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Gegen sich selbst

Donnerstag, 07.05.2015 | 10:10 Uhr
Die Protagonisten des Abends im Camp Nou: Messi, Neymar und Manuel Neuer
© getty
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Der FC Bayern ist nach dem 0:3 in Barcelona so gut wie raus aus der Champions League. Im Camp Nou musste der deutsche Meister erfahren, wie es wohl seinen Gegnern geht, wenn die Münchener in Bestbesetzung und topfit auftreten. Der FC Barcelona nutzte Bayerns Fehler perfekt aus und hat nicht nur Lionel Messi als Matchwinner, sondern auch einen Wiedergeborenen.

Nein, die UEFA wollte damit natürlich nichts andeuten und Manuel Neuer selbstverständlich nichts unterstellen. Seine Nominierung zur Doping-Kontrolle nach dem 0:3 des FC Bayern München beim FC Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League war einzig und allein dem Los geschuldet.

Es hätte auch jeden anderen Profi der Münchener treffen können. Das Los wollte aber Neuer.

Dass er als Einziger unter den Bayern nachsitzen musste und am obligatorischen Champions-League-Bankett erst als Nachzügler teilnehmen konnte, hatte fast etwas Unfaires.

Der Schlussmann war zuvor der einzige Bayern-Profi, der gegen bestens aufgelegte Katalanen mindestens Normalform erreichte. Neuer zeigte gar eine Weltklasseleistung und verhinderte ein Debakel.

Neuer wie bei der WM

"Mit einem Schuss in der 77. Minute durchbrach Lionel Messi die Wand Neuers", schrieb die spanische "Marca" treffend. Viele internationale Beobachter erinnerten sich an die WM, als Neuer auf dem Weg zum WM-Titel seine Klasse in allen Bereichen vorführte.

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Neuer war auch im Camp Nou anfangs im Eins-gegen-eins mit Luiz Suarez und später mit Dani Alves nicht zu überwinden. einmal rettete er 30 Meter vor dem Tor gegen Neymar, wo dieser einfach keinen Torhüter erwartete. Es war die Phase, in der die 96.000 Zuschauer im kolossalen Rund im Laufe begannen, die Lust an der Veranstaltung zu verlieren. Aber irgendwann konnte selbst Neuer nichts mehr ausrichten und war der Machtlose unter den Hilflosen.

Es wäre zu hoch gegriffen, an das 0:4 des FC Bayern aus dem Jahre 2009 zu erinnern und das 0:3 der Guardiola-Elf mit dem 0:4 der Klinsmann-Elf von damals gleichzusetzen. In jener Nacht hatten die Bayern über 90 Minuten keine Mittel. Und sie hatten damals auch nicht die Qualität von heute, sodass die deftige Niederlage einkalkuliert werden konnte.

Alves, der Wiedergeborene

Heute hat Bayern mehr Qualität, aber Mittel fand man erneut keine - vor allem gegen Messi nicht, der in seinem 100. Europapokal-Spiel groß aufspielte, zwei Tore erzielte und ein drittes auflegte.

"Er hat den Unterschied ausgemacht", sagte Pep Guardiola, der tags zuvor noch ankündigte, dass sein ehemaliger Schüler eigentlich nicht aufzuhalten wäre. Er sollte Recht behalten, wenn er es sich auch sicher anders gewünscht hätte.

Doch es war nicht nur Messi, der den Bayern ihre Grenzen aufzeigte. Ivan Rakitic machte ein überragendes Spiel, Busquets spielte stark, Iniesta ist nicht so spektakulär wie einst, aber wichtiger denn je mit seiner Routine.

Und Dani Alves wurde wiedergeboren. Als Dani Alves aus den Jahren 2007 bis 2009, als er der weltweit beste Außenverteidiger war.

Während Luis Enriques Barcelona das spielte, was es immer spielte, versuchte sich Guardiola in dem einen oder anderen Experiment. Als Schiedsrichter Nicola Rizzoli das Spiel anpfiff, stellte sich beispielsweise Rafinha, geboren und aufgewachsen als Rechtsverteidiger, wie schon im DFB-Pokal gegen Dortmund als linker Verteidiger einer Dreierkette vor.

Aber der Brasilianer war nicht der einzige, der in der ersten Viertelstunde umherirrte, ehe Guardiola wieder auf Viererkette umstellte und Rafinha wieder nach rechts ging.

Sammer bemängelt Fehler

"Bis zum 1:0 haben wir wenig zugelassen, hatten das Spiel etwas besser unter Kontrolle", sagte Philipp Lahm über die Phase nach der Umstellung auf die Viererkette. Und dennoch marschierte Barcelona unaufhörlich, erspielte sich Chancen, ohne übertriebene Überlegenheit in Sachen Ballbesitz zu erlangen.

Die Tore in den Minuten 77, 80 und 90+4 schossen die Gastgeber vor allem deshalb, weil die Bayern abermals individuelle Fehler fabrizierten.

"Natürlich kann ein Fehler passieren, aber das passiert uns nicht zum ersten Mal", kritisierte Sportvorstand Matthias Sammer und zählte auf: "In Porto war es einmal, zweimal der Fall. Im Rückspiel passiert es nach dem Anschlusstreffer erneut, gegen Dortmund dann wieder. Wir müssen uns cleverer anstellen."

Die Bayern machen die Fehler aber nicht nur, weil sie unkonzentriert sind, sondern weil der Gegner sie dazu zwingt. Juan Bernat war nicht nur in der Szene aus der 77. Minute damit auffällig geworden, den Ball zu lange zu halten, sondern auch ein paar Male davor.

Doch der Spanier ist kein egoistischer Spieler, er fand lediglich keine Anspielstationen. Dass wenige Minuten später Jerome Boateng auf dem falschen Fuß erwischt wurde, hatte auch Gründe. Ballverluste im Mittelfeld, erzwungen durch ein aggressives Offensivpressing des Gegners.

Rückspiel als Schaulaufen

Gegen ein derartiges Pressing kann nur eine Mannschaft ankämpfen, die körperlich topfit ist. Doch das sind die Bayern nicht, auch wenn Lahm sagt: "Es darf keine Ausrede sein, dass wir nicht fit sind."

Die Bayern sind nicht in ihrer besten Verfassung: Lahm selbst schien mitunter das Tempo zu hoch zu sein. Bastian Schweinsteiger hatte ähnliche Probleme. Thiago torpedierte sein eigenes Spiel damit, dass er offenbar jedem im Stadion zeigen wollte, über welch vortreffliche Ballbehandlung er verfügt.

Darüber dass Robert Lewandowski die einzige Bayern-Chance in der ersten Hälfte verballerte, weil er aufgrund seiner Carbon-Maske beeinträchtigte Sichtverhältnisse hatte, darf spekuliert werden.

Der FC Barcelona hat all das perfekt ausgenutzt und die Bayern spüren lassen, wie es sich für ihre Gegner anfühlen muss, gegen sie in Topform und Bestbesetzung zu spielen.

Das Rückspiel am kommenden Dienstag in München wird zum Schaulaufen, wenn auch Messi ein "kompliziertes Spiel" in Deutschland erwartet.

Die Bayern selbst wollen sich nicht ganz aufgeben, wenn auch der Glaube an das Weiterkommen wohl nur vage existiert. Neuer sprach vom "letzten Tropfen" und meinte die Hoffnung. Und musste dann zur Doping-Kontrolle.

FC Barcelona - FC Bayern München: Die Statistik zum Spiel

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