Fussball

Reus: Ein Mann unter Feuer

SID
Marco Reus spielt nach seiner Verletzung wieder wie der Alte

Die Rangliste seiner Lieblingsfilme mit Denzel Washington hat Marco Reus in den vergangenen Wochen wohl umgestellt. Weniger "Training Day", davon hatte er nun wahrlich mehr als genug, und mehr "Mann unter Feuer".

Denn seit seiner Rückkehr vor zwei Wochen ist der so lange von Verletzungen geplagte Nationalspieler wahrlich heiß - eben "on fire".

Reus nimmt die fulminante Wiederkehr in die nun noch gefährlichere Offensive von Borussia Dortmund mit Demut an - er weiß ja, wie schnell es gehen kann. "Ich freue mich auf die nächsten Wochen und hätte nichts dagegen, wenn es weiter so läuft", mehr war ihm vor dem Gruppenfinale der Champions League bei Real Madrid am Mittwoch nicht zu entlocken.

Und das trotz zweier Tore und sechs Torvorlagen in zwei Einsätzen.

"Nach einem halben Jahr Pause brauche ich noch ein paar Spiele", sagte er nach dem 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag, bei dem er drei Tore brillant aufgelegt hatte. Eines davon genial mit der Hacke. Er ließ die Prognose folgen, er werde wohl erst "zur Rückrunde wieder bei 100 Prozent" sein.

Der 80-oder-90-Prozent-Reus aber ist schon verdammt gut.

Thomas Tuchel redete jedenfalls, als habe er staunend einem Kino-Superhelden zugesehen: "Es ist fantastisch, wie Marco zurückgekommen ist, mit welcher Persönlichkeit und Ausstrahlung! Das ist ganz einzigartig", sagte der BVB-Trainer schwärmerisch: "Unsere Ziele können wir nicht ohne Marco erreichen."

Kapitänsfrage bis zum Winter kein Thema

Der "brutal wertvolle" Reus, wie Sportdirektor Michael Zorc ihn nennt, kann seine Ziele nicht verwirklichen, ohne endlich mal verletzungsfrei zu sein.

Das gab es in den vergangenen Jahren sehr selten, ja, fast nie. Die WM, die EM, wichtige Spiele verpasste er dutzendweise.

Zeitweise wirkte es, als sei da ein hochbegabter Künstler in einem viel zu fragilen Körper gefangen. Derzeit spielt er wie ein Hund, der nach Monaten wieder von der Leine gelassen wird.

Nebeneffekt: Der Anspruch steigt rasant. Das war am Samstag perfekt zu beobachten. Plötzlich musste der 27-Jährige die Frage beantworten, ob er nicht anstelle des - mit Verlaub - auf dem Platz eher biederen Marcel Schmelzer der Kapitän sein wolle.

Die Frage war Reus lästig, er wischte sie entsprechend genervt beiseite. "Das Thema ist mir ziemlich latte", sagte er, "damit fangen wir jetzt nicht auch noch an."

Schließlich, so erklärte Tuchel, "war Marco gar nicht da, als wir Marcel Schmelzer zum Kapitän gemacht haben". Allerdings schlug Tuchel das Buch nicht sonderlich energisch zu: "Diese Frage", sagte er, "ist bis zum Winter definitiv kein Thema."

Somit kann Reus also einen dritten Film mit Denzel Washington, seinem "absoluten Lieblingsschauspieler", vorerst hinten im Regal lassen: In "Flight" spielt der Oscar-Preisträger einen selbstzweifelnden Flugkapitän.

Marco Reus im Steckbrief

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