hier hat es noch Platz für Sane, Brandt oder sogar einen Schürrle? Für sie alle bleibt die Frage, wer es zuerst in die Weltklasse schafft. Und sich damit das Standing erarbeitet, das es bei Löw einfach braucht.

Kader-Plätze immer rarer

"Der Stamm der Mannschaft steht", sagt Khedira. Das Team, wie es aktuell beisammen ist, hat sich gefunden. Dass es für alle, die noch nicht dazugehören, immer schwerer wird, reinzukommen, ist nicht von der Hand zu weisen. Hummels spricht es ja selbst klar an.

Die Truppe, die 2018 ins Turnier startet, wird weiter hauptsächlich aus Weltmeistern bestehen. Leuten, die sich mit einem zweiten Titel unsterblich machen könnten und das auch wollen.

Die kleinen Stellschrauben, die man im aktuellen Kader und Spiel justieren möchte, könnte man womöglich schon jetzt in einer zwei- bis dreiwöchigen Turniervorbereitung anpassen. Was gerade fehlt, ist eigentlich nur die WM selbst, so hat man das Gefühl.

"Bei der deutschen Nationalmannschaft ist es so, dass man über jedes Spiel glücklich sein kann. Wenn das heißt, dass ich Linksverteidiger spielen muss, dann spiele ich Linksverteidiger", sagte Volland letztlich doch über seinen Kurzeinsatz. Die Aussage könnte in den nächsten Monaten für den einen oder anderen noch zum Motto werden.

Deutschland - Nordirland: Daten zum Spiel

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