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Schalke - Abdul Rahman Baba im Interview: "Ich hatte große Sorgen um meine Karriere"

Von Robin Haack
Abdul Rahman Baba ist noch bis zum Sommer 2019 an den FC Schalke 04 ausgeliehen.
© getty

Fehlstart in der Bundesliga, strömender Regen in Gelsenkirchen, nur zwölf Feldspieler beim Training während der Länderspielpause. Bei solchen Voraussetzungen könnte man meinen, die Stimmung beim FC Schalke 04 sei vor dem Champions-League-Auftakt gegen den FC Porto (Di., 21 Uhr live auf DAZN) im Keller.

Doch als Linksverteidiger Abdul Rahman Baba mit breitem Grinsen zum Interviewtermin in der Veltins Arena erscheint, ist von dieser vermeintlich schlechten Stimmung keine Spur mehr. Mit Spox und Goal spricht die Leihgabe des FC Chelsea exklusiv über Heimat, seine Jugend in Ghana, seine lange Verletzungspause und seine Ziele mit Königsblau. Außerdem gibt er einen spannenden Einblick in das Chelsea-Leihmodell und erklärt, warum Belgien-Star Eden Hazard ein "Clown" ist.

SPOX und Goal: Was bedeutet "Heimat" für Sie?

Abdul Rahman Baba: Heimat ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlt. Dort, wo man glücklich ist und von den Leuten umgeben ist, die man liebt.

SPOX und Goal: Sie haben Ihre Heimat Ghana schon mit 18 Jahren in Richtung Deutschland verlassen. Wie schwer ist Ihnen der Schritt damals gefallen?

Baba: Anfangs war es in Deutschland sehr schwer für mich. Glücklicherweise hatte ich in Fürth mit Gerald Asamoah jemanden, der sich sehr gut um mich gekümmert hat. Ich war ständig bei ihm zu Hause, seine Frau hat ghanaisches Essen gekocht und wir haben Twi gesprochen. Ich war dort häufig den ganzen Tag, sodass ich fast nur zum Schlafen zu Hause war. Dank Gerald war das erste Jahr in Deutschland wirklich okay und ich hatte kaum Heimweh. Nur meine Familie hat mir gefehlt.

SPOX und Goal: Welche Rolle spielt Gerald Asamoah in Ihrem Leben?

Baba: Er ist ein sehr wichtiger Mensch für mich. Immer, wenn ich bei ihm bin, haben wir sehr viel Spaß und lachen zusammen. Er hat mir unglaublich viel beigebracht und ich kann ihm gar nicht genug danken. Für mich ist er wie ein Vater und ein Vorbild zugleich. Was er in seiner Karriere erreicht hat, ist unglaublich und ich bin froh, dass mir eine solche Legende Ratschläge gibt.

Abdul Rahman Baba: "Die Fans der Bundesliga sind unglaublich"

SPOX und Goal: Was hat Ihnen in Deutschland zu Ihrer Anfangszeit in Fürth die meisten Probleme bereitet?

Baba: Deutsch zu lernen, ist mir sehr schwergefallen. Auf Englisch konnte ich mich zwar meist ganz gut verständigen, doch auf dem Platz musste ich schnell die deutschen Kommandos lernen.

SPOX und Goal:Was hat Ihnen am besten gefallen?

Baba: Die Fans in der Bundesliga fand ich von Beginn an unglaublich. Ich hatte so etwas nie zuvor erlebt und nicht für möglich gehalten. Egal zu welchem Spiel - jedes Mal kamen Zehntausende. Das ist außergewöhnlich. Ich hätte nie erwartet, dass ich so schnell von Ghana nach Deutschland gehe und dann sofort in der Bundesliga spiele. Es war ein positiver Schock. Etwas, worüber ich sehr glücklich war.

SPOX und Goal: Was wussten Sie vor Ihrem Wechsel nach Fürth über Deutschland?

Baba: Über das Land und die Leute wusste ich fast gar nichts, um ehrlich zu sein. (lacht) Aus dem Fernsehen kannte ich nur den FC Bayern und die Nationalmannschaft.

SPOX und Goal: Kameruns Nationalspieler Michael Ngadeu Ngadjui hat in einem Interview gesagt: "Man verlässt Afrika nicht nach Europa, weil man will. Man verlässt Afrika nicht nach Europa, weil man stolz darauf ist, sondern nur, weil die Chancen dort besser sind, seine Träume zu verwirklichen." Was sagen Sie dazu?

Baba: Das trifft es ganz gut. Ich liebe Afrika, aber die Ausbildung junger, talentierter Fußballer ist dort nicht vergleichbar mit der in Europa. Natürlich entwickeln wir uns weiter, doch trotzdem ist es in afrikanischen Ländern aktuell viel schwieriger, Fußballprofi zu werden. Wenn man also ein bekannter Fußballprofi werden möchte, muss man nach Europa gehen.

SPOX und Goal: Wie sind Sie in Ghana aufgewachsen?

Baba: Als ich jung war, gab es in Ghana noch nicht viele Fußballmannschaften. Ich bin im Norden aufgewachsen und bis heute gibt es kaum Profifußballer aus dieser Region. Deshalb war es für mich ein schwerer Weg, es tatsächlich zu einem großen Verein zu schaffen. Doch es war immer mein Traum, Profi zu werden. Es gab in meinem Leben nichts außer Fußball. Als Kind bin ich jeden Tag raus auf die Straße gegangen und habe überall gespielt, wo ich die Möglichkeit dazu hatte. Der Ball war immer an meiner Seite. (lacht)

SPOX und Goal: In Ghana haben Sie für Dreams FC gespielt. Wovon haben Sie geträumt, als Sie Nachwuchsfußballer waren?

Baba: Das Ziel von Dreams FC war es, jungen und talentierten Fußballern die Möglichkeit zu geben, ihre Träume zu verwirklichen. Heute bin ich sehr stolz und glücklich darüber, dass ich der erste Spieler des Klubs bin, der den Sprung ins Ausland und in die Nationalmannschaft geschafft hat. Noch heute ist Dreams wie eine Familie für mich. Immer, wenn ich in Ghana bin, statte ich dem Klub einen Besuch ab.

SPOX und Goal: Was hätten Sie werden wollen, wenn es nicht zur Profikarriere gereicht hätte?

Baba: Das ist genau die Frage, die ich mir immer wieder stelle, wenn ich allein bin und über mein Leben nachdenke. Bis heute habe ich darauf allerdings keine Antwort. Wahrscheinlich hätte ich studiert. Auch, weil meine Mutter sich immer gewünscht hat, dass ich zur Universität gehe. Doch Fußball stand in meinem Leben immer an erster Stelle. Meine Mutter sagt immer, dass ich schon angefangen habe, Fußball zu spielen, als ich noch nicht einmal richtig laufen konnte. In meinem Kopf ging es jeden Tag nur um Fußball.

SPOX und Goal: Wie haben Ihre Eltern Sie bei Ihrem Traum unterstützt?

Baba: Im Norden hatten wir damals wenig Möglichkeiten, professionell zu trainieren. Doch meine Eltern haben schon früh verstanden, dass ich den Fußball liebe und der Sport alles für mich ist. Deshalb haben sie mir jeden Tag erlaubt, nach der Schule rauszugehen und Fußball zu spielen.

Abdul Rahman Baba: "Meine Heimatstadt fehlt mir"

SPOX und Goal: Sie sind jetzt seit sechs Jahren in Europa. Was vermissen Sie an Ghana?

Baba: Es sind nicht die Dinge, sondern die Menschen und das tägliche Leben, das ich schon vermisse. Es fehlt mir, durch meine Heimatstadt zu gehen, in der viele meiner Freunde leben und in der alle dieselbe Sprache sprechen wie ich.

SPOX und Goal: In der Sommerpause haben Sie erklärt, dass Sie noch nicht bereit sind, wieder für Ghana zu spielen, da der Druck zu hoch ist.

Baba: Im Sommer habe ich mich noch nicht zu 100 Prozent fit gefühlt und wollte daher nichts riskieren. Ich wollte mir einfach noch eine Auszeit gönnen, um wirklich komplett fit zu werden. Zusätzlich gab es ein paar Probleme zwischen dem ghanaischen Fußballverband und der Regierung, die inzwischen aber keine Rolle mehr spielen. Wenn ich komplett bereit bin, will ich aber auf jeden Fall wieder für Ghana spielen.

SPOX und Goal: Doch warum spürten Sie Druck?

Baba: In Ghana steht man als Nationalspieler immer unter Druck, denn jeder hat eine Meinung zu dir. Selbst wenn man 5:0 gewinnt, sagen die Leute: "Ihr hättet 7:0 gewinnen müssen." (lacht) Die Leute finden wirklich immer etwas, worüber sie diskutieren können.

SPOX und Goal: Welchen Stellenwert hat der Fußball für die Leute in Ghana?

Baba: In Ghana liebt den Fußball wirklich jeder. Nach der WM 2014 hatten wir einige Probleme, doch ich glaube, dass wir aktuell auf einem guten Weg sind. Ich hoffe sehr, dass wir diesen Weg weiterführen können und sich der Fußball gut entwickelt.

SPOX und Goal: Als große afrikanische Fußball-Nation hat Ghana die Qualifikation für die WM 2018 verpasst.

Baba: Es war eine Katastrophe für unser Land. Die Vorbereitung auf unsere Spiele war nicht ideal und wir als Spieler hätten besser sein können. Ich kann nicht sagen, woran es lag, doch vielleicht haben wir einfach nicht genug gekämpft.

SPOX und Goal: Was ist in der Vorbereitung auf die Spiele falsch gelaufen?

Baba: Manchmal geht man ins Spiel und kann seinen Fokus nicht allein auf den Sport richten. Zu dieser Zeit gab es einen großen Streit zwischen dem Sportminister und dem Fußballverband, der auch uns Spieler von unserer eigentlichen Arbeit auf dem Platz abgelenkt hat. Teilweise war es vielleicht einfach zu viel für uns.

SPOX und Goal: Was ist für die Black Stars wichtiger: Der Titel beim Africa Cup of Nations oder die Qualifikation für die nächste Weltmeisterschaft?

Baba: Ich würde mich sofort für den Titel beim Africa Cup of Nations entscheiden. Seit ich ein Kind bin, ist es mein großer Traum, dieses Turnier zu gewinnen.

Seite 1: Baba über seine Heimat Ghana und den dortigen Fußball

Seite 2: Baba über seine Verletzungen, den schwachen Saisonstart und die nächsten Ziele

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