Ex-Bayern-Star Douglas Costa bei Juventus Turin: Als Zahnrad wiedergeboren

Von Pascal De Marco
Mittwoch, 07.03.2018 | 14:14 Uhr
Douglas Costa hat für Juventus lediglich drei Tore erzielt.
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Für Douglas Costa war der Start bei seinem neuen Arbeitgeber kein einfacher. Der Brasilianer musste viel Zeit auf der Bank verbringen. Nichts Ungewöhnliches für einen Neuzugang bei Juventus. Nun hat der Ex-Bayer seine Rolle beim italienischen Serienmeister endlich gefunden, auch wenn diese ungewohnt ist. Gegen Tottenham in der Champions League (Mittwoch, 20.45 Uhr im LIVETICKER) stehen er und seine Kollegen unter Zugzwang.

Egal ob Paulo Dybala, Alvaro Morata, Juan Cuadrado oder Alex Sandro: Für die Eingewöhnung neuer Stars lassen sich nur wenige Top-Klubs so viel Zeit wie Juventus. All diese Spieler verbrachten viele Minuten der ersten Pflichtspiele, teilweise sogar der ersten Saisonhälfte, auf der Bank.

Viele Minuten, in denen bei den Neuankömmlingen das Verständnis reifen soll, nach welcher Philosophie Fußball bei der Alten Dame gearbeitet und gelebt wird.

Das musste auch Douglas Costa erleben. Der Brasilianer, der nach einer enttäuschenden Spielzeit beim FC Bayern zunächst zu dem nach offensivem Tempo von den Außenpositionen lechzenden italienischen Serienmeister verliehen wurde, fand sich erst Ende November bei aufeinanderfolgenden Ligaspielen in der Startformation wieder.

Das Vertrauen von Trainer Massimiliano Allegri muss man sich hart erarbeiten. Vor allen Dingen muss man aber verstehen, dass dieses nicht durch offensive Einzelaktionen zu gewinnen ist. Das Vertrauen nämlich wird einem erst geschenkt, wenn man die etwas andere Philosophie, die Philosophie Juventus lebt.

Douglas Costas schwieriger Start bei Juventus

Costa bekam in der Anfangsphase der Saison die Gelegenheit, sich mit reduzierter Spielzeit nach Auswechslungen von Mario Mandzukic und Cuadrado über die beiden Außenpositionen im offensiv ausgerichteten 4‑2‑3-1 zu beweisen. Wie aus Münchner Zeiten gewohnt, ließ er Gegenspieler im Eins-gegen-eins mit Leichtigkeit stehen, das aber reichte dem "Mister" noch lange nicht, um ihm einen Stammplatz zu überlassen.

"Costa muss verstehen, dass man hier in Italien sofort den nächsten Gegenspieler vor sich hat, nachdem man einen ausgespielt hat", erklärte Allegri noch früh in der Saison auf die Fragen, warum der Trainer seiner Wunsch-Verpflichtung so wenig Spielzeit gab.

Für Juventus lief es zu dieser Zeit eigentlich nicht wirklich schlecht, doch nachdem man nach einer 2:3-Niederlage mit zwischenzeitlichem 0:3-Rückstand am 13. Spieltag bei Sampdoria Genua zum dritten Mal in der Saison sieglos geblieben, sprach die Tabelle mit Platz drei eine unschöne Sprache.

Unschön für die Verhältnisse des piemontesischen Spitzenklubs nicht nur deshalb, weil Juve seit September nicht mehr von der Spitzenposition grüßte, sondern weil das Team des eigentlichen Defensiv-Fanatikers Allegri zu viele Gegentore kassierte. 14 waren es zu diesem Zeitpunkt an der Zahl, während die Konkurrenz von Napoli, Inter und der Roma je bei lediglich neun Gegentreffern stand. Eine Ohrfeige gemessen an den Ansprüchen des Serienmeisters.

Douglas Costas Karrierestationen

KlubZeitPflichtspieleTore/Assists
Gremio Porto Alegre2008 bis 2009302/6
Schachtjor Donezk2010 bis 201520238/40
FC Bayern München2015 bis 20177714/27
Juventus Turin2017 bis ????313/6

Douglas Costa: "Man braucht Zeit, um sich anzupassen"

Das Spiel in Genua jedoch war ein Wendepunkt in der Saison von Juventus und ein Wendepunkt für Costa. Die offensive Spielidee, der Ausflug in den Hurra-Fußball war enttarnt worden, enttarnt als Missverständnis, und wurde zu den Akten gelegt. Stattdessen konzentrierten sich alle Kräfte nun wieder auf die altbekannten Standards, Juves Standards.

Und diese besagen schon seit den letzten Jahren unter Antonio Conte, dass Fußballspiele in der Defensive gewonnen werden, dass jeder Spieler an der Defensivarbeit partizipieren muss und dass man sich auch nach einem idealen offensiven Spielverlauf, wie beim Achtelfinal-Hinspiel in der Königsklasse gegen Tottenham, vor das eigene Tor fallen lässt, um aus einem defensiv kompakten Konstrukt Offensivbemühungen des Gegners zu zerstören.

Diese Philosophie wurde in den letzten Jahren bei keinen Teams so effizient und erfolgreich umgesetzt wie bei Juventus und Diego Simeones Atletico Madrid. Beide Teams brachten es zuletzt je zweimal mit ihrem Stil ins Endspiel der Champions League.

Costa durfte Teil der Positiventwicklung eines nicht immer gefälligen Fußballs werden. Allegri stellte auf ein 4-3-2-1 um, in dem der Brasilianer auf der rechten Halbstürmer-Position fungierte und Defensivaufgaben in einer Intensität wahrnahm, wie man sie vorher bei ihm nur selten gesehen hatte.

Freilich nicht als großartiger Zweikämpfer, sondern in der Unterstützung der Außenverteidigerposition und im Wahrnehmen und Besetzen gefährlicher Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld, wenn einer der Sechser aufrückt, um Druck auszuüben.

"Ich habe viel an den defensiven Aspekten gearbeitet und mich mit den taktischen Aufgaben auseinander gesetzt", sagte der Ex-Bayer Anfang des Jahres. "Es ist immer noch schwierig, weil die Serie A einfach anders als die anderen Ligen ist, in denen ich bislang gespielt habe. Man braucht Zeit, um sich anzupassen und sich an die taktischen Vorgaben von Allegri zu gewöhnen."

Douglas Costa hat den Kulturschock überwunden

Juventus hat das Blatt seit dem Auftritt in Genua in beeindruckender Manier gewendet. Seit der Pleite Mitte November hat die Alte Dame in 20 Pflichtspielen 18 Mal (!) zu null gespielt. Die Bianconeri haben sich wieder zu der Defensiv-Maschinerie entwickelt, die in den vergangenen Jahren die nationale Dominanz garantierte und die Champions-League-Finalteilnahmen 2015 und 2017 ermöglichte.

Costa hat die Philosophie der Turiner inzwischen verinnerlicht und genießt Allegris Vertrauen.

Er hat die Rolle als Zahnrad in eben jener Defensiv-Maschinerie akzeptiert und den Kulturschock einer gänzlich neuen Spielidee überwunden. Die Kaufoption über 40 Millionen Euro zog Juventus deshalb mit voller Überzeugung.

In der Liga hat sich Juventus inzwischen für seine die Gegner zermürbende Art Fußball zu spielen belohnt. Bestes Beispiel war der jüngste Sieg in Rom: Bei Lazio erlaubte Allegris Team nur vier Abschlüsse, gab selbst aber keinen einzigen Schuss aufs Tor ab, nur um in der 93. Minute dank eines Kraftakts von Dybala doch noch in Führung zu gehen. Konkurrent Napoli dagegen patzte erstmals nach zehn Siegen in Serie, weil man aus seinen 26 Schüssen nur zwei Tore machte, sich aber vier Tore bei fünf Schüssen der Roma einfing.

Juventus in Wembley unter Zugzwang

Im spannendsten Titelrennen der europäischen Topligen ist Juventus zwar immer noch der Jäger, doch das Momentum scheint für den Seriensieger und gegen den Herausforderer SSC Neapel zu sprechen.

Einen Vorteil schien Juventus auch in der Champions League ins Achtelfinal-Rückspiel ins Wembley mitzunehmen, nachdem Gonzalo Higuain einen furiosen Start der Italiener im Hinspiel mit zwei Treffern krönte. Individuelle Fehler und ein rabenschwarzer Tag von Giorgio Chiellini sorgten allerdings dafür, dass am Ende nur ein 2:2 gegen die Tottenham Hotspur zu Buche stand. Eine mehr als knifflige Ausgangslage gegen die so heimstarken Engländer um Torjäger Harry Kane.

Für Costa wird in London aller Voraussicht nach wieder ein Platz in der Startformation herausspringen. Nachdem er sich zuletzt sogar für den verletzten Higuain kurzzeitig als Mittelstürmer austoben durfte, dürfte es nun wieder die Rolle als Außenstürmer-Mittelfeld-Hybrid sein. Er und der wiedergenesene Dybala besetzen die Positionen im 4-3-2-1 hinter Higuain und lassen sich in der Rückwärtsbewegung von der Seite des gegnerischen Angriffs abhängig abwechselnd ins Mittelfeld und somit in eine 4-4-2-Ausrichtung fallen.

Nur auf defensive Stabilität kann Juventus in Wembley jedoch nicht setzen, denn nur ein Sieg oder ein sehr torreiches Remis bringen das Weiterkommen. Vielleicht wäre Allegri ja gut beraten, Costa ein wenig von der Leine zu lassen und - ausnahmsweise - von seiner Aufgabe als Rädchen in der Maschine zu entbinden.

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