Leroy Sane nicht im deutschen WM-Kader: Joachim Löw mag es berechenbar

Montag, 04.06.2018 | 16:04 Uhr
Leroy Sanes Bild vor dem Deutschen Fußball-Museum in Dortmund wird von der Fassade "gekratzt".
© getty
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Bundestrainer Joachim Löw hat im finalen Kader für die WM 2018 in Russland überraschend auf Leroy Sane verzichtet. Der 22-Jährige von Manchester City ist trotz überragender Leistungen im Verein nicht dabei, denn im DFB-Team konnte er bislang nicht überzeugen. Der Confederations Cup 2017 spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Nachdem er den vierten von vier aussortierten Spielern verkündet hatte, legte Löw eine kleine Kunstpause ein und griff nach dem Espresso. Ein paar Sekunden für die anwesenden Journalisten und die Bundestrainer am Fernseher und Livestream, die Überraschung zu verdauen. Oder alternativ wie in einer Comedyserie, vor Live-Publikum gedreht, deren Dialoge nach Gags jeweils erst einmal Luft für das Gelächter der Zuschauer lassen.

Schließlich hielten nicht wenige die Entscheidung für lächerlich. Leroy Sane war soeben für das Turnier in Russland aussortiert worden. Der beste junge Spieler der Premier League, Leistungsträger bei Meister Manchester City und mit 33 Scorerpunkten besser als jeder andere deutsche Spieler in der abgelaufenen Saison. Eines der größten, wenn nicht das größte Talent im deutschen Fußball.

Es half nicht, dass Löw keinerlei Erklärung für die Entscheidung bot, keine Fragen der Presse zuließ und das Feld wenig später seinem Kapitän Manuel Neuer überließ. Dass der in Russland dabei ist, war in diesem Moment weitaus weniger interessant als Sanes Ausbootung. Nein, er habe mit dem Trainerstab nicht über den finalen Kader gesprochen, erklärte ein hilfloser Neuer, aber das unglückliche Quartett - neben Sane noch Torwart Bernd Leno, Innenverteidiger Jonathan Tah und Angreifer Nils Petersen - habe in der Whatsapp-Gruppe bereits alles Gute für Russland gewünscht, "das zeigt den Charakter der Mannschaft."

Leroy Sane nicht im Kader: rein sportliche Entscheidung

Prompt wurde nach möglichen Erklärungen gesucht. Auftreten und Leistung würden bei Sane im DFB-Dress nicht zusammenpassen, hieß es von der einen Seite, Löw habe alles richtig gemacht und ein Zeichen gesetzt.

Völlig unverständlich, konterte die andere Seite. Wieder einmal habe Löw zugunsten des Kollektivs und gegen den überragenden Einzelkönner entschieden, ein Unterschiedsspieler wie Sane werde im Turnierverlauf noch bitter vermisst werden.

Wenige Minuten später erklärte Löw sich dann doch noch. Auf dem Weg zum Auto, von Reportern umlagert - warum er auf der Pressekonferenz keine Fragen zugelassen hatte, bleibt sein Geheimnis.

Immerhin war danach klar: Es handelt sich um eine rein sportliche Entscheidung. Spekulationen, wonach der 22-Jährige, der auf seinem Rücken ein überdimensionales Tattoo von sich selbst beim Torjubel trägt, abseits des Platzes negativ aufgefallen war, wies Löw energisch zurück: "Leroy hat sich sehr korrekt und gut verhalten!"

Davon war in Eppan auch nichts zu beobachten. Ein oder zweimal musste Sane im Trainingslager vom Trainerstab auf die richtige Trainingsgruppe aufmerksam gemacht werden. Das war es dann aber auch. Charakterlich passt alles. So beteuerte Löw, dass der Flügelflitzer nach der WM auf jeden Fall wieder zur Nationalmannschaft gehören wird, man werde "verstärkt mit ihm arbeiten."

Sane hat bisher im Trikot der Nationalmannschaft enttäuscht

Für die Mission Titelverteidigung spielt der WM-Zyklus von 2018 bis 2022 aber eben nur eine untergeordnete Rolle. Es zählt das, was die Spieler in diesen Tagen in der Nationalmannschaft zu leisten im Stande sind. In dieser Hinsicht hat Sane noch Luft nach oben.

Zwölf Länderspiele zählt die Webseite des Deutschen Fußball-Bundes bei Sane, an ein herausragendes kann man sich nicht erinnern (ein Assist, kein Tor). Ende März gegen Brasilien war Sane dabei, enttäuschte und wurde danach von Leader Toni Kroos indirekt angezählt. Gegen Österreich vermochte es der Dribbler erneut nicht, seine individuellen Qualitäten auszuspielen. Zu oft dribbelte er mitten in die Gegenspieler, zu selten fand er besser postierte Mitspieler. "Druck auf die Etablierten ausüben" solle die zweite Reihe, forderte Löw immer wieder. Das gelang Sane nur auf Klub-Ebene.

So reichte es nicht, um auf dem "Zielfoto" gegenüber Hauptkonkurrent Brandt die Nasenspitze vorn zu haben. "Bei der Nationalmannschaft war er in den Spielen noch nicht so ganz angekommen", erklärte Löw. "Das hat vielleicht ein bisschen den Ausschlag gegeben."

Brandt bietet Löw den Vorteil, in der Offensive noch ein Stück weit variabler zu sein als Sane, der fast immer über die linke Seite kommt. Dort stehen mit Marco Reus und Julian Draxler aber schon zwei sehr gute Alternativen zur Verfügung. Der Leverkusener Brandt kann auch zentral oder rechts zum Einsatz kommen und passt so besser zu Löws Mantra, alle Positionen doppelt zu besetzen.

Ein Schlüsselfaktor: der Confederations Cup 2017

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist zudem, dass Brandt beim Confederations Cup 2017 dabei war. "Er hat dort gute Spiele gemacht, hat sich im Training sehr gut gezeigt", betonte Löw und erwähnte das Vorbereitungsturnier auch, als er auf Julian Draxler zu sprechen kam. Sane sollte im Vorjahr beim Vorbereitungsturnier ebenfalls eine Schlüsselrolle zukommen, doch dieser sagte ab und ließ sich stattdessen lieber an der Nase operieren.

Das Ende vom Lied: Draxler, Brandt und Co. sind in der Nationalmannschaft angekommen, Leroy Sane sucht noch nach dem Platz, der ihm ob seiner Fähigkeiten eigentlich zustehen sollte. Auch in Manchester hatte es übrigens ein paar Monate gedauert, bis er im Zusammenspiel mit Pep Guardiola aufgeblüht war. In der Nationalmannschaft muss dieser Entwicklungsschritt noch kommen.

Im Hinblick auf das öffentliche Echo ging Löw Risiko mit der Entscheidung, sein größtes Talent zu Hause zu lassen. Im Hinblick auf Russland geht er mit den erfahreneren Brandt, Sebastian Rudy oder Matthias Ginter auf Nummer sicher: Er kennt die Spieler, weiß, was er von ihnen in einem Turnierumfeld zu erwarten hat.

Das wissen die Gegner allerdings auch. Sane hätte dem Team auf dem Weg zum fünften Stern eine Prise Unberechenbarkeit verpassen können. Ob die am Ende fehlt, wird sich noch herausstellen.

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