Fussball

Joachim Löw auf der Suche nach neuen Führungsspielern: Kein Status ist sicher

Toni Kroos und Manuel Neuer müssen um ihre Führungsrollen in der Nationalmannschaft kämpfen.

Joachim Löws Ansage bei der Ausbootung von Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels war deutlich: "Die jungen Nationalspieler müssen nun die Verantwortung übernehmen." Der frische Anstrich der DFB-Elf wirkt wie ein Warnschuss an die verbliebenen Weltmeister.

Es fühlt sich ein wenig an wie Juni 2011. Bundestrainer Löw hatte mit Michael Ballack soeben den langjährigen Capitano und Leitwolf der deutschen Nationalmannschaft abgesägt. Schon damals war die Art und Weise der Kommunikation fragwürdig.

Die Begründung? Vor dem Start in die EM-Saison sei der Zeitpunkt gekommen, klar Position zu beziehen. Sie ähnelte der, die Löw an diesem 5. März 2019 abgab: "Im Jahr der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 senden wir ein deutliches Signal der Erneuerung."

Der Übergang zur Post-Ballack-Ära gelang unerwartet fließend - und der Erfolg gab Löw Recht. Die Verantwortung verteilte sich erfolgreich auf mehrere Schultern. Nach und nach wuchsen auch Müller, Boateng und Hummels in diese Führungsrollen hinein, jeder auf seine Weise.

Ihre Schultern gilt es nun zu ersetzen. Löw schrieb die freien Stellen aus, doch wer bewirbt sich? SPOX und Goal geben einen Überblick.

Manuel Neuer (FC Bayern München, 32 Jahre):

Neuer ist als Kapitän nun mehr gefordert denn je. Er muss sich in seiner Rolle womöglich neu erfinden. Bisher interpretierte der vierfache Welttorhüter das Kapitänsamt sehr moderat.

Er ist nicht als jemand bekannt, der den Finger schonungslos in die Wunde legt, sondern vielmehr um Harmonie und Diplomatie bedacht. Eigenschaften, die zweifelsohne wichtig sind und im Publikum gut ankommen.

Bezeichnend dafür war Neuers Auftritt beim kuriosen Schul-Termin vor dem Testspiel gegen Russland im November. Kritischen Fragen wich er aus: "Die Journalistenfragen trüben etwas die Stimmung, die Kinderfragen waren sensationell."

Ist Feel-Good-Kapitän Neuer der perfekte Wortführer einer Nationalmannschaft, die sich im Neuaufbau befindet? Wohl kaum.

Hinzu kommt, dass sich die T-Frage mehr denn je aufdrängt. Auch nach dem WM-Debakel legte sich Löw auf Neuer als Nummer Eins fest. Die Forderungen nach Marc-Andre ter Stegen werden jedoch immer lauter. Und Löw verschaffte sich jüngst etwas Handlungsspielraum. "In diesem Jahr haben wir einen kleinen Neubeginn. Marc wird seine Chance bekommen und auf jeden Fall ein paar Spiele machen", sagte er im Gespräch mit DAZN.

Die sportlichen Leistungen würden einen Wechsel im DFB-Tor rechtfertigen. Ter Stegen fliegt beim FC Barcelona unverständlicherweise irgendwie noch immer unter dem Radar. Seine Fabel-Saison stößt lediglich in Spanien auf das verdiente Echo.

Sollte ter Stegen seine Leistungen auf nationaler Bühne aber bestätigen, wackelt Neuers Nummer-Eins-Status. Ter Stegen könnte stattdessen zum Führungsspieler werden.

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