Fussball

FC Bayerns rüstiger Routinier: Arjen Robbens letzte Chance auf den Henkelpott?

Von Dennis Melzer / Stefan Coerts
Augen immer aufs Ziel gerichtet: Arjen Robben vom FC Bayern München
© getty

Robben zeigt sich trotz seines Alters in bestechender Form. SPOX und Goal sprachen vor der Champions League mit dem junggebliebenen Niederländer.

"Man ist so alt, wie man sich fühlt", heißt es im Volksmund. Eine Binsenweisheit, die anmutet, als stamme sie von einem - unter jahrelangem Liebesentzug leidenden - Mitsechziger, der in einer der zahlreichen vorabendlichen RTL-Kuppelshows noch auf das große Glück hofft.

Rudolf (64), der rüstige Rentner, könnte diesen Satz beispielsweise gut gelaunt in die Kamera flöten, um seiner Bald-Lebensabschnittsgefährtin zu zeigen: Ich bin noch in der Lage, lange Bergwanderungen zu unternehmen und würde liebend gerne einen Salsa-Kurs besuchen.

Ob Arjen Robben eine Leidenschaft für derartige Freizeitaktivitäten hegt, ist nicht überliefert. Ansonsten würde sich der Niederländer aufgrund seines fortgeschrittenen Fußballeralters aber für eine vor semi-kreativen Alliterationen strotzende Bauchbinde empfehlen: "Robben, rüstig, Rentner". Dass der 34-Jährige aber überhaupt keine Lust hat, sich auch nur im Ansatz mit dem Ende seiner ruhmreichen Karriere zu beschäftigen, war zuletzt am Samstagnachmittag zu beobachten.

Umtriebig, flink auf den Beinen entwischte der Rechtsaußen den gegnerischen Verteidigern von Bayer Leverkusen nach Belieben, dribbelte bisweilen zwei, drei, vier Kontrahenten aus, denen nichts anderes übrigblieb, als verdutzt hinterherzuschauen.

3:1 hieß es am Ende für den FC Bayern, der die Werkself nach zwischenzeitlichem Rückstand am metaphorischen Nasenring durch die Allianz Arena gezogen hatte. Robben hatte mit einem sehenswerten Volleyschuss, der den Weg in den Winkel fand, die Weichen früh auf Sieg gestellt. Dementsprechend gut gelaunt gab sich der Protagonist auch im Anschluss an die Begegnung, nachdem seine Teamkollegen schon längst die Heimfahrt angetreten hatten.

Arjen Robben: "Fühle mich nicht wie ein 34-Jähriger"

"Vielleicht war ein bisschen Glück dabei", erklärte er augenzwinkernd, als er auf seinen Treffer angesprochen wurde. Wie könne es denn sein, dass er, der doch eigentlich schon alles mit dem deutschen Rekordmeister gewonnen hat, immer noch so eine unbändige Motivation ausstrahlt? "Das Wichtigste ist, dass man immer Vollgas gibt", lautete die simple Antwort, die Robben noch mit der eingangs umschriebenen Redewendung garnierte: "Aktuell fühle ich mich nicht wie ein 34-Jähriger."

So abgedroschen das klingen mag, so glaubhaft kommt es rüber, wenn Robben es ausspricht und auf dem Platz Taten folgen lässt. "Ich versuche, jeden Moment zu genießen", ließ er die anwesenden Reporter im grauen Bauch der Arena wissen - und deutete damit vor allem auf die anstehenden Spiele hin.

Am Mittwoch startet der FCB bei Benfica in Lissabon in die neue Champions-League-Saison (21 Uhr im Livestream auf DAZN und im LIVETICKER). Des einen Debüt, nämlich Niko Kovac, der erstmals auch als Trainer in der Königsklasse dabei ist, ist des anderen Startschuss für die vielleicht letzte Spielzeit in Europas Beletage. Nachdem sich das Journalisten-Feld gelichtet hatte, sprach Robben mit Goal und Spox exklusiv über die mutmaßlich ultimative Möglichkeit, den Henkelpott noch einmal in die Höhe stemmen zu dürfen.

Arjen Robben: "Es ist eine weitere Chance"

"Ich weiß nicht, ob das meine letzte Chance auf den Champions-League-Titel ist", sagte der 96-fache niederländische Nationalspieler und ergänzte: "Die Zeit wird es zeigen. Sagen wir es so: Es ist eine weitere Chance, den Titel zu holen."

In dem Wissen, dass die Europapokal-Saison noch in den Säuglingsschuhen steckt, erklärte Robben weiter: "Natürlich ist es unser Ziel, so weit wie möglich zu kommen. Aber die Gruppenphase fängt jetzt erst an, deshalb müssen wir erst einmal zusehen, dass wir in die K.o.-Phase einziehen."

In den vergangenen Jahren musste der Triumphator von 2013 immer spätestens im Halbfinale die Segel streichen, gegen den späteren Sieger Real Madrid schieden die Bayern in der abgelaufenen Spielzeit abermals in der Runde der letzten Vier aus. Ein Umstand, der den Klub aus der bayrischen Landeshauptstadt nach wie vor wurmt.

"Wir müssen aus den Fehlern lernen, schauen, was wir besser machen können. Diese wichtigen Spiele in der Champions League werden meistens aufgrund kleiner Nuancen entschieden", sagte Robben gegenüber Goal und Spox weiter und analysierte abschließend. "Natürlich trägt man einerseits selbst die Schuld daran, man muss deshalb selbstkritisch sein. Auf der anderen Seite können Dinge passieren, die man nicht in der eigenen Hand hat."

Arjen Robbens Bilanz in der Champions League

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Arjen Robben: 107-mal Champions League mit vier Klubs

Inwiefern Nuancen in der anstehenden Champions-League-Saison entscheiden werden, bleibt abzuwarten, ebenso, ob die Münchner tatsächlich aus den Fehlern vorangegangener Tage ihre Schlüsse gezogen haben. Klar ist, dass Königsklassen-Novize Kovac - nicht nur mit Hinblick auf die aktuell dünne Personaldecke - auf einen Arjen Robben in bestechender Form angewiesen ist, bringt er doch neben Ehrgeiz und Klasse enorm viel Erfahrung mit. 107-mal lief er in der Königsklasse bislang auf, mit vier verschiedenen Vereinen wohlgemerkt.

"Ich muss jetzt zu meiner Familie", verriet er zum Abschied und deutete vielsagend in Richtung Ausgang, wo Ehefrau Bernadien bereits mit Sohnemann Kai und Töchterchen Lynn, die ihrem Papa auch gleich um den Hals fielen und ihn herzten, auf ihn wartete. Robben, den rüstigen Routinier, der sich noch nicht wie ein 34-Jähriger fühlt - wir werden ihn glücklicherweise nie in einer RTL-Kuppelshow sehen.

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