Champions League: Achtelfinale, Hinspiel

Barca zu abgezockt für ängstliche Leverkusener

Von Thomas Gaber / Daniel Reimann
Dienstag, 14.02.2012 | 22:34 Uhr
Leverkusens Kadlec erzielte per Kopf das zwischenzeitliche 1:1 gegen Barcelona
© Getty
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Bayer Leverkusen steht in der Champions League vor dem Aus. Im Achtelfinal-Hinspiel verlor der deutsche Vizemeister mit 1:3 (0:1) und braucht im Rückspiel am 7. März im Camp Nou ein sportliches Wunder fürs Weiterkommen. Alexis Sanchez (41., 55.) und Lionel Messi (88.) erzielten die Tore für den Titelverteidiger, Michal Kadlec (52.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen.

Erst in der zweiten Halbzeit legte Leverkusen seine Scheu ab und setzte Barcelona vermehrt unter Druck. Barca-Keeper Valdes parierte zwei Mal glänzend.

Der SPOX-Spielfim:

Vor dem Anpfiff: Dutt setzt auf ein defensives 4-1-4-1. Der schnelle Schürrle ist statt Kießling (auf der Bank) einzige Spitze. Augusto und Castro sollen auf den Flügeln Alves und Abidal in der Defensive beschäftigen.

Bei Barcelona fallen Xavi (Wadenverletzung) und Pique kurzfristig aus. Dafür ist Busquets wieder fit. Mascherano und Puyol bilden die Innenverteidigung. Adriano spielt linken Außenstürmer.

41., 0:1, Sanchez: Friedrich verliert im Aufbau den Ball, Bayer zu weit aufgerückt. Messi schickt Sanchez überragend mit einem hohen Außenrist-Pass steil. Kadlec hechelt hinterher, Sanchez schiebt die Kugel locker durch Lenos Beine ins linke untere Eck!

52., 1:1, Kadlec: Bayer setzt Barca unter Druck, Corluka flankt von links in den Fünfer. Am zweiten Pfosten steigt Kadlec höher als Sanchez und trifft mit viel Wucht per Kopf ins rechte Eck!

55., 1:2, Sanchez: Fabregas spielt perfekt in die Gasse, zwischen Kadlec und Friedrich. Sanchez nimmt den Ball mit, umkurvt Leno und schiebt die Kugel aus spitzem Winkel ins leere Tor.

57.: Augusto kombiniert sich mit etwas Glück in den Barca-Strafraum, geht ein paar Schritte und schließt dann flach aus der Drehung ab. Valdes ist rechtzeitig unten.

64.: Bayer-Angriff über Renato Augusto, der die Kugel per Kopf in den Lauf von Castro spielt. Der startet halblinks in den Sechzehner und zieht sofort ab. Valdes lenkt den Ball mit einem klasse Reflex an den rechten Pfosten.

72.: Messi geht von rechts zur Mitte, narrt zwei Gegenspieler und steht plötzlich alleine vor Leno. Traumhafter Lupfer von Messi - an den Pfosten!

78.: Wunderbare Flanke von Castro aus dem linken Halbfeld. Kießling taucht am Elfmeterpunkt auf und setzt zum Kopfball an. Unplatziert! In die Arme von Valdes.

88., 1:3, Messi: Traumpass von Messi in die Gasse, in der Alves durchstartet. Frei vor Leno wartet der, bis sich Messi wieder in Position gebracht hat, um ihn dann per Flanke zu bedienen. Und der Argentinier trifft ins leere Tor.

Fazit: Die schwache erste Halbzeit bringt Bayer um eine realistische Chance, das Viertelfinale zu erreichen. Barca war nicht übermächtig, für Leverkusen aber dennoch eine Nummer zu groß.

Der Star des Spiels: Alexis Sanchez. Der Chilene hatte bis zum 0:1 ganze acht Ballkontakte, nutzte aber gleich seine erste Chance. Und als Leverkusen endlich begann, aktiv am Spiel teilzunehmen und zum Ausgleich kam, schlug Sanchez gleich nochmal zu. Zwei Chancen, zwei Tore - mehr geht nicht in einem K.o.-Spiel der Champions League.

Der Flop des Spiels: Simon Rolfes. Der Bayer-Kapitän hielt zwar an der Seite von Bender im zentral defensiven Mittelfeld diszipliniert dagegen, hatte aber enorme Probleme, das Leverkusener Spiel bei Ballbesitz zu beruhigen. Rolfes gewann nur 30 Prozent seiner Zweikämpfe und spielte 8 von 18 Pässen zum Gegner. Auswechslung nach 76 Minuten.

Der Schiedsrichter: Craig Thomson. Der Schotte hatte das Spiel jederzeit unter Kontrolle. Zeigte mit der frühen Gelben Karte für Schwaab (7.) nach dem üblen Foul an Abidal, wo's lang geht. Auch alle anderen Gelben Karten für Corluka, Castro und Thiago waren korrekt. Sehr guter Auftritt von Thomson.

Analyse: Nach 17 Sekunden griffen vier Leverkusener tief in der Barca-Hälfte an; Keeper Valdes blieb nur ein langer Befreiungsschlag. Trainer Dutt hatte seiner Mannschaft offenbar Aggressivität und frühes Stören eingeimpft. Doch die Leverkusener hielten sich nur in der 1. Minute an diese Marschroute. Fortan hielt sich nur Schürrle in der Barca-Hälfte auf, der Rest zog ein engmaschiges Netz, um Barca die Luft abzuschnüren.

Bayer überließ Barcelona komplett die Initiative, hielt den Gegner aber durch gutes ballorientiertes Verschieben und Biss in den Zweikämpfen vom eigenen Tor weg. Barca versuchte es oft durch die Mitte, Messi holte sich viele Bälle auf Höhe der Mittellinie ab. Doch das Barca-Spiel war zu eindimensional, über die Flügel ging praktisch nichts.

Defensiv stand Bayer gut, doch offensiv war es ein Armutszeugnis. In Hälfte eins spielte Bayer lediglich 88 Pässe (Barca 480!), nur 60 Prozent der Pässe kamen an - ein erschreckender Wert. Nach der Balleroberung wurde der Ball oft einfach nur nach vorne gebolzt.

Dass Barca durchaus verwundbar ist, zeigte Leverkusen beim 1:1, als sich Corluka und Kadlec mit Nachdruck durchsetzten. Auch nach dem 1:2 blieb Bayer dran und kam mit viel Einsatz und auch Spielwitz zu guten Torchancen.

In Hälfte eins hatte Bayer viel zu viel Respekt und Angst vor der eigenen Courage. Nach der Pause wachten die Leverkusener auf und legten Barcas Schwachstellen in der Defensive offen. Letztendlich setzte sich aber die Klasse der Katalanen durch.

Bayer Leverkusen - FC Barcelona: Fakten zum Spiel

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