Die Nachwehen des Derbysiegs

Dienstag, 17.03.2015 | 13:32 Uhr
Raul Garcia nach dem torlosen Remis gegen Espanyol Barcelona
© getty
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In der letzten Saison beeindruckte Atletico mit effektivem Ergebnis-Fußball. Doch seit dem Derbysieg gegen Real ist bei den Rojiblancos der Wurm drin. Coach Diego Simeone ist weiterhin auf der Suche nach einem System und den passenden Akteuren. Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Bayer Leverkusen (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) fehlt zudem ein Teil des Herzstücks der Mannschaft. Eine Monsterserie macht jedoch Hoffnung.

Mario Mandzukic wusste sofort, bei wem er sich bedanken musste. Mit ausgestrecktem Zeigefinger rannte er in Richtung der Eckfahne. Dort wartete bereits Fernando Torres auf ihn. Ausgestattet mit offenen Arme und einem breiten Grinsen.

In einer Co-Produktion hatten beide das Sahnehäubchen auf das soeben Erlebte gesetzt. Einer Torres-Flanke von der rechten Seite ging Mandzukic in der Mitte stark entgegen und nickte zum 4:0-Endstand ein.

Eigentlich nichts Außergewöhnliches. Doch an diesem Tag hieß der Gegner Real Madrid. Und diesen schickte man mit einer saftigen Klatsche zurück in den Norden der Stadt.

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Der Himmel hing trotz des holprigen Saisonstarts voller Geigen im Süden Madrids. Endlich zeigte man der versammelten Fußball-Welt mal wieder, dass man im letzten Jahr zu Recht die Meisterschaft gewonnen hatte und im Konzert der großen Zwei weiter mitgrooven kann. Mit nur vier Punkten Rückstand auf Platz eins schielte Atletico ob der strauchelnden Konkurrenz schon wieder nach ganz oben.

Nur ein Sieg nach Derby-Sieg

Als würden sie sich aktuell im Glanz des Sieges im Derbi madrileno sonnen, stottert der Motor der Rojiblancos seitdem jedoch. Lediglich einen Sieg holte man in den sechs Spielen seit dem Spektakel gegen Real.

Nach einem 0:0 am letzten Wochenende gegen Espanyol Barcelona gab's die Quittung für das Team von Diego Simeone. Erstmals seit dem 12. Spieltag musste Atletico sich wieder aus den Top 3 verabschieden, da Valencia nach einem Sieg vorbeizog. Bereits jetzt ließen die Rojiblancos mit fünf Niederlagen und fünf Unentschieden mehr Punkte liegen als in der kompletten letzten Saison.

Auffallend ist dabei, dass Diego Simeone vor allem in der Offensive seinen ersten Anzug noch nicht gefunden hat. Während er in der Meistersaison oft nur auf einzelnen Positionen Akteure tauschte, tüftelt er aktuell großflächig an seinem Angriff. Gerade als Koke mit einem Muskelriss zu Beginn der Rückrunde noch verletzt fehlte, schien das Team zusammengewürftelt und kopflos.

Rotation in der Offensive

Ohne den Spanier tauschte Simeone in regelmäßigen Abständen zwischen Mandzukic, Torres, Saul, Garcia und Turan im Sturm und auf den beiden Flügelpositionen.

Dass Atletico am Abgang von Diego Costa zu knabbern hätte, war im Voraus klar. Doch vor allem im Verlauf der Hinrunde ließen die Leistungen von Antoine Griezmann, um den sich vor der Saison auch Leverkusen ernsthaft bemühte, den Verlust des jetzigen Chelsea-Stürmers teilweise vergessen machen.

Aktuell werden die spielerischen Defizite von Atletico allerdings offen gelegt. Ohne den bulligen Costa fehlt den Rojiblancos meist die Anspielstation an vorderster Front. Obwohl das Mittelfeld der Meistersaison komplett erhalten blieb, wird dies von Simeone meist auseinander gerissen, um das Costa-Loch zu stopfen.

Allein Garcia spielte in den letzten drei Spielen auf drei komplett unterschiedlichen Positionen. Ein Symptom, das bereits in der letzten Saison auftrat - genau dann, wenn Costa fehlte.

Ein Tor in vier Spielen

Die Zahlen untermauern die These. Obwohl das Simeone-Team auch in der letzten Saison offensiv kein Feuerwerk abbrannte, erzielte man in den letzten vier Spielen lediglich ein Tor und blieb somit drei Mal ohne Erfolgserlebnis.

Durch die Rückkehr von Koke scheint das Team nun wieder etwas der Sicherheit des Meisterjahres zurückbekommen. Doch dieser spielte am Wochenende erstmals wieder über 90 Minuten.

Während offensiv derzeit gebastelt wird, bleibt das Herzstück weiter unangetastet: Die Verteidigung agiert wie auch in der letzten Saison fast immer mit identischem Personal. Auch die Doppelsechs um Tiago und Gabi sowie der Senkrechtstarter der Saison, Antoine Griezmann, bekommen immer das Vertrauen des Trainers.

"Wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln. Im Fußball gibt es manchmal Phasen, in denen es besser und Phasen, in denen es schlechter läuft. Trotz der letzten Spiele bin ich allerdings nicht beunruhigt. Das wäre ich, wenn wir uns keine Chancen erspielen würden. Und das ist nicht der Fall", sagte Simeone nach dem letzten Spieltag.

Das Herzstück fehlt

Doch auch gegen Leverkusen muss der Coach sein Team vor allem auf empfindlichen Positionen verändern. Mit dem gesperrten Godin fehlt Atletico das Herzstück der Defensive und zudem der Go-to-Guy bei den so brandgefährlichen Standards.

Da Tiago nach seiner Roten Karte im Hinspiel pausieren muss, ist Simeone auch auf der Doppelsechs nach langer Zeit erstmals zu Umbaumaßnahmen gezwungen.

"Der Auftritt in der Liga wird das Spiel gegen Bayer nicht beeinflussen. Die Liga und die Champions League sind zwei Paar Schuhe und können nicht verglichen werden. Es wird alles unterschiedlich sein", ist sich der gesperrte Tiago sicher: "Es wird eine spektakuläre Nacht im Calderon werden."

Bärenstark im Calderon

Das Spiel gegen Leverkusen (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) wird gegen die neu zusammengestellte Atletico-Formation zum Prüfstein werden. Schließlich gewann Bayer die letzten fünf Spiele allesamt zu Null und reist mit einer saftigen Portion Selbstvertrauen ins Calderon.

Obwohl Atletico in dieser Saison längst nicht an die Konstanz der letzten Jahre herankommt, gilt das Vicente Calderon weiterhin als Festung. Lediglich sieben Punkte gab man zu Hause in der Liga ab.

Auf internationaler Bühne ist die Statistik noch einschüchternder. Mit Barca, Chelsea, Juve, Olympiacos und Malmö waren durchaus illustre Namen im Stadion von Atletico zu Gast. Doch allesamt schafften es nicht, ein Tor zu erzielen. Das letzte Gegentor auf internationaler Bühne liegt somit über ein Jahr zurück.

Solange die Atletico-Offensive weiter lahmt, wäre es für Bayer nicht wirklich schlimm, wenn sie diese Serie nicht brechen würden.

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